Nachfrage nach Bürgschaften in Sachsen steigt

Sächsische Unternehmen sind in der Coronakrise vor allem auf ausreichend Liquidität angewiesen. Die Hilfen des Freistaates sind angelaufen.

Chemnitz/Dresden.

Schnell handeln kann in einer Krise von Vorteil sein. Das wusste auch Jürgen Thomas, Geschäftsführer der Fliesen Thomas GmbH in Burgstädt. Bereits am Donnerstag vergangener Woche führte er Gespräche mit seinen Hausbanken, um das Unternehmen mit sieben Standorten und rund 150 Mitarbeitern sicher durch die Coronakrise zu führen. "Unsere Fliesenausstellungen sind komplett geschlossen. Es findet nur noch der Profiverkauf an Handwerksbetriebe statt", erklärte Thomas den Handlungsdruck. Bereits Anfang dieser Woche wurde sein Antrag über eine Ausfallbürgschaft über einen hohen Betrag von der Bürgschaftsbank Sachsen bestätigt. "Ich hatte keinen Zweifel, dass das klappt", sagte Thomas im Gespräch mit der "Freien Presse".

Nicht ganz so viel Vertrauen hatte anfangs Matthias Hock, Einzelhändler aus Annaberg-Buchholz. Er hatte eine finanzielle Soforthilfe bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) beantragt und bekam die telefonische Auskunft, dass die Bearbeitung zwei Wochen dauern könne. Doch dann ging alles ganz schnell. Sein Antrag auf ein Soforthilfe-Darlehen wurde inzwischen von der SAB genehmigt. "Da gab es sicher am Anfang nur ein Kommunikationsproblem", sagte Hock, der auf die Ankündigung von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) gesetzt hatte, dass die Liquiditätshilfen schnell bewilligt werden.

Stück für Stück wird jetzt der Schutzschirm für die sächsischen Unternehmen aufgespannt. "Wir haben den Eindruck, dass die Kommunikationsprobleme inzwischen ausgeräumt sind", sagte Hans-Joachim Wunderlich, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK). Bürgschaftsbank und die Sächsische Aufbaubank seien mit Hochdruck dabei, Anträge zu prüfen. "Das funktioniert", war sich der IHK-Chef sicher.

"Bürgschaften sind in der aktuellen Krise ein wichtiges Instrument, um der Wirtschaft schnell zu helfen", sagte Sachsens Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU). Nachdem im Freistaat bereits das mögliche Bürgschaftsvolumen auf 2,5 Millionen Euro angehoben wurde und ein Expressverfahren für Bürgschaften bis 500.000 Euro abgestimmt wurde, konnte nach Auskunft des Finanzministeriums auch bei den Konditionen nachgelegt werden, weil die Bürgschaftsbank vom Bund bereits um zehn Prozent Eigenhaftung entlastet wurde.

Nach Auskunft der Bürgschaftsbank Sachsen (BBS) wird das Instrument gut angenommen. Die Nachfrage nach Ausfallbürgschaften im Eilverfahren ist bereits auf 38 gestiegen. 22 Anträge mit einem Volumen von insgesamt drei Millionen Euro wurden bereits bewilligt. "Die Nachfrage nimmt jetzt stark zu. Wir sind zügig dabei, die Bürgschaftsanträge zu genehmigen", sagte BBS-Geschäftsführer Markus H. Michalow.

Die Bürgschaftsbank hatte vergangene Woche in enger Abstimmung mit der Landesregierung, den Banken im Freistaat und den Kammern die Voraussetzungen geschaffen, um zügig Bürgschaften für Liquiditätshilfen vergeben zu können. Es geht dabei darum, dass Unternehmen auch bei Umsatzeinbrüchen aufgrund der Coronavirus-Krise Zugang zu überlebenswichtigen Kreditfinanzierungen erhalten und so ihre Liquidität über die Krisenzeit sichern können.


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