Im Osten schwindet der Glaube an einen Erfolg der Energiewende

Die Mehrheit der Ostdeutschen steht weiter hinter dem Wandel hin zu den erneuerbaren Energien. Die Ablehnung und Skepsis wachsen aber.

Chemnitz.

69 Prozent der Ostdeutschen und Berliner befürworten die Energiewende. Das sind genauso viele wie vor zwei Jahren. 2012 waren es allerdings noch 81 Prozent. Das geht aus repräsentativen Umfragen hervor, die der Energieversorger Envia M in Auftrag gegeben hatte.

Demnach ist die Skepsis in Ostdeutschland gegenüber der Energiewende gewachsen. Jeder Fünfte lehnt sie laut Umfrage inzwischen ab, in ländlichen Regionen ist es sogar fast jeder Vierte. 2016 war es in den fünf neuen Bundesländern und in Berlin nur etwa jeder Sechste. Zudem ist die Unzufriedenheit mit der Umsetzung der Energiewende gestiegen. 80 Prozent der Befragten hadern mit dem Management des Wandels. 2016 waren es noch 65 Prozent. Auch glauben derzeit nur noch 43 Prozent im Osten an den Erfolg der Energiewende; 2016 waren es 50 Prozent.

"Die Leute haben den Eindruck, dass es am politischen Umsetzungswillen mangelt und dass auf zu viele Einzelinteressen Rücksicht genommen wird", sagte der Envia-M-Vorstandsvorsitzende Stephan Lowis am Donnerstag. "Die Menschen spüren politische Unstimmigkeiten. Das sieht nicht mehr wie aus einem Guss aus und führt zu Verdrossenheit und Zweifeln am Gelingen der Energiewende." Vor allem in den ländlichen Ost-Regionen, in denen die Menschen von der Energiewende durch neue Stromtrassen oder Windräder am stärksten direkt betroffen seien, sei das zu beobachten. "Ohne die Akzeptanz in der Bevölkerung ist die Energiewende in Ostdeutschland aber nicht möglich. Umso nachdenklicher stimmen die Umfrageergebnisse", sagte Lowis. Gebot der Stunde sei daher, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen, die die Menschen mitreiße und den Glauben an den Erfolg der Energiewende stärke. "Dies hat auch die Bundesregierung erkannt."

Das Wichtigste für die Ostdeutschen ist und bleibt laut Umfrage aber, dass die Energiewende bezahlbar bleibt. 62 Prozent (2016: 70 Prozent) fordern eine gerechtere Kostenverteilung. Dies gilt umso mehr für die Zukunft. Denn 55 Prozent der Befragten rechnen infolge des Braunkohleausstiegs mit weiter steigenden Strompreisen. "Hier ist vor allem die Politik gefragt", sagte Lowis. "Die muss die Bezahlbarkeit der Energiewende zur Chefsache machen und die Strompreise für Haushalte neu regeln." Schließlich seien mehr als 70 Prozent des Strompreises staatlich festgelegt oder reguliert. "Ein Vorschlag von uns wäre, die Stromsteuer abzuschaffen. Einem Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch brächte das eine Ersparnis von 85 Euro."

Nach Überzeugung von Lowis ist insbesondere die Digitalisierung ein Schlüsselfaktor, um bei der Energiewende den nächsten Schritt zu gehen. Dort gebe es große Reserven. Nur 14 Prozent der Ostdeutschen würden Smart Home als Dienstleistung nutzen und Stromverbrauch oder Heizung digital regeln. Auch waren nur 44 Prozent der Befragten der Meinung, Digitalisierung vereinfache den Alltag. Nach Ansicht von 35 Prozent verändert sich der Alltag dadurch nicht.

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11Kommentare
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  • 4
    1
    Zeitungss
    20.01.2019

    @Einspruch: Sie haben es auf den Punkt gebracht. Das EEG liefert die Grundlage dafür, dass der Normalbürger so begeistert ist. Die Basis zum Gelddrucken muss bekanntlich auch finanziert werden, was der private Stromkunde mit großer Freude erledigt und es murrend zur Kenntnis nimmt. Wer ordentlich Strom verheizt, ist bekanntlich befreit, was jeder private Kunde wohlwollend zur Kenntnis nimmt.
    Wer die Kohle in den Hintern geblasen bekommt, kann Ihre Zeilen natürlich nicht verstehen und auch nicht wollen. Mit der gelobten Marktwirtschaft hat das EEG auch bei großzügiger Bertachtung absolut nichts mehr zu tun. Soll jeder Erzeuger sein Produkt an der Strombörse an den Mann bringen und damit seine Investitionen finanzieren, sollte noch etwas übrig bleiben, darf der Bertreiber lachen, was dann auch gerecht wäre, denn jetzt lacht er immer. Die Landschaft und die Bebauung ist zu einem Großteil schon verschandelt, die Landwirte sind jetzt "Kraftwerksbetreiber", was profitabler ist als ihr eigentlicher Beruf. Wieviel landwirtschaftliche Fläche wird für Schönwetterstrom noch zugebaut ???? Für die Speicherung werden medienwirksam einmal 3 Flachbatterien aufgestellt, die Pumpspeicherwerke nimmt der Fiskus in die Zange, wie krank ist denn das Gesamtkonzept, fragt sich inzwischen nicht nur der blutige Laie, denn der muss dafür tief in die Tasche greifen.

