Neue Dornier 328 wird in Leipzig gebaut

Am Flughafen Leipzig/Halle entsteht ab 2020 ein Montagewerk für eine Propeller-Maschine. Der Airport hat sich unter acht potenziellen Standorten durchgesetzt. Die gute Infrastruktur spielte dabei eine wichtige Rolle.

Schkeuditz.

Die vor einem Hangar auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle abgestellte Maschine hat schon einige Flugstunden auf dem Buckel - das Typenschild weist als Baujahr 1996 aus. Dennoch zog die Dornier 328 am Mittwoch die Blicke auf sich. Schließlich wird so ähnlich auch der Nachfolger D328NEU aussehen, der künftig auf dem Gelände in Schkeuditz bei Leipzig montiert werden soll.

Eine entsprechende Absichtserklärung haben die US-Firma Sierra Nevada Corporation und deren deutsche Tochter 328SSG, die Mitteldeutsche Flughafen AG und das sächsische Wirtschaftsministerium kurz zuvor unterschrieben. Danach sollen ab 2020 im Norden des Flughafens 80 Millionen Euro in Infrastruktur, Produktionshallen, Maschinen und den Aufbau der Endmontagelinie investiert werden. Mit bis zu 6,5 Millionen Euro will der Freistaat das Vorhaben unterstützen. Bis zu 250 hoch qualifizierte Arbeitsplätze sollen entstehen.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sprach von einem "großartigen Projekt", das dazu beitrage, dass Sachsen nicht nur Automobilland bleibt, sondern sich zu einem "Mobilitätsstandort" entwickelt. "Die Entscheidung zeigt, wie attraktiv der Standort geworden ist", sagte Flughafenchef Götz Ahmelmann. Es sei eine "große Sache", dass Sierra Nevada in Schkeuditz investiere, betonte Thomas Jarzombek, Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung. Er verwies darauf, dass die US-Firma noch 2015 erklärt hatte, das Flugzeug in der Türkei bauen zu wollen. "Nun stehen sie hier."

Nach den Worten von Nico Neumann, Produktionschef der Firma 328 Support Services GmbH (328SSG), hat der Investor acht potenzielle Standorte in Deutschland geprüft, bevor die Entscheidung für Leipzig fiel. Im Gespräch war unter anderem Bremen. Ausschlaggebend seien die gute Infrastruktur und das für die Anlieferung der Teile nutzbare DHL-Drehkreuz gewesen.

Geplant ist, Ende 2023 das erste Flugzeug in Dienst zu stellen. Wie viele Maschinen pro Jahr einmal gebaut werden sollen, ließ Neumann offen. Dafür sei es noch zu früh. Er ließ aber keine Zweifel daran, dass es einen Markt für ein solches Kurzstreckenflugzeug gibt. In der Klasse der 30- bis 40-sitzigen Maschinen seien weltweit gut 4000 Regionalflugzeuge im Einsatz. In den nächsten Jahren würden zahlreiche altersbedingt außer Dienst gestellt. Neumann: "Für die nächsten zwei Jahrzehnte sehen wir beträchtliche Absatzmöglichkeiten." Noch vor 20 Jahren habe es einige Hersteller in dem Bereich gegeben, inzwischen keinen einzigen mehr, hieß es.

Auch die Produktion der Dornier 328 war vor Jahren eingestellt worden. Das letzte Modell wurde 2005 im bayerischen Oberpfaffenhofen montiert. Dort, am Stammsitz der Firma 328SSG, die die Musterzertifikate für die Dornier-Maschine hält, soll auch der Nachfolger entwickelt werden und der weltweite Support stattfinden. Dort würden 120 neue Stellen geschaffen. An den geplanten Entwicklungskosten von 375 Millionen Euro wird sich der Bund mit einem Darlehen in Höhe von 125 Millionen Euro beteiligen.

Das Vorgängermodell, die Propellermaschine Dornier 328 Turboprop, war in den 1980er-Jahren in Oberpfaffenhofen entwickelt worden. 1991 flog die Maschine zum ersten Mal. Rund 220 Flugzeuge wurden bis 2005 gebaut, gut die Hälfte davon als Jet-Variante. Neumann zufolge gibt es noch etwa 170 Maschinen. Unter anderem wird der Typ von Charterfirmen sowie dem Militär in den USA genutzt. Größter Nutzer der Jet-Variante ist laut Branchenportal Aerotelegraph die dänische Gesellschaft Sun-Air. Experten zufolge wird das Flugzeug geschätzt, weil es auch mit kurzen Start- und Landebahnen zurechtkommt.

Die D328NEU wird, so hieß es, im Wesentlichen auf dem Vorgänger aufbauen. Das Modell soll aber einen "gestretchten" Rumpf bekommen und zwischen 30 und 39 Sitzplätze bieten. Zudem werde die Maschine neu entwickelte Propeller und Triebwerke erhalten. Dadurch sinke der Treibstoffverbrauch, die CO-Bilanz verbessere sich und das Flugzeug sei leiser. Es soll auch mit Bio-Kraftstoff fliegen können.

Aber wie kommt es, dass gerade eine Propeller-Maschine ein Comeback erlebt? Nach Einschätzung von Klaus Wolf, Professor für Luftfahrtzeugtechnik an der TU Dresden, sind Kleinflugzeuge heute gefragter als noch vor 20 Jahren. Durch die Propeller verbrauchten sie weniger Kerosin als herkömmliche Flugzeugtypen. Neumann meinte, dass sich die Turboprop-Maschinen für die Einführung von Hybridantrieben eigneten. Das Thema werde man sich definitiv anschauen.

Branche soll Vorreiter werden

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bedeutung der Luftfahrtbranche für die Wirtschaft und den Klimaschutz betont. Sie sagte bei der ersten Nationalen Luftfahrtkonferenz am Flughafen Leipzig/Halle, Deutschland solle ein führender Standort für klimaverträglichere Flugzeugtechnologien werden. Es gebe zunehmend Kritik gerade in der Frage des Flugverkehrs. "Um so wichtiger ist es, dass die Branche zeigen kann, dass Wachstum nicht immer mit mehr Wachstum klimaschädlicherer Emissionen verbunden ist." Es müsse eine Entkopplung erreicht werden.

Während Greenpeace, der BUND und Fluglärmgegner deutliche Einschränkungen im Flugverkehr verlangen, wollen Branche und Regierung mit einer "Leipziger Erklärung" dem Publikum einen Weg zum klimafreundlichen Luftverkehr nahebringen. "Wir sind in einer Bringschuld, den Luftverkehr nachhaltig zu organisieren", sagt der Präsident des Flughafenverbandes ADV, Stefan Schulte. "Wer, wenn nicht wir, könnte das schaffen." Merkel verwies auf 850.000 Jobs und die Bedeutung des Sektors für die Exportnation. dpa

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