Radschnellwege, Sachsentakt und eine rollende Landstraße

Im Landesverkehrsplan 2030 skizziert die Regierung ihre Ideen für die künftige Mobilität. So manches bleibt unklar.

Dresden.

Ein stärkerer ÖPNV, der den ländlichen Raum besser an die Ballungszentren anbindet, ein dichteres Radwegenetz, Versuchsstrecken für neue Antriebstechnologien und Straßen, bei denen der Erhalt vor dem Neubau kommt - das sind zentrale Punkte im künftigen Landesverkehrsplan 2030, den Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) am Montag in Dresden vorstellte. In dem 90-seitigen Entwurf, der den aktuellen Landesverkehrsplan 2025 ersetzen soll, dokumentiert die Landesregierung den bisher erreichten Stand und wie Mobilität im Freistaat im Jahr 2030 aussehen soll.

Radverkehr : Das Thema ist einer von acht Schwerpunkten. Der Freistaat ist überwiegend für die Radwege an Bundes- und Staatsstraßen außerhalb von Ortschaften zuständig. Dieses Netz ist bislang 608 Kilometer lang. 453 Kilometer befinden sich derzeit in Planung bzw. im Bau. Mit einer "Fortschreibung des Bedarfs" sollen künftig vorrangig Lücken im Netz geschlossen werden. Konkreter wird es bei den Radschnellverbindungen. Mit drei bis vier Metern Breite gehen diese Wege über das Standardmaß (2,50 m) hinaus. Elf potenzielle Korridore (siehe Grafik) für solche Wege wurden ermittelt. Machbarkeitsstudien sollen folgen. In der Regel würden auch für diese Trassen Planfeststellungsverfahren nötig. Der Freistaat setze sich für die Aufnahme der Schnellwege als neue Straßenklasse in das sächsische Straßengesetz ein, heißt es.

Straßen: Der Gesamtzustand der Staatsstraßen ist laut dem Plan unbefriedigend. Derzeit sind 43,5 Prozent des Netzes der schlechtesten Zustandsklasse zuzuordnen. Insgesamt befinden sich 63 Prozent der Straßen in einem Zustand, der Erhaltungs- oder verkehrsbeschränkende Maßnahmen erfordert. Laut Plan liegt der Fokus künftig stärker auf dem Erhalt bestehender Straßen. 25 Neubauvorhaben stehen dennoch im Entwurf, davon wurden sechs neu aufgenommen und der Rest aus dem jetzigen Plan übernommen. Im Direktionsbezirk Chemnitz betrifft das die Ortsumfahrungen Mittweida, Geyer und Kleingera sowie Straßenverlegungen in Wüstenbrand, Römersgrün, bei Waldsachsen, westlich von Lunzenau und Falkenstein.

Öffentlicher Nahverkehr: Angeführt werden hier Punkte, über die bereits seit Monaten diskutiert wird, wie die Einführung eines Bildungstickets, eines Sachsentarifes sowie eines Plus-Bus-Netzes. An allen Taktknoten sollen kurze Anschlüsse unter Einbindung aller Verkehrsmittel geschaffen werden. Dulig sagte, an der Einrichtung einer Landesverkehrsgesellschaft, die für den Nahverkehr auf der Schiene verantwortlich ist, halte er fest. Derzeit werde an einer Wirtschaftlichkeitsanalyse gearbeitet. Bis zur Einführung müsse man aber drei Jahre veranschlagen. Ob eine solche Gesellschaft je kommt, ist offen - im September wird ein neuer Landtag gewählt.

Güterverkehr: Der hat zuletzt rasant zugenommen und wird zu 90 Prozent über die Straße abgewickelt. Der grenzüberschreitende Verkehr werde weiter steigen. Um die hohe Verkehrsbelastung der A 4 zwischen Dresden und Görlitz zu reduzieren, setzt sich der Freistaat "mit Nachdruck für die Verlagerung von mehr Güterverkehrsanteilen auf die Schiene ein", heißt es. Stichwort: Rollende Landstraße. Eine Machbarkeitsstudie ist in Arbeit. Weil am Standort des Güterverkehrszentrums Glauchau "bei anhaltend weiter steigenden Umschlagmengen" keine weiteren Flächen zur Verfügung stehen, wird die Entwicklung eines weiteren Standortes in Südwestsachsen geprüft, schreibt das Ministerium. Umsetzung: Die Landesregierung hat den Entwurf freigegeben, nun sollen die Bürger bis zum 21. März Einsicht nehmen, das geht online oder etwa in den Büros des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Bis 23. April können die Sachsen sowie die Träger öffentlicher Belange dazu Stellung nehmen. Im Sommer dieses Jahres soll der Plan vom Kabinett beschlossen und veröffentlicht werden. Offen bleibt, was davon tatsächlich umgesetzt wird - der Verkehrsplan ist eine politische Willensbekundung.

Kritik: Sachsens Grüne lassen kein gutes Haar an dem Entwurf. "Setzt Wirtschaftsminister Martin Dulig mit dem Entwurf die alte CDU- und FDP-Verkehrspolitik fort?", fragt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Katja Meier. Es fehlten klare Ziele für die Verkehrswende. So sei etwa der Radverkehrsanteil von 2010 bis 2015 von 7,5 auf 7,8 Prozent gestiegen. "Innerhalb der dreifachen Zeit bis 2030 sollen nur weitere 0,3 Prozentpunkte dazukommen. Das ist doch lächerlich." Es fehlten auch konkrete Aussagen, wie Projekte wie der Sachsentakt im ÖPNV umgesetzt werden könne. 

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    1
    Moderator
    12.03.2019

    Danke für den Hinweis, es ist natürlich die Schiene gemeint. Wir haben das korrigiert.

  • 1
    1
    Leserteam
    12.03.2019

    Zitat: "setzt sich der Freistaat "mit Nachdruck für die Verlagerung von mehr Güterverkehrsanteilen auf die Straße ein"
    Ich nehme an und hoffe, es wird wohl doch die Verlagerung auf die Schiene sein! Was für ein Fauxpas!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...