  • 6
    1
    Einspruch
    20.01.2019

    Wenn die Energiewende die Energie ständig nur teurer oder unbezahlbar macht, werde ich sie nie gut finden und daran glauben. So werden wohl viele denken. Die ganzen Haushaltsgeräte neu mit A+++, die Led Lampen, sauteuer und lange nicht so haltbar wie versprochen mit einem unnatürlichem Licht. Und trotzdem wird es immer teurer, obwohl die verbrauchte KW Zahl pro Jahr schon im Keller ist. Alles Mist. Digitalisierung und Smarthome ist der nächste Käse. Ich brauche keine App, die unter Vernachlässigung der Bauphysik ständig am Thermostat dreht und mir eine Ersparnis vorgaukelt, die mich am Ende mehr kostet und deren Anschaffungskosten ich nie rein hole. Weil es immer teurer wird, bevor sich was rechnet. Und den Lichtschalter und den Kühlschrank kann ich schon noch selber beaufsichtigen.

  • 7
    1
    Tauchsieder
    19.01.2019

    Sie leiden wohl an einer gewissen Realitätsferne "Bla....."?

  • 1
    10
    Blackadder
    19.01.2019

    @tauchsieder: Unfassbar Ihr Zynismus, wenn die Jugend sich berechtigterweise um die Zukunft sorgt.

  • 9
    3
    Tauchsieder
    19.01.2019

    Wahnsinns Bilder mit den Kindern, da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Wäre dies nach dem Schulunterricht angesagt gewesen, wäre wahrscheinlich keine S.. gekommen.

  • 10
    2
    franzudo2013
    18.01.2019

    Der Beweis ist doch erbracht. Deutschland hat die höchsten Stromkosten, die groesste Blackoutgefahr, gleichbleibende CO2-Emissionen und den Ausblick, dass sich diese Tendenzen weiter verschärfen.
    Die Klimakirche schickt jetzt sogar Schulkinder zur Demo. Das hat eine ähnliche Qualität wie der Schäferhund vom Obersalzberg.

  • 7
    4
    franzudo2013
    18.01.2019

    Erstens ist nichts alternativlos. Zweitens ist eine Energiewende keine Glaubensfrage.
    Eine Energiewende, die diesen Namen verdient, kann nur auf Innovation, Markt, Physik und Freiheit aufbauen.
    Im Großen und Ganzen das Gegenteil dessen, was gerade läuft.

  • 11
    2
    Deluxe
    18.01.2019

    @Blackadder:
    Eine Energiewende ist ganz sicher alternativlos.

    Aber daß DIESE Energiewende in der jetzigen Form alternativlos ist, möchte ich stark bezweifeln. Insbesondere die Umsetzung ausschließlich auf Kosten der Endverbraucher und die politische Gesamtorganisation des Projektes.

    Denn diese Energiewende ist leider auch wieder nur zur Gelddruckmaschine für Großkonzerne verkommen, anstatt eine wirkliche Wende in der Organisation von Daseinsvorsorge zu sein. Das beginnt bei den Eigentumsverhältnissen, die ganz andere sein müßten und hört bei der Frage der Gewinnmaximierung noch nicht auf.

  • 3
    4
    Tauchsieder
    18.01.2019

    Einfache Antwort zur Überschrift - Der war nie da!

  • 2
    13
    Blackadder
    18.01.2019

    Es ist aber nun mal leider alternativlos. Wir müssen andere Wege der Energieerzeugung finden, früher oder später. Eigentlich ist eh schon viel zu viel Zeit verloren gegangen.

  • 10
    3
    Deluxe
    18.01.2019

    Der Artikel trifft genau ins Schwarze.
    Es ist nicht die Energiewende als solche, die den Leuten Kopfzerbrechen macht.

    Die meisten Menschen muß man nicht davon überzeugen, daß der Mix aus Atomkraft und Braunkohle nicht auf Dauer das Nonplusultra ist. Denn die Frage des Atommülls ist nicht endgültig und langfristig beantwortet und die Kohle wird (neben der Schadstoffproblematik und dem Landschaftsverbrauch) ja auch irgendwann alle. Das weiß jeder und niemand will dauerhaft Kohle verbrennen.

    Aber auch die erneuerbaren haben Grenzen. Wieviel Ackerfläche will man noch für Solarzellen opfern? Wieviele Windräder will man in unserem kleinen, dichtbesiedelten Land noch bauen? Es gibt in Deutschland außerhalb der Städte nahezu keinen Ort mit Ausblick mehr, von dem aus man eine Landschaft ohne Windräder sieht.

    Die Zweifel haben politische Gründe. Weil die Menschen nicht mehr den Eindruck haben, das was da gemacht wird sei wirklich durchdacht. Das Konzept ist nicht stimmig, den politischen Entscheidern fehlt oft naturwissenschaftliches Grundwissen und seitdem es das EEG gibt, haben die Bürger nur eine einzige Erfahrung gemacht:
    Strom wird immer teurer.



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