Oberlausitzer Biosphärenreservat: Erstmals Backmohn-Anbau

Die Bäcker in der Region können künftig Mohnbrötchen aus der Region anbieten: In der Oberlausitz wird der Anbau alter Kulturpflanzen erprobt. Die Bundesopiumstelle kontrolliert den Anbau streng.

Malschwitz (dpa/sn) - Lila Blüten wohin man schaut: Auf einer Fläche von rund drei Hektar wird derzeit erstmals auf einem Modellacker im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft Backmohn angebaut. Die Pflanzen in Malschwitz (Landkreis Bautzen) stünden in voller Blüte und lockten zahlreiche Insekten an, sagt Eva Lehmann vom Fachbereich Landwirtschaft der Reservatsverwaltung. Auf die Idee, Mohn in der Oberlausitz anzubauen, hätten sie die Bäckereien in der Region gebracht. «Viele möchten gern als Besonderheit ein regionales Mohnbrötchen anbieten», so Lehmann.

In Deutschland wird den Angaben zufolge Mohn auf einer Fläche von rund 200 Hektar angebaut. Die 300 Tonnen Mohn, die damit produziert werden, decken damit weniger als fünf Prozent des Bedarfs. Der meiste Mohn für Brötchen, Kuchen oder Süßspeisen stamme aus der Türkei oder aus Tschechien, erklärte Lehmann.

Im Herbst wurde die Wintermohnsorte «Zeno Morphex» ausgebracht, die erste Ernte steht für Ende Juli an. «Der Weg dahin war nicht ganz leicht», berichtete Lehmann. Der Anbau von Mohn musste bei der Bundesopiumstelle am Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beantragt werden. Die verwendete Sorte verfüge aber nur über einen geringen Gehalt an Morphin und sei daher zugelassen. Verboten sind dagegen Schlafmohnsorten, aus denen das Rauschgift Opium gewonnen werden kann.

Auch der Anbau gestaltet sich nicht leicht: Der Mohn wächst langsamer als Unkraut. Um möglichst ohne Pflanzenschutzmittel auszukommen, kommt eine spezielle Maschinenhacke zum Einsatz. Der Vorteil: Inmitten des Mohns wachsen gefährdete Ackerwildkräuter wie die Kornrade. Zudem haben auch die Graugänse eine Vorliebe für Mohn, so Lehmann. «Wir haben zwei Vogelscheuchen aufgestellt, allerdings etwas zu spät». Die gefräßigen Gänse hätten etwa ein Drittel der Fläche schon vor der Blüte abgefressen.

Im ersten Jahr hofft das Biosphärenreservat auf einen Ertrag von rund 1,5 Tonnen Mohn pro Hektar. «Darüber wären wir froh», sagte Lehmann. Geerntet wird der Mohn mit einem Mähdrescher, anschließend muss er getrocknet und gereinigt werden. Dafür arbeitet die Verwaltung des Biosphärenreservats mit lokalen Landwirtschaftsbetrieben zusammen.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums werden in Sachsen mittlerweile von fünf Betrieben auf einer Fläche von 115 Hektar Mohn angebaut. 2016 waren es noch drei Betriebe und rund 104 Hektar. Damit kommt etwa die Hälfte des Mohns in Deutschland aus Sachsen.

Auch im nächsten Jahr soll in der Oberlausitz wieder Backmohn wachsen. Das Biosphärenreservat hat es sich ohnehin auf die Fahnen geschrieben, alte Sorten neu zu kultivieren. «Wir möchten wieder alte, einst in der Oberlausitz angebaute Kulturpflanzen ins Feld und auf den Teller bringen», so Lehmann. Neben Mohn gehören dazu auch alte Getreidesorten wie Champagner-Roggen und Luzerne, die auf benachbarten Feldern wachsen. Die Modelläcker, auf denen Anbau und Bewirtschaftung getestet wird, sollen auch ein Anstoß für Landwirte in der Region sein.

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