Katjes zeigt Halloren die Krallen

Die Zeiten als Vorzeigeunternehmen aus dem Osten sind für den Süßwarenhersteller längst vorbei. Auf der Hauptversammlung droht neuer Ärger.

Halle (Saale).

Bei Deutschlands ältester Schokoladenfabrik tobt ein heftiger Streit um Beteiligungsverkäufe aus dem vergangenen Jahr. Auf der letzten Hauptversammlung im September 2017 hatte der damalige Halloren-Vorstandschef Klaus Lellé den Verkauf der Tochterunternehmen Delitzscher Schokoladenfabrik aus Nordsachsen und des Pralinenherstellers Bouchard aus dem belgischen Gent verkündet.

Käufer war die Magrath Holding, die wiederum das Mutterunternehmen des Halloren-Großaktionärs Charlie Investors ist. Der Verkauf der beiden Töchter war bereits im März 2017 abgewickelt worden. Im August 2017 wurde auch noch der niederländische Schokomünzenhersteller Steenland an einen thailändischen Investor veräußert. Für die Weibler Confiserie Chocolaterie GmbH & Co. KG mit Sitz in Cremlingen (Niedersachsen) läuft der Verkaufsprozess noch. Es gebe bereits einen aussichtsreichen Interessenten, teilte Halloren mit. Bei einem positiven Abschluss erhofft sich das Unternehmen einen Ertrag von etwa einer Million Euro.

Halloren wurde jahrelang als ein Vorzeigeunternehmen aus Sachsen-Anhalt gefeiert. Der Süßwarenhersteller erzielte Rekordumsätze und gute Gewinne, expandierte mit Verkaufsfilialen in ganz Deutschland und übernahm renommierte Firmen aus der Schokoladenbranche. Doch zuletzt kämpfte das Unternehmen mit Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten für Kakao und Zucker. Hinzu kam ein zunehmender Preisdruck im Lebensmittelhandel.

Nach zwei Verlustjahren ist die traditionsreiche Schokoladenfabrik dabei, sich strategisch neu auszurichten. Der seit 1. Mai dieses Jahres verantwortliche Vorstandschef und Sanierungsexperte Ralf Coenen will das Unternehmen wieder auf Kurs bringen. Dabei soll das Geschäft vor allem auf die Kernmarke Halloren Kugel fokussiert werden. Seit Mitte Juli gibt es mit Klaus Schramm einen zweiten Vorstand, der ebenfalls wie Coenen von der Beratungsfirma Taskforce aus München kommt.

Das Geschäftsjahr 2017 hatte der Schokoladenhersteller zwar mit einem positiven Konzernjahresüberschuss von 11,2 Millionen Euro abgeschlossen, doch das lag allein am Gewinn aus den Unternehmensverkäufen in Höhe von 18,2 Millionen Euro. Operativ fuhr der Halloren-Konzern einen Verlust von 3,6 Millionen Euro ein. "Das Planziel wurde damit deutlich verfehlt", heißt es im Geschäftsbericht. Geplant war ein Gewinn von immerhin 5,7 Millionen Euro.

Die Geschäftspolitik mit den Unternehmensverkäufen schmeckt dem Großaktionär Katjes wohl gar nicht. Der Süßwarenkonzern aus Emmerich (Nordrhein-Westfalen) ist mit einem Anteil von elf Prozent an Halloren beteiligt. Für die Hauptversammlung am 28. August hat Katjes wegen der Unternehmensverkäufe die Beschlussfassung über die Bestellung eines Sonderprüfers nach Paragraf 142 des Aktiengesetzes beantragt. Mit einer solchen Prüfung können Vorgänge innerhalb der Geschäftsführung untersucht werden, um Pflichtwidrigkeiten oder Gesetzesverstöße aufzudecken.

Wenn eine solche Sonderprüfung von der Hauptversammlung abgelehnt wird, kann der Antragsteller auch vor Gericht ziehen, um dort die Sonderprüfung durchzusetzen. Diesen Weg hatte Katjes bereits nach der Hauptversammlung im September 2017 beschritten, um die eigenen Anträge zur Geltung zu bringen. Das Landgericht Halle wird dazu voraussichtlich am 17. September entscheiden.

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