Rallye-Rennwagen: Studenten entwickeln Alleskönner für Straße und Gelände

Ein Student aus Zwickau entwickelt ein Fahrzeug-Patent aus Bayern weiter. Seine Idee findet Mitstreiter und gipfelt in einer rassigen Neuentwicklung.

Plauen.

Ein Fahrzeug, das auf der Rennstrecke genauso viel Spaß verspricht wie auf der Geländepiste, ohne auf die jeweils typischen Fahreigenschaften eines Rallye- beziehungsweise Rennwagens verzichten zu müssen - was in den Ohren ambitionierter Autofahrer klingt wie die oft beschriebene aber noch nie dagewesene "eierlegende Wollmilchsau" ist jetzt Realität, und das mit vier Rädern. Tom Beckmann, Absolvent des Studienganges Kraftfahrzeugtechnik an der Westsächsischen Hochschule Zwickau, hat das Fahrzeug für die in Plauen ansässige Sächsische Automobil Manufaktur mitentwickelt. Weil die Diplomarbeit nicht nur innovativ war, sondern neben dem technischen Fortschritt auch noch einen direkten Nutzen für die lokale Wirtschaft hat, wurde sie jüngst vom Förderverein des Zwickauer Business and Innovation Centres mit einem Förderpreis ausgezeichnet.

Von dem Fahrzeug, das unter dem Kunstnamen Criog auf den Markt kommt, existiert bis jetzt zwar erst ein Exemplar. "Doch vier Fahrzeuge haben wir schon verkauft. Die Auslieferung soll im Mai beginnen", sagt der 26-Jährige stolz. Bei der Entwicklung des Fahrzeuges kam dem jungen Zittauer ein Patent eines bayerischen Ingenieurs zugute. "Das war der theoretische Unterbau, praktisch umgesetzt wurde das ganze aber zuvor noch nicht", sagt Tom Beckmann. Profitiert hat er ebenso von seinen Erfahrungen im Racing Team der Zwickauer Hochschule.

Rennserie von Studenten

Seit einigen Jahren bauen die angehenden Ingenieure Rennwagen, mit denen sie sich in einer speziellen Rennserie recht erfolgreich mit studentischen Teams aus aller Welt messen. Tom Beckmann gehörte fünf Jahre zum Team und war dabei vor allem für das Fahrwerk verantwortlich. Das ist auch beim Criog der Clou. "Durch eine variable Umlenkunsgeometrie zwischen Rad und Feder-Dämpfer-Einheit ist es möglich, die Bodenfreiheit und die Radübersetzung des Fahrzeugs zu ändern", sagt Tom Beckmann. So reicht die Bodenfreiheit von 100 Millimetern in der Renn- über 200 Millimeter in der Straßen- bis hin zu 300 Millimetern bei der Geländevariante.

Talenteschmiede für Fahrzeubau

Das Beispiel des Criog zeigt auch, dass sich das Zwickauer Racing Team zu einer echten Talenteschmiede für den Fahrzeugbau entwickelt hat. Denn neben Tom Beckmann hat Sven Knorr, Geschäftsführer der Sächsischen Automobil Manufaktur, mit Kay Stüllein und Martin Bischoff zwei weitere ehemalige Teammitglieder in seine neunköpfige Mannschaft geholt. Während sich Kay Stüllein als Projektleiter primär um Konstruktion von Rahmen und Antriebsstrang des Criog kümmerte, war Martin Bischoff für das Fahrwerk und die Außenhaut verantwortlich. "Das Racing Team ist eine großartige Sache für die Ausbildung der Ingenieure, weil das Wissen aus den Vorlesungen direkt in der Praxis umgesetzt werden kann", sagt Sven Knorr. In der Szene ist der letzte DDR-Rallye-Meister kein Unbekannter, wobei sich der 52-jährige Maschinenbauingenieur jetzt vor allem auf das Konstruieren von Rallyefahrzeugen konzentriert. Und das mit einigem Erfolg: 2013 kam der Rallyefahrer Matthias Kahle bei der Dakar-Rallye mit einem in Plauen entwickelten Fahrzeug auf einen beachtlichen 13. Platz in der Gesamtwertung. "Unter 164 Fahrzeugen gleich beim ersten Einsatz auf einen 13. Platz zu fahren, das hat uns sehr stolz gemacht", sagt Sven Knorr. Da sei es naheliegend gewesen, das Beste aus zwei Welten, die Schnelligkeit eines Rennwagens und den Fahrspaß eines Rallyefahrzeuges, in einem Auto zu vereinen.

"Der Markt für ein solches Fahrzeug ist groß. Schon heute sind wir mit 20 bis 30 potenziellen Käufern im Gespräch", sagt Sven Knorr. Der Einstiegspreis des Fahrzeuges liegt bei 25.000 Euro. Ambitionierte Autofans bekommen dafür die große Freude am Fahren. "Bei einem Gewicht von nur 550 Kilogramm hat der Criog 200 PS. Das ist in etwa so, wie wenn ein Mittelklassewagen 600 PS hätte. Da braucht man nicht darüber zu diskutieren, ob das viel Spaß macht", sagt Tom Beckmann.

www.criog.de

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2Kommentare
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    gelöschter Nutzer
    06.02.2015

    Nun, zu DDR-Zeiten musste man dafür kein Student sein, sondern "nur" ein Grundschüler im UTP-Unterricht.

    Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, wo wie in Ellefeld für einen K-Wagen die teile "renoviert" haben, die ein Lehrmeister der Ausbildungsstätte der WEMA Auerbach dann in seinem selbstgebauten K-Wagen nutze.

    Der K-Wagen - Sport war damals in AE ganz groß etabliert und Rennen fuhr man auch in der Stadt.
    Die ganzen Dinger waren eh alle Marke "Eigenbau".

  • 1
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    quadsportvogtland
    04.02.2015

    Wir warten schon gespannt auf die ersten Probefahrten, Jungs legt Euch ins Zeug, das Frühjahr naht!



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