Im Erzgebirge startet neue Suche nach Rohstoffen

Die Region ist die einzige in Deutschland, in der noch nennenswerte Bodenschätze lagern. Das Gebiet um Geyer ist deshalb auch Teil eines europäischen Forschungsprojektes.

Hier wird kein Fangnetz ausgeworfen. Vielmehr geht es um Bodenerkundung aus der Luft. Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie testet ab Sonntag über Geyer unter anderem diese neue Sonde.

Für Sie berichtet: Gabi Thieme

Ab Sonntag wird sich im Gebiet zwischen Geyer, Ehrenfriedersdorf, Thum und Hormersdorf mancher verwundert die Augen reiben. Dass dort ab und an Hubschrauber kreisen, ist nichts besonderes. Das, was nun einer im Schlepptau an einem 30 Meter langen Seil hinter sich herziehen wird, schon. Bei dem riesigen "Anhängsel" handelt es sich um eine neuartige elektromagnetische Sonde, die in den vergangenen Tagen bereits zum Erkundungstest im finnischen Sakatti nördlich des Polarkreises im Einsatz war. Nun wird sie voraussichtlich zehn Tage über dem Erzgebirge - allerdings nicht über besiedelten Gebieten - im Tiefflug 60 bis 70 Meter über dem Erdboden zu sehen sein. Mit ihr soll die Rohstofferkundung aus der Luft weiter vorangetrieben werden.

Den Hut dafür auf haben Forscher des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnolgie (HIF). Im europäischen Verbundprojekt Infact (Innovative, Non-invasive and Fully Acceptable Exploration Technologies) entwickeln sie gemeinsam mit Partnern aus der Industrie umweltschonende und sozialverträgliche Methoden zur Rohstofferkundung. Die EU finanziert das Projekt bis 2020 mit 5,6 Millionen Euro und macht das Gebiet um Geyer damit zu einem von drei Referenzgebieten in Europa. Neben Geyer und Sakatti in Finnland gehören Gerena und Minas de Rio Tinto in Südspanien dazu. Kriterien waren Klima, Lagerstätten, Bergbau-Historie und Bevölkerung.

"Wir wollen die Genauigkeit überprüfen, mit der neue Verfahren den Boden erkunden. Die umfangreichen Kenntnisse über den Untergrund des Erzgebirges dienen uns quasi als Vergleichsquelle", sagte Projektleiter Richard Gloaguen vom HIF. In Zukunft sollen sogar Drohnen mit magnetischen und elektromagnetischen Sensoren die Oberfläche scannen und Hinweise auf Rohstoffkörper liefern.

Insgesamt sind an dem aktuellen Projekt 17 Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschung, Industrie, staatlichen Behörden und gemeinnützigen Organisationen mit Sitz in sieben Ländern Europas beteiligt.

Das Testgebiet im Erzgebirge umfasst ein Areal von 58 Quadratkilometern, das in Abstimmung mit Natur- und Umweltbehörden linienförmig überflogen wird. Bei dem Untersuchungsfeld handelt es sich um ein Gebiet, das zwar schon zu DDR-Zeiten erkundet wurde, aber der Erkundungsstand ist hier nicht so hoch wie in anderen Gebieten. Fest steht, dass es noch reiche Rohstoffvorkommen birgt. In Geyer gehe es vorrangig darum, geologische Eigenschaften des Untergrundes zu bestimmen, die Hinweise auf Gestein mit Metallen wie Zinn, Wolfram, Zink und Indium geben könnten, betont das Helmholtz-Institut Freiberg. Es arbeitet dazu eng mit der TU Bergakademie Freiberg zusammen.

Anders als bei Bohrungen sind die geophysikalischen Erkundungsmethoden aus der Luft nicht punktuell, sondern flächendeckend möglich. Zugleich sind sie deutlich billiger als Tiefenbohrungen. Und die Untersuchung läuft, ohne zunächst in den Boden und damit in die Umwelt einzugreifen. Komplett ersetzten könnten sie Erkundungsbohrungen allerdings nicht, meinen Bergbauexperten. Ob die Bodenschätze im Untersuchungsgebiet letztlich abbauwürdig sein werden, ist damit längst nicht entschieden. Das hängt nach Auffassung der Projektpartner von zwei Faktoren ab: den dann aktuellen Weltmarktpreisen und den wirtschaftlichen Aufbereitungsmöglichkeiten.

Laut Helmholtz-Institut kommen bei den Testflügen in den kommenden Tagen zwei unterschiedliche Technologien zum Einsatz. Zum einen wird ein Magnetfeld-Messsystem des Unternehmens Supracon aus Jena erprobt. Dies sei das bislang einzige System weltweit, das aus der Luft die Veränderung des Erdmagnetfeldes durch magnetische Materialien wie Erze bestimmen kann. Außerdem soll ein Sensor aus Kanada die elektrischen Eigenschaften des Untergrunds ermitteln.

Bereits seit Oktober 2013 haben Richard Gloaguen und sein Team die Region mehrfach aus der Luft untersucht. Zuletzt geschah das 2015. Immer kamen Spezialhubschrauber mit immer neuen oder weiterentwickelten Sonden zum Einsatz. Durch ihre umweltverträglichen Technologien hoffen die beteiligten Forscher und Unternehmen auch auf mehr Akzeptanz gegenüber Bergbau und Erkundung unter der Bevölkerung. Bereits im Vorfeld der jetzt anstehenden Flüge gab es in allen drei Referenzgebieten Veranstaltungen mit Einwohnern, darunter Ende Juni in Geyer .

Am 17. August laden die Forscher gemeinsam mit der beteiligten Firma Dialogik zu einem "Erlebnistag Rohstoff-Forschung" auf den Sportplatz in Geyer ein. Auch der Hubschrauber kann dort besichtigt werden. Die Teilnehmer werden zudem zu ihren Einstellungen gegenüber Bergbau und Erkundung befragt. Die Dialogik-Wissenschaftler wollen dabei untersuchen, ob sich die Akzeptanz gegenüber neuen Technologien durch eine verbesserte Kommunikation mit der Öffentlichkeit steigern lässt.

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