Minister sieht Sachsens wirtschaftliche Zukunft im Export

Das Image des Freistaats als "verlängerte Werkbank" soll der Vergangenheit angehören. Wirtschaftsminister Dulig (SPD) hat da eine Idee.

Dresden.

Mit einem Sonderprogramm will Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) mehr Firmen aus dem Freistaat für das Exportgeschäft gewinnen. Ihm gehe es vor allem um Neulinge im internationalen Handel. "Die Zukunft sächsischer Unternehmen liegt im Export", sagte Dulig gestern in Dresden. "Das stärkt Umsatz, sichert Beschäftigung und steigende Löhne." Seine "Internationalisierungs-Offensive" startet dazu im kommenden Jahr. 2015 erreichte Sachsen mit Erlösen von fast 40 Milliarden Euro den bisher höchsten Außenhandelsumsatz seiner Geschichte. Das war doppelt so viel wie zehn Jahre zuvor.

Sachsen will zudem mehr heimischen Produkten den Weg in die Außenmärkte ebnen. So sollen verstärkt Erzeugnisse aus den Bereichen Umwelt-, Energie- sowie Medizintechnik exportiert werden, so Dulig. Bisher fokussierten sich die Ausfuhren vor allem auf Autos sowie Maschinen und Anlagen. Die sächsische Strategie orientiere sich nicht nur auf traditionelle Exportländer wie China, die USA, Großbritannien, Frankreich und Polen - sie sind die größten Außenhandelspartner des Freistaats -, sondern ziele auch in Afrika auf rohstoffreiche Länder. Als Beispiel nannte der Minister Mosambik, wo sich beispielsweise die IHK Chemnitz engagiert.

Mit Blick auf Pegida und fremdenfeindliche Übergriffe in Sachsen forderte er eine klare Strategie, um den Wirtschaftsstandort Sachsen nicht zu gefährden. Weltoffenheit und internationale Orientierung seien für Firmen aus dem Freistaat "Türöffner in die Zukunft". Derzeit bemühe sich der Freistaat in Großbritannien um jene Firmen, die nach dem Brexit einen Standort in der EU behalten möchten.

Eine Absage erteilte Dulig Hoffnungen, dass Sachsen sein Image als "verlängerte Werkbank" vor allem im westlichen Deutschland angesiedelter Unternehmen ablegen könne. "Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass aufgrund von Ansiedlungen irgendwann der Konzernsitz eines Großunternehmens bis nach Sachsen kommt", erklärte dazu Dulig. Vielmehr hege er die Hoffnung, dass aus sächsischen Firmengründungen internationale Player werden könnten. Etwas vom Werkbank-Charakter sei bereits verloren gegangen, hieß es. Inzwischen hätten sich viele sächsische Hersteller und Zulieferer von der Abhängigkeit eines Produkts gelöst und sich mit breiter gefächerten Erzeugnispaletten krisensicherer aufgestellt.

Kritik kam aus der Landtagsfraktion der Linken. Ressourcen-Expertin Jana Pinka hielt Dulig vor, dass eine Fortschreibung der Rohstoffstrategie Sachsens längst überfällig sei. Anstatt endlich eine Technologieförderung für Sekundärrohstoffe anzugehen und strategische Rohstoffe aus Abfällen zu gewinnen, setze das SPD-Ministerium auf Rohstoffe in Afrika, so Pinka. "Dass dort lange nicht dieselben Maßstäbe wie in Sachsen für eine faire Entlohnung oder im Umweltschutz gesetzt werden, wird sehenden Auges ignoriert."

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