Nivea-Konzern Beiersdorf gibt Werk in Waldheim auf

Die Beiersdorf-Mitarbeiter aus Waldheim sollen bis 2022 in eine neue Fabrik in Leipzig wechseln. Damit endet auch die Florena-Produktion in Sachsen.

Der Beiersdorf-Konzern gibt seinen Standort im mittelsächsischen Waldheim auf. Darüber hat das Unternehmen am Mittwoch die rund 250 Mitarbeiter informiert. Beiersdorf will für 220 Millionen Euro ein neues Werk in Seehausen im Leipziger Norden errichten. Ende 2022 soll die neue Produktionsstätte für Aerosole - also Haarsprays, Rasierschaum oder Deos - eröffnen.

"Alle Beschäftigten am Standort Waldheim werden ein Stellenangebot für das neue Werk erhalten", kündigte der Waldheimer Betriebsratsvorsitzende Jürgen Sager an. Ziel sei, möglichst viele Mitarbeiter dort weiterzubeschäftigen. Die hochmoderne Leipziger Fabrik biete beste Chancen auf einen langfristigen und zukunftssicheren Job. "Davon sollte zuvorderst die heutige Mannschaft aus Waldheim profitieren", sagte Beiersdorf-Personalvorstand Zhengrong Liu. "Für sie wird es auch Qualifizierungsmaßnahmen geben." In den kommenden Wochen sollen nun die Rahmenbedingungen für die wechselwilligen Mitarbeiter im Detail ausgehandelt werden. Auch für diejenigen, die nicht wechseln wollen oder können, soll ein Konzept erarbeitet werden.

Frühere Überlegungen, die Produktion in Waldheim neben der geplanten Fabrik in Leipzig zu erhalten, hat das Unternehmen verworfen. Es gebe dort zu viele strukturelle Probleme und Geburtsfehler, um langfristig im Wettbewerb bestehen zu können, sagte Liu. Das Gelände dort sei abschüssig, es müsse auf mehreren Etagen produziert werden und es fehlten Erweiterungsflächen, sagte Werksleiter Stephan Roelen. Das seien gravierende Standortnachteile.

Die Aufgabe des Werkes in Waldheim sei für viele Mitarbeiter ein emotionaler Moment, sagte Mario Ast, stellvertretender Betriebsratschef in Waldheim. Zu DDR-Zeiten war diese Fabrik mit der Marke Florena der wichtigste Hautcreme-Hersteller. Mit dem Umzug nach Leipzig wird nun aber nach mehr als 100 Jahren keine Florena-Hautcreme mehr in Sachsen hergestellt werden. "Diese Marke hat in den vergangenen Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren", sagte Liu. In Frankreich und Italien versucht Beiersdorf allerdings gerade ein Comeback: Das Unternehmen hat dort bereits eine zertifizierte Naturkosmetik-Serie mit dem Namen Florena in den Testlauf geschickt.


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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Lesemuffel
    28.02.2020

    Schade um das traditionelle Werk. Brutaler share holder value. Erst den Name Florena kapern, im Ausland weiter nutzen, dann das Werk zerschlagen. Bekommt den Walheim die entgehenden 10 Mio Steuereinnahmen von Leipzig erstattet? Wohl kaum! Und dem sächs. Wirtschaftsministerium ist es egal, es wird ja ein neues Werk in Sachsen gebaut. Schade, dass man verloren ist, wenn man man erst mal von einem Global Player wie Nivea geschluckt worden ist.

  • 3
    0
    Freigeist14
    28.02.2020

    Fördermittel für eine Umsiedlung und einer Betriebsschließung ? Selbstbedienungsladen und Wirtschaftshilfe für Leipzig . Einfach nur krank .

  • 5
    3
    Malleo
    26.02.2020

    Herr Wanderwitz-
    so wächst zusammen,was zusammen gehört.

  • 10
    7
    wolleditt
    26.02.2020

    Lieber Jürgen Becker, habe ich in der Schule total gepennt? Oder ist nicht Leipzig die größte Stadt in Sachsen? Und somit die Produktion weiterhin im Freistaat!!