Kompetenz für die Industrie der Zukunft

Bei der Digitalisierung in den Unternehmen hat die deutsche Wirtschaft keine Vorreiterrolle. Das soll sich nach dem Willen der Bundesregierung ändern. Doch viele Unternehmer sind noch skeptisch.

Chemnitz.

Bereits seit Jahren verändert die Digitalisierung Abläufe und Prozesse, aber auch Absatzmöglichkeiten für Unternehmen. Jeder Verbraucher kennt das, spürt wie die Wirtschaft sich digitalisiert: Amazon statt Kaufhaus, Trivago statt Reisebüro, Eventim statt Theaterkasse. Trotzdem warten in Deutschland viele Unternehmen ab. Bei der Digitalisierungsquote liegt Deutschland, weltweit gesehen, nur im Mittelfeld. Bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen ist die Quote sogar noch geringer als bei Großkonzernen.

Stefan Schnorr, Ministerialdirigent im Bundeswirtschaftsministerium, redete deshalb am Mittwoch Klartext: "Unternehmen, die sich nicht digitalisieren, wird es irgendwann nicht mehr geben", sagte er beim Start des "Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrums" in Chemnitz. Die Einrichtung soll die Unternehmen der Region für die Digitalisierung sensibilisieren und Hilfestellung dabei leisten. "Es muss uns gelingen, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen", sagte Schnorr.

In Chemnitz wurde am Mittwoch das sechste von insgesamt elf solcher Kompetenzzentren gestartet. Es war das erste in den neuen Bundesländern. Ein weiteres entsteht derzeit in Ilmenau (Thüringen). Insgesamt finanziert die Bundesregierung die Zentren in den nächsten drei Jahren mit 65 Millionen Euro, rund 5,1 Millionen Euro fließen nach Chemnitz. Das Förderprogramm wurde maßgeblich durch die Initiative des früheren sächsischen Wirtschaftsministers und heutigen Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk (SPD) ins Leben gerufen.

Das Chemnitzer Kompetenzzentrum wird von einem Projektkonsortium unter Leitung der Technischen Universität Chemnitz mit dem federführenden Institut für Betriebswissenschaften und Fabriksysteme begleitet. Mit dabei ist auch die Professur für Privatrecht und Recht des geistigen Eigentums. Auch das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik, das Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau, das Institut für Weiterbildung mit dem Geschäftsbereich Chemnitz Automotive Institute sind beteiligt. Für den Zugang zu den Unternehmen sorgt die Industrie- und Handelskammer Chemnitz als Projektpartner.

"Wir wollen die Unternehmen mit der Digitalisierung vertraut machen, indem wir informieren, qualifizieren und unterstützen", sagte der Sprecher des Konsortiums, Professor Egon Müller. Er versicherte, dass in ihrem Ansatz der Mensch im Fokus stehe. Anlaufpunkt für die Unternehmen ist unter anderem die Digital- und Experimentierfabrik der TU Chemnitz. Dort können sich Unternehmer über die Zukunft der Produktion und die Veränderung von Geschäftsprozessen anschaulich informieren. Zum gestrigen Start nutzten diese Chance bereits zahlreiche Firmenvertreter.

Auch der Staatssekretär im sächsischen Wirtschaftsministerium, Stefan Brangs (SPD), appellierte an die Unternehmer, angesichts der Digitalisierung über neue Geschäftsmodelle nachzudenken. Eine Studie, nach der rund ein Drittel der Unternehmen in Sachsen eine Digitalisierung für nicht notwendig erachten, hatte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) vergangene Woche als Alarmzeichen bezeichnet. Eine große Verunsicherung gibt es bei vielen mittelständischen Unternehmen beispielsweise beim Thema Datenschutz und Datensicherheit.

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