Jungweinprobe: Eleganz, Frische und ein Schuss Kritik

Sachsens Winzer haben am Freitag ihre 2016er Weine vorgestellt. Die Lese war gut, aber die Geschmäcker gehen auseinander.

Coswig.

Sachsens Winzer hatten 2016 kaum einen Grund zur Klage. Das spätsommerliche Hochdruckwetter von Mitte August bis Mitte September war ein Segen. Die Trauben waren früher als gewöhnlich gereift, und die Winzer konnten sehr gesundes Lesegut einbringen. Der Wermutstropfen: das Regenwetter im Oktober, das die Lese der spätreifenden Sorten Traminer und Riesling erschwerte. Am Ende fuhren die Betriebe eine Rekordernte ein - gut 2,9 Millionen Liter, so viel wie noch nie.

Doch was kommt nun ins Glas? Bei der Großen Gemeinsamen Jungweinprobe der Anbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut, die Freitag in Coswig über die Bühne ging, konnte sich das Fachpublikum in aller Breite einen ersten Eindruck verschaffen. 200 Weine und zehn Sekte standen auf den Tischen der laut Veranstalter größten Weinmesse Ostdeutschlands außerhalb von Berlin. Nicht alles stammte dabei aus dem neuen Jahrgang 2016, bei mancher Flasche prangte die Jahreszahl 2015 auf dem Etikett. Grund: Höherwertige Weißweine sowie die allermeisten Rotweine liegen zu dieser Zeit oft noch in Fass und Tank, werden erst später gefüllt.

Lars Klitzsch, Vorstandschef des Weinbauverbandes Sachsen, sprach von "hervorragenden Qualitäten", die die Betriebe gekeltert hätten. Die Weine präsentierten sich schlank, mit wahrnehmbarer Frische und hohem Wiedererkennungswert. Martin Junge, Sprecher vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth, bescheinigte den neuen Gewächsen "Eleganz, Frische und Komplexität".

Doch nicht alles, wo 2016 draufstand, glänzte - zumindest in den Augen der Profis. Bei einfacheren Weinen aus Sorten wie Müller-Thurgau hätte so mancher Winzer kompromissloser sein und die Weine mit weniger Restzucker ausbauen können, fand Matthias Dathan, Weinkritiker des Gault&Millau. Bei Aromasorten wie Bacchus oder Scheurebe fehlt ihm hier und da die Duftigkeit. Insgesamt seien aber viele trinkfreudige Weine entstanden. Beim Riesling sei das Angebot noch nicht in voller Breite da. "Ich denke, da liegt noch Gutes in den Kellern."

Tabea Hundt von der Vinothek an der Frauenkirche in Dresden war von den frühreifen, leichten Sorten, wie Müller-Thurgau oder Goldriesling, positiv überrascht. 2016 ist jedoch aus ihrer Sicht kein Jahr für gute Bacchus-Weine gewesen, sie seien oft blass und es fehle die Frucht. Die Rieslinge haben ihr gut gefallen. Alles in allem empfinde sie die 2016er gegenüber den 2015ern als nachhaltiger. Hundt: "Sie werden länger halten. Ich habe den Eindruck, dass sie mehr Dichte und Körper haben."

Für Janek Schumann, Weinhändler aus Freiberg und einer der wenigen deutschen "Master of Wine", besitzt der 2016er Jahrgang in der Tendenz mehr Feinheit und Eleganz als der Vorgänger. Die Weine erzeugten mehr Spannung im Mund. Was ihm auffiel: Viele Weine wiesen eine gute Fruchtreife auf und hätten eine sortentypische Säure. Schumann fand ausdrucksstarke Burgunder-Weißweine, aber auch Scheureben und Traminer. Sein Fazit: "2016 ist ein Jahrgang, der den Winzern das Potenzial bot, Weine mit Wiederkennungswert zu schaffen."

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