Im Erzgebirge wird die Bahn der Zukunft entwickelt

Automatisiertes Fahren mit ökologischem Antrieb: In Annaberg entsteht ein einzigartiger Forschungscampus. Auch Sachsens Industrie profitiert davon.

Annaberg-Buchholz.

Im ersten digitalen Stellwerk Europas in Annaberg-Buchholz sind am Mittwoch die Weichen für ein zukunftsweisendes Verkehrsprojekt gestellt worden. Das Vorhaben "Smart Rail Connectivity Campus" (SRCC) soll digitale Fahrzeugsteuerung, autonomes Fahren und umweltfreundliche Antriebe bei der Eisenbahn voranbringen. In dem Netzwerk arbeiten die Technische Universität Chemnitz, die Stadt Annaberg-Buchholz und weitere Partner aus Wissenschaft und Bahnsektor zusammen. Dazu gehören die DB Netz AG, die Siemens AG, das Eisenbahnbundesamt, das Fraunhofer Institut sowie die Technische Universität Dresden.

"Mit dem Projekt treiben wir eine Technologie voran, die längst keine Zukunftsvision mehr ist - das automatisierte Fahren auf der Schiene", sagte Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) zur Auftaktkonferenz in Annaberg-Buchholz. Das SRCC soll hochautomatisiertes Fahren auf Normalspurgleisen sowie ökologisches Fahren mit hybriden Antrieben erforschen.

Als deutschlandweit erster Hybridzug soll der ehemalige Dieseltriebwagen "Eco Train" (Baureihe VT 642) das Vorhaben mit neuester Batterietechnik zum Erfolg führen. Ende des Jahres soll der Zug rollen, Ziel ist die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt. Der umgerüstete Triebwagen verfügt über einen Elektroantrieb und Batteriespeicher, der Dieselmotor dient nur noch als Unterstützung. Dazu Dulig: "Mit einem Hybridfahrzeug elektrisch fahren ohne Oberleitung - das ist umweltfreundlich und energieeffizient. Für Steuerung, Batterietechnik und Klimatisierung wurden in Sachsen neue Komponenten entwickelt."

Die Tests finden auf der 25 Kilometer langen Strecke Annaberg-Buchholz-Süd-Schwarzenberg statt. "Für Testzwecke ist die Strecke ideal: Sie hat Steigungen, Gefälle, Kurven, unbeschrankte Bahnübergänge und wird ansonsten nur touristisch genutzt", erklärte Lutz Mehlhorn, Geschäftsführer der Bahn-Tochter Erzgebirgsbahn, die die Strecke betreibt. Weitere wichtige Infrastruktur-Bausteine sind das neue, EU-weit modernste Stellwerk mit Digitaltechnik und der "Untere Bahnhof" der Stadt Annaberg-Buchholz.

Das Projekt SRCC hat laut Wirtschaftsministerium bereits Breitenwirkung entfaltet. Mehrere auf autonomes Fahren spezialisierte Unternehmen hätten Interesse bekundet, ihre Produkte - etwa Umfeldsensoren und Kameratechnik - unter realen Bedingungen zu testen. Von einem 5G-Datennetz, das für das Projekt entlang der Strecke aufgebaut werden muss, werden auch die dort ansässigen Unternehmen, vor allem der Automobilindustrie, profitieren.

Der "Smart Rail Connectivity Campus" gehört zu 32 von 100 Vorhaben, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung Ende 2017 im Rahmen des Programms "WIR! - Wandel durch Innovation in der Region" für die Konzeptphase zugelassen hat. Damit können seit 1. April 200.000 Euro für die Detailplanung eingesetzt werden, die die TU Chemnitz übernimmt. "Ich bin mir sicher, wir können einige Bereiche revolutionieren", sagte Rektor Gerd Strohmeier. Das Konzept muss bis 31. Oktober im Ministerium eingereicht werden, wo bis Jahresende zwölf Projekte ausgewählt werden. Diese erhalten dann bis zu acht Millionen Euro Förderung.

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