Mit der "Wünschelrute" auf Rohstoffsuche in Afrika

Freiberg.

Eine Ingenieurfirma aus Freiberg, in Sachsen und Deutschland unter Spezialisten bekannt, hat sich in Afrika kontinental einen Namen gemacht. Die Beak Consultants, eine geowissenschaftliche Beraterfirma mit inzwischen 40 Mitarbeitern, hat sich diesen Ruf als Partner der Weltbank und nationaler geologischer Dienste und Bergbehörden erarbeitet, in dem sie Staaten des Schwarzen Kontinents das Wissen über ihre Bodenschätze systematisiert und erweitert. Das Ergebnis sind staatliche Geo-Informationsdienste, so Geschäftsführer Andreas Barth (57), mit denen die Länder zielgerichtet und geordnet auf Investorensuche gehen können. "Investoren benötigen vor allem Wissen um die Bodenschätze. Zum anderen kommen Geldgeber eher, wenn erste Erkundungsarbeiten bereits erfolgt sind."

Ruanda ist so seit ein paar Tagen reicher, reicher um die Hoffnung auf neue Vorkommen an besonderen Rohstoffen. Beak hatte die Aufgabe übernommen, in nur 15 Monaten ein 2200 Quadratkilometer großes Gebiet - das sind fast ein Zehntel der Landesfläche und entspricht in etwa der Größe des Landkreises Mittelsachsen - auf Erzvorkommen zu untersuchen. Unter den jüngst in der Hauptstadt Kigali offerierten Ergebnissen waren 14 potenzielle Fundorte für Tantal, Zinn, Wolfram, Kupfer, Zink, Kobalt und Seltene Erde, vor allem in den Regionen Muhanga und Musebeya südwestlich von Kigali. Diese Arbeit war dem kleinen ostafrikanischen Staat zwei Millionen Euro wert.

Der Auftrag war ein Kraftakt für die Freiberger. Über weite Strecken waren bis zu sechs Sachsen vor Ort. Täglich hatte jeder bis zu 15 Kilometer Fußmarsch bei Probenahme und Vermessung in dem "Land der 1000 Hügel" in den Beinen. Personelle Hilfe gab es aus Südafrika.

Über 4000 Proben wurden genommen und analysiert. Schwerpunkte waren Tantal, Buntmetalle und Gold. Für das begehrte Hightech-Material Tantal, das in mikroelektronischen Bauteilen von Handys steckt und das Spezialstähle besonders hart und temperaturbeständig macht, konnte ein neuer, gut 50 Quadratkilometer großer Fundort ausgewiesen werden.

Tantal - enthalten in einem Erz namens Coltan - werde derzeit nur in Kleinbergwerken produziert, so Barth. "Obwohl Coltan seit Jahrzehnten gefördert wird, ist der geologische Kenntnisstand nicht besonders gut." Das seltene Mineral ist in dieser Region Afrikas oft Zankapfel. "Ein besser organisierter Bergbau und vor allem eine bessere Ausbeute bei der Erzaufbereitung könnten deutlich zum wirtschaftlichen Erfolg des kleinen ostafrikanischen Landes beitragen", meint der Geochemiker. Zu technologischen Verbesserungen hat Beak Vorschläge unterbreitet. "Bisher werden nur 20 Prozent des Tantals aus dem geförderten Erz gewonnen, der Rest geht verloren."

Wesentlichen Anteil an neuen Bodenschatzkarten für Ruanda hat eine von Beak selbst entwickelte Computersoftware. Das advangeo genannte Programm ist in der Lage, aus einer Vielzahl geologischer Informationen, die ein Mensch nicht mehr überschauen, geschweige denn miteinander in Beziehung setzen kann, Wahrscheinlichkeitsmodelle über das Vorkommen von Bodenschätzen zu errechnen. "Das ist uns fast für ganz Ruanda gelungen", sagt Barth. Eingeflossen seien sämtliche verfügbaren Daten seit den 1970er Jahren. "Zuallererst eine Fleißarbeit ist das Zusammentragen der Daten, danach kommt das Rechnen der Prognosen." Sie zahle sich zunehmend aus - weil derartige Vorhersagen wichtig für Investitionsentscheidungen und die Landesentwicklungsplanung sind. Die Feldarbeiten bestätigten die Prognoserechnungen. "Mit dieser Software haben wir uns weltweit ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal geschaffen", ist er sich sicher.

Derart gewappnet hat Beak in Tansania das nächst größere Projekt gestartet. Für das ganze Land - immerhin 800.000 Quadratkilometer Fläche, und das ist gut zweimal so groß wie Deutschland - haben die Freiberger Ingenieure eine internationale Ausschreibung gewonnen. "Im Juli 2014 müssen wir mit der Erstellung der Rohstoffprognosekarte fertig sein", so der Firmenchef. Dazu gehört auch wieder die Vorhersage aus der hauseigenen "Computer-Wünschelrute", die selbst nationale geologische Dienste von EU-Staaten nachfragen.

Mit privaten Bergbaufirmen, staatlichen Bergbaubehörden und Ressourcen-Ministerien von gut zwei Dutzend afrikanischen Staaten pflegt Beak die Zusammenarbeit im Rahmen bilateraler und internationaler Kooperationsprojekte. Von Marokko und Algerien im Norden bis Namibia und Südafrika am anderen Ende des Kontinents. In acht Ländern hat Beak Geo-Informationsdatenbanken geplant oder aufgebaut. Auf deren Basis können diese Staaten deutlich besser im weltweiten Rohstoffgeschäft mitreden. Sowohl die schnelle Verfügbarkeit der elektronischen Daten als auch die zugehörigen Regelwerke für deren Nutzung sind Voraussetzungen für Transparenz und gute Regierungsführung. "Weil Schluss ist mit der Geheimniskrämerei", so Barth.

Die 1993 gegründete Firma, die einen Jahresumsatz von etwa 2,5 Millionen Euro hat, geht mit der Zeit. Das Durchschnittsalter in der Firma liege zwischen 35 und 40 Jahren. Zwölf der 40 Mitarbeiter sind an der Firma beteiligt. "Das kann mehr werden", meint Barth. Das Eigentum der Firma, die mit fünf Ostdeutschen aus dem DDR-Kombinat Geologische Forschung und Erkundung sowie einem kanadischen Partner, der ehemaligen Beak Consultants International aus Toronto startete, wird allmählich an die jüngere Generation weitergegeben, meint er.

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