In Südwestsachsen bleibt jede dritte Lehrstelle unbesetzt

Im gesamten Freistaat gibt es noch 6000 freie Plätze. Das liegt auch daran, dass die Vorstellungen von Firmen und Jugendlichen oft auseinandergehen.

Chemnitz.

In Südwestsachsen sind zum Beginn des Ausbildungsjahres noch 2482 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das seien so viele wie nie zuvor, teilte die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Auf der anderen Seite hatten 1199 Jugendliche noch keinen Lehrvertrag in der Tasche. Damit standen rein rechnerisch jedem noch unversorgten suchenden Jugendlichen 2,1 Ausbildungsplätze gegenüber.

Im sächsischen Kreisranking ist der Vogtlandkreis besonders betroffen. Dort gibt es 521 unbesetzte Lehrstellen und 182 suchende Jugendliche. Damit kommen im Vogtland auf jeden noch unversorgten Bewerber nahezu drei Ausbildungsstellen. Aber auch in den Landkreisen Meißen (2,8), Bautzen (2,6) und im Erzgebirgskreis (2,5) gibt es deutlich mehr Kapazitäten als Interessenten.

Sachsenweit standen rechnerisch jedem unversorgten Bewerber fast zwei Ausbildungsplätze gegenüber. Insgesamt waren zum klassischen Ausbildungsbeginn Anfang September im Freistaat 6214 betriebliche Ausbildungsplätze nicht besetzt und gleichzeitig noch 3452 jungen Menschen auf der Suche. Besonders rar sind Lehrlinge in den Berufen Fleischfachverkäufer, Mechatroniker Kältetechnik, Bäckereifachverkäufer und Fleischer. Jedem Bewerber stehen hier mehr als fünf freie Lehrstellen zur Verfügung.

Im Vergleich zu der Situation vor zehn Jahren gibt es zwar wieder mehr Schulabgänger. Trotzdem finden Ausbildungsbetriebe und Jugendliche häufig nicht zueinander. Forscher der Bertelsmann-Stiftung sprechen in einer Studie von einem Passungsproblem. So gibt es für unbesetzte Lehrstellen zwar oft Interessenten. Aber die Betriebe halten sie aufgrund der schulischen Leistungen für nicht geeignet. Anders herum finden auch die Jugendlichen nicht jeden Betrieb mit offener Stelle attraktiv.

Zudem führt der Trend zu einem höherwertigen Schulabschluss dazu, dass es weniger Interessenten für eine duale Ausbildung gibt. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) glaubt nicht, dass dafür allein die Höhe der Ausbildungsvergütung maßgeblich ist. "Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und Ansehen sind ebenfalls wichtig", sagte die Ministerin. Deshalb seien die betroffenen Betriebe gefragt, den jungen Leuten attraktive Angebote zu machen.

Sachsen will zudem die Berufsberatung weiter verstärken. Berufsberater der Bundesagentur sind seit Schuljahresbeginn häufiger als bisher in Oberschulen ab der siebenten Klasse und in Gymnasien ab der neunten Klasse unterwegs. Einige haben bereits ein eigenes Büro in einer Schule bezogen. "Damit gibt es einen direkten Draht zum Berufsberater", meinte BA-Regionalchef Regionalchef Klaus-Peter Hansen. Ziel sei es, flächendeckend an allen Schulen wöchentlich zu beraten. Zudem können die Jugendlichen mit dem Smartphone testen, welche Berufe zu ihren Interessen und Fähigkeiten passen. mit dpa

Jugendliche können mit dem Smartphone oder am Computer auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit prüfen, welcher Job zu ihnen passt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...