Maschinenbauer Starrag baut Arbeitsplätze im Westen ab

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Die Schweizer Gruppe setzt ihren Personalabbau in Deutschland fort und schließt sogar ein Werk. Doch am Standort Chemnitz gibt es auch Chancen auf Wachstum.

Rorschacherberg/Chemnitz.

Der börsennotierte Werkzeugmaschinenbauer Starrag Group aus Rorschacherberg in der Schweiz streicht an seinen Standorten in Mönchengladbach und Bielefeld (beide Nordrhein-Westfalen) insgesamt 150 Arbeitsplätze. Dies erfolge im Interesse einer dauerhaften Ertragsoptimierung, teilte das Unternehmen mit.

Zugleich wird das Kompetenzzentrum für flexible Fertigungssysteme im Bereich Luftfahrt von Mönchengladbach in die Schweiz verlagert, um dort ein weltweit führendes Kompetenzzentrum für die Entwicklung von hochpräzisen Maschinen zur Produktion von Flugzeugkomponenten zu schaffen. Anschließend soll die Fertigung in Mönchengladbach eingestellt werden. Starrag hatte die früheren Produktionsstätten des Maschinenbauers Dörries Scharmann 2010 übernommen.

Der Standort Chemnitz dagegen wird durch den Personalabbau im Westen eher gestärkt. "Es ist vorgesehen, die Montage gewisser Baugruppen nach Chemnitz zu verlagern", erklärte Christian Walti, Vorstandschef der Starrag Group. In Abhängigkeit vom Auftragseingang sei in Chemnitz zukünftig auch ein Beschäftigungsaufbau möglich, meinte Walti. Zuletzt gab es am Standort Chemnitz in Vollzeitstellen gerechnet 370 Beschäftigte. Insgesamt beschäftigte die Maschinenbau-Gruppe im ersten Halbjahr 1327 Mitarbeitende, knapp neun Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Nach dem Corona-Krisenjahr 2020, bei dem auch die Starrag Group herbe Rückschläge beim Auftragseingang einstecken musste, hat sich das Geschäft im ersten Halbjahr 2021 kräftig erholt. Der Auftragseingang stieg laut Halbjahresbericht auf knapp 150 Millionen Schweizer Franken (139,1 Millionen Euro). Das war ein Plus von 69 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2020. Der Auftragsbestand bei Neumaschinen erhöhte sich dadurch zum 30. Juni auf 187 Millionen Schweizer Franken (173,4 Millionen Euro). "Dieser solide Arbeitsvorrat sichert damit eine Auslastung über das zweite Halbjahr 2021 hinaus", teilte der Starrag-Vorstand mit. Zudem sei mit dem Neumaschinengeschäft auch eine wiederkehrende Nachfrage nach Servicedienstleistungen verbunden.

Die neuen Aufträge kamen zumeist aus Europa und vor allem Asien, wo der Auftragseingang im Vorjahresvergleich mehr als verdreifacht werden konnte. Dagegen musste bei den Neubestellungen von Kunden aus Nordamerika ein deutlicher Rückschlag in Kauf genommen werden. Das lag vor allem an der weiterhin von der Coronapandemie beeinträchtigten Luftfahrtindustrie. Andere Branchen in der Industrie, dem Fahrzeugbau und der Energiegewinnung legten bei den Aufträgen deutlich zu. Der Vorstand rechnet damit, dass der Auftragseingang auch im Gesamtjahr das Volumen von 2020 deutlich übertreffen wird.

Nach Auskunft von Vorstandschef Walti profitiert auch der Standort Chemnitz von der erfreulichen Auftragsentwicklung. Vor allem von der in Chemnitz produzierten neuen Kompaktbaureihe unter dem Markennamen Heckert verspricht sich die Starrag Group großes Potenzial. Im Februar hatte Starrag ein neues Heckert-4-Achs-Horizontal-Bearbeitungszentrum vorgestellt, das die kompakte Baureihe nach oben abrundet. In der Anlage H65 können Werkstücke mit einem Gewicht von bis zu 1,5 Tonnen bearbeitet werden.

Die Starrag Group Holding AG hatte in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Maschinenbauer übernommen und in die Gruppe eingegliedert. Darunter waren traditionsreiche Namen wie Dörries Scharmann, Berthiez oder die Bielefelder Maschinenfabrik Droop+Rein. Der Chemnitzer Werkzeugmaschinenhersteller Heckert gehört bereits seit mehr als 20 Jahren zur Gruppe.

Heute zählt Starrag zu den technologisch weltweit führenden Herstellern von Präzisionswerkzeugmaschinen zum Fräsen, Drehen, Bohren und Schleifen von Werkstücken aus Metall, Verbundwerkstoffen und Keramik. Der Maschinenbaukonzern mit insgesamt elf Maschinenmarken betreibt Produktionsstandorte in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

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