Mehr junge Menschen starten in Sachsen eine Berufsausbildung

Schulabgänger entscheiden sich zunehmend für eine betriebliche Ausbildung. Trotzdem wird es für Unternehmen und Handwerksbetriebe immer schwieriger, offene Ausbildungsplätze zu besetzen.

Mehr junge Menschen starten in Sachsen eine Berufsausbildung

Für Sie berichtet: Christoph Ulrich

Die duale Berufsausbildung, die betriebliche Praxis im Unternehmen und theoretische Lehre in der Berufsschule verbindet, ist in Sachsen wieder auf dem Vormarsch. Die drei sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) in Chemnitz, Dresden und Leipzig berichten nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres von 8829 neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverträgen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 5,7 Prozent oder 475 Verträgen. Auch im sächsischen Handwerk kamen bis Ende Juli 3865 neue Lehrverträge zustande. Das sind 230 mehr als im Vorjahr, ein Zuwachs von 6,3 Prozent. Im Handwerk setzt sich damit bereits das fünfte Jahr in Folge der Aufwärtstrend bei Lehrverträgen fort.

"Die sächsischen Unternehmen setzen zur Fachkräftesicherung auf die Ausbildung im eigenen Betrieb - der positive Trend in den neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverträgen ist daher ein starkes Signal", sagte Kristian Kirpal, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern im Freistaat Sachsen und Präsident der IHK zu Leipzig. Die duale Berufsausbildung biete den jungen Auszubildenden nicht nur eine solide Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Zukunft, sondern eröffne auch eine Vielzahl weiterer Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierechancen, meinte Kirpal.

Eine Ursache für die positive Entwicklung der Lehrlingszahlen im Handwerk sieht Markus Winkelströter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Chemnitz, in den intensiven Aktivitäten der Betriebe und der Kammer, um Lehrlinge für das Handwerk der Region zu gewinnen. "Diese Aktivitäten wurden in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut, insbesondere auch, wenn es um die Berufsorientierung an Gymnasien geht", sagte Winkelströter.

Trotz der positiven Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt bleiben viele Lehrstellen schon wegen der sinkenden Anzahl an Schulabgängern unbesetzt. Aktuell sind an den Lehrstellenbörsen der drei sächsischen IHKs noch rund 1400 Ausbildungsplätze offen, auf die Bewerbungen noch jederzeit möglich sind. Auch im Handwerk sind sachsenweit rund 900 Plätze unbesetzt. Ein großer Teil davon entfällt auf das Elektro-, das Friseur- sowie auf das Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Handwerk. "Sorgen machen uns hier auch die Lebensmittelhandwerke, die händeringend nach Azubis suchen. Da wünschen wir uns mehr Interessenten", sagte Winkelströter.

Nach einer Umfrage der IHK Chemnitz sehen die Unternehmen als größtes Ausbildungshemmnis die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger über Berufsbilder und die Anforderungen in der Ausbildung. "Die Berufsorientierung muss daher noch mehr ausgebaut und praxisorientierter werden", sagte Gabriele Hecker, zuständig für die Berufsausbildung bei der IHK Chemnitz. Dies gelte insbesondere für die Gymnasien.

Nach den Daten des Statistischen Landesamtes in Kamenz befanden sich zum Jahresende 2017 knapp 49.000 junge Menschen in einer betrieblichen Ausbildung. Das waren 2,3 Prozent (plus 1095) mehr als ein Jahr zuvor. Die Anzahl Auszubildender mit ausländischer Staatsbürgerschaft stieg um 35,4 Prozent auf 1577 Jugendliche.

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