Pobershauer zeigt neue Geschenketrends

Auf der größten Geschenke- und Wohntrendmesse Ostdeutschlands, der Cadeaux in Leipzig, gibt es am nächsten Wochenende eine Premiere: 70 Aussteller präsentieren Produkte aus Manufakturen - auch ein Männelmacher.

Pobershau/Leipzig.

Günter Reichel, Holzspielzeugmachermeister aus Pobershau, fährt seit 1992 zur Cadeaux nach Leipzig, seit es die Fachmesse für Geschenke und Wohntrends gibt. In diesem Jahr erleben er und die Produkte aus seiner "Werkstatt moderner Figurenbildnerei" eine Premiere. Auf der Messe gibt es einen Ausstellungsbereich "Manufaktur". Es ist der erste gemeinsame Auftritt von Firmen der deutschen Manufakturszene unter einer Dachmarke auf einer Fachmesse, auf der sich 365 Hersteller und Marken präsentieren.

Einer der 70 Manufaktur-Aussteller hochwertiger Produkte mit einem großen Anteil Handarbeit ist der 67-jährige Pobershauer. Er ist Mitglied im Verband Deutscher Manufakturen mit Sitz in Bremen. Etwa 650 Firmen in Deutschland erfüllen dessen Anforderungen. Günter Reichel wurde von dem Verband in diesem Jahr gleich mit zwei Auszeichnungen bedacht. Seine im Vorjahr präsentierte Figurengruppe "Heilige Nacht" erhielt einen Sonderpreis für Design, und sie landete als "Manufakturprodukt des Jahres" auf Platz zwei. 2017 erhielten Günter Reichel und Designer Andreas Fleischer dafür bereits einen Hauptpreis im Wettbewerb "Tradition und Form" des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller.

Es war bereits der fünfte Hauptpreis für ein Produkt aus der Pobershauer Werkstatt, die im Januar 1989 an den Start ging. Damals glaubte der Firmengründer: "Wenn es so weitergeht, habe ich es mit 40 Jahren geschafft." Doch schon Ende 1989 ging nichts mehr weiter wie zu DDR-Zeiten. Produktentwicklung, Absatz, Vertrieb - alles musste Reichel sich allein neu aufbauen. Er holte sich den freien Gestalter Andreas Fleischer ins Boot, und beide waren sich einig, Dinge zu entwickeln, "die in der Tradition des Erzgebirges stehen, aber modern sind", wie es Reichel formuliert. Dieser Firmenphilosophie stellt sich der Männelmacher bis heute - jeden Tag und mit jedem neuen Produkt. In diesem Sinne wollte er auch den Engel revolutionieren - die für Reichel dominierende Figur des Erzgebirges. "Meiner sollte anders sein als die Existierenden", erzählt der Meister. Nach unzähligen Sitzungen mit dem Gestalter gab es schließlich einen Reichel-Engel - "damals noch ohne Hände und so minimalistisch, dass die Händler ihn nicht orderten", erinnert sich der Pobershauer.

Es war kein Weihnachts-, sondern ein Schutzengel für jeden Tag. "Wir haben die Figur alltagstauglich gemacht und sie mit Dingen ausgestattet, die uns ständig berühren": mit einem Herz oder einem Geschenk in den Händen, mit Musikinstrumenten, mit einer Torte und neuerdings sogar mit Zuckertüte oder Regenschirm. Sowohl den Namen Schutzengel als auch den Grundkörper ließ sich der Firmenchef patentrechtlich schützen.

In drei Größen gibt es die schlichten himmlischen Boten inzwischen, in 80 Varianten allein die Kleinsten. Zwei Drittel ihres Umsatzes macht der Neun-Mann-Betrieb mit den Engeln. Beteiligt daran sind auch Ehefrau Karin als Spielzeugmalerin und Sohn Lutz Reichel, der für Vertrieb, Kundenbetreuung und Buchhaltung den Hut aufhat und die Manufaktur eines Tages übernehmen wird. Gerade ist er von einer Messe aus Dänemark zurück. Auch japanische Kunden betreut er seit drei Jahren. Bis zu 15 Prozent des Jahresumsatzes macht die Firma mit Export: vorwiegend nach Singapur, Japan, Korea, Taiwan, Kanada, der Schweiz und Österreich. Bis zu 600 Einzelhändler gibt es in Deutschland, das meiste geht in Geschäfte mit Galeriecharakter.

Mit jener Krippe, die anfangs zum Sortiment gehörte, erzielte Reichel keinen "berauschenden Umsatz". Das trieb ihn um und an. Er wollte eine Krippe herstellen, die es so noch nicht gab, mit einer unverwechselbaren Handschrift, die ihm schließlich mit Andreas Fleischer gelang: mit Figuren aus gespaltenem Fichtenholz. Nur Köpfe, Hände und Hüte werden aus Ahorn gedrechselt. Es gibt sie als kleine Figurengruppe in einer anspruchsvollen Geschenkdose oder als großes Ensemble. Bei rund 300 Stück liegt derzeit die Jahresproduktion. "Wenn Kinder in die weite Welt ziehen, gibt man ihnen seit jeher ein Stück Heimat mit. Auch dafür ist meine Krippenszene gedacht", sagt Reichel. Im Januar 2019 feiert die Pobershauer Manufaktur ihr 30-jähriges Bestehen. Für den Chef Anlass, dann vielleicht auch mit einer neuen Kurrende aufzuwarten.

Auf der Cadeaux wird es auch ein "Forum Erzgebirge" geben, wo sich der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller und fast alle seine Mitglieder mit einer Sonderschau präsentieren. Dort werden auch die Preisträger des Wettbewerbs "Tradition und Form 2018" vorgestellt. Weitere 26 Verbandsmitglieder sind zudem mit eigenen Ständen auf der Messe.

Die Cadeaux in der Messe Leipzig ist am 1. und 2. September 9.30 bis 18 Uhr, am 3. September bis 17 Uhr geöffnet - nur für Fachbesucher.

www.cadeaux-leipzig.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...