Region bei Bahn-Mobilfunk abgehängt

Das schnelle 5G-Netz steht in den Startlöchern - auch entlang des Streckennetzes der Deutschen Bahn. Doch ein internes Papier des Konzerns lässt für Südwestsachsen Böses ahnen.

Chemnitz.

Anfang kommenden Jahres sollen die Frequenzen für den nächsten Mobilfunkstandard und LTE-Nachfolger 5G durch die Bundesnetzagentur versteigert werden. Dabei soll auch die Mobilfunkversorgung entlang des Eisenbahnnetzes berücksichtigt werden. Dafür muss die Deutsche Bahn (DB) das Streckennetz definieren, das in Zukunft abgedeckt werden soll. Doch laut einem internen Papier der DB, das "Freie Presse" vorliegt, spielt die Region Chemnitz dabei offenbar keine Rolle. Obwohl die Versorgung mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G für "sämtliche ICE- und IC-Strecken vorzusehen" ist, fehlen in der Streckenkarte in dem DB-Papier mit dem Titel "Vorschlag zur Ausgestaltung der Versorgungsauflagen für die anstehenden 5G-Frequenzvergaben" die für die Zukunft von der Bahn geplanten IC-Linien Dresden-Chemnitz-München (ab 2022 und Chemnitz-Gera-Düsseldorf (ab 2032). Das heißt: Selbst wenn die Region Chemnitz nach der Frequenzvergabe eine Fernverkehrsanbindung erhalten würde, müsste diese nicht mit dem modernsten Mobilfunkstandard versorgt werden. Und auch im Nahverkehr soll die Region Südwestsachsen demnach nur rudimentär berücksichtigt werden.

Torsten Herbst, FDP-Bundestagsabgeordneter aus Sachsen, übt Kritik. "Es wäre ein fatales Signal, wenn nun ausgerechnet Chemnitz bei den Auflagen für die 5G-Frequenzversteigerung benachteiligt würde. Schnelles mobiles Internet und unterbrechungsfreies Telefonieren im Nah- und Fernverkehr sind kein Luxus, sondern gehören heute längst zu einem guten Fahrgastservice", betonte Herbst. Der neue Mobilfunkstandard sei zudem Voraussetzung für neue Anwendungen wie autonomes Fahren. Deshalb gehöre die Region unbedingt auf die "5G-Mobilfunklandkarte", forderte der FDP-Politiker.

Ein DB-Sprecher erklärte, dass man interne Papiere nicht kommentiere. Er verwies aber darauf, dass die Bahn am 13. Juli bei der Bundesnetzagentur ein Konzept vorgestellt habe. Dort habe man klar gesagt, dass bei der Auktion alle IC- und ICE-Verbindungen in ganz Deutschland berücksichtigt werden sollten, das schließe auch die beiden geplanten IC-Linien über Chemnitz ein. Für den Lückenschluss im Regionalverkehr seien die Verkehrsverbünde zuständig, so der Sprecher. Die Bundesnetzagentur will Ende September einen ersten Entwurf für die Vergabebedingungen vorstellen. Im Laufe des Novembers will die Behörde dann eine Entscheidung fällen, welche Auflagen gemacht werden. Der Standard 5G ermöglicht eine bis zu 100-fach höhere Datenrate als heutige LTE-Netze. Im besten Falle könnte man dann laut dem Informationsportal LTE-Anbieter.infomobil den Inhalt einer prall gefüllten DVD in nur 3,6 Sekunden laden.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    hkremss
    15.08.2018

    Es ist doch nur konsequent. Chemnitz existiert schon lange nicht mehr auf den Karten der Deutschen Bahn. Die irgendwann einmal vielleicht