Musikwinkel in Bedrängnis

Arbeiter und Zulieferer fallen aus, Kunden können nicht mehr anreisen: Der Vogtländische Musikwinkel kämpft mit der Coronakrise. Es gibt aber auch einen Funken Hoffnung.

Markneukirchen.

Die Coronakrise trifft die Handwerksbetriebe im Vogtländischen Musikwinkel und führt zu finanziellen Einbußen. Allein die Stadt Markneukirchen rechnet 2020 mit Gewerbesteuerausfällen in Millionenhöhe, sagte Bürgermeister Andreas Rubner (parteilos). Von den eingeplanten 2,3 Millionen Euro erwarte die Stadt im Moment nur noch die Hälfte des Geldes. Geplante Investitionen müssten deswegen eventuell verschoben werden.

Den mehr als 100 Instrumentenbaubetrieben machen zudem die fehlenden tschechischen Mitarbeiter aufgrund geschlossener Grenzen und Ausfälle bei den Zulieferern zu schaffen. "Auch können Kunden nicht mehr in die Werkstätten kommen, was bei Reparaturen und zum Kauf von Instrumenten üblich ist", so Rubner. Die größten Probleme werden auf die Instrumentenbauer wohl erst noch zukommen, sagt Steffen Meinel als Obermeister der Innung des Vogtländischen Musikinstrumentenhandwerks Markneukirchen. "Wir bearbeiten im Moment die Bestellungen, die vor ungefähr einem halben Jahr eingegangen sind. Aber die Aufträge sind im Moment völlig weggebrochen." Viele Kunden, darunter Berufsmusiker und Lehrer, könnten im Moment selbst nicht arbeiten.

"Außerdem sind für uns Messen oder Ausstellungen extrem wichtig, wo Kunden die Instrumente ausprobieren können. Das fällt komplett weg", so Meinel über die 42 Handwerksbetriebe der Innung, die im Vogtlandkreis und darüber hinaus angesiedelt sind. Die einzigen Hilfen für die Instrumentenbaubetriebe seien die aktuellen Kurzarbeitregelungen. "Wir haben große Probleme, aber ich sehe die versprochenen Lösungen nicht."

Die Firmen seien laut Meinel auf sich allein gestellt, betroffen seien einzelne Instrumentenbauer und Betriebe mit bis zu 40 Mitarbeitern. "Viele haben in den letzten Jahren investiert, es war eine Entwicklung zu sehen. Kaum jemand will nun einen weiteren Kredit aufnehmen, der als staatliche Hilfe hingestellt wird." Mit aktuell 50.000 Euro Verlust rechnet Meinel selbst in diesem Jahr in seiner Firma Horst Wünsche Zupfinstrumentenbau, die er mit seinem Bruder führt.

Von einer Stornoquote von 100 Prozent spricht Vorstand Frank Bilz in Bezug auf das Netzwerk "Musicon Valley" in Markneukirchen. Seit mehr als zehn Jahren ist der Verein für die touristische Vermarktung des Musikwinkels verantwortlich. Alle geplanten Reisen von internationalen Orchestern, Vereinen und musikalisch Interessierten in den Musikwinkel seien bis in den Herbst 2020 abgesagt. Sonst zähle das Netzwerk pro Jahr über 10.000 Gäste in den Schauwerkstätten, bei den Instrumentenbauern und bei anderen regionalen Partnern. "Das ist bitter, noch im Februar sah es aus, als würden wir das beste Jahr überhaupt bekommen."

Auch im Studiengang Musikinstrumentenbau der Westsächsischen Hochschule Zwickau in der Außenstelle Markneukirchen steht noch immer der normale Betrieb still, sagt Mitarbeiterin Dagmar Weller. Zwar könnten die 25 Studierenden in diesem Semester einen kleinen Teil des theoretischen Wissens von zu Hause aus erlernen. "Aber der Musikinstrumentenbau lebt von der Praxis. Selbst der richtige Einsatz von Lacken und Chemikalien lässt sich ohne Vorführung in den Werkstätten schlecht vermitteln." Ab Mai hofft die Fachhochschule langsam zum Alltag zurückkehren zu können.

Den rund 1400 Beschäftigten des Musikwinkels zwischen Markneukirchen, Klingenthal und Adorf bescheinigt Markneukirchens Bürgermeister trotzdem eine gute Chance, nach Corona wieder auf die Beine zu kommen. "Die vielen kleinen Werkstätten könnten eher einen Weg aus der Krise finden als eine große Industrie. Sie können schneller und vielfältiger auf Kunden reagieren", so Rubner. (dpa)

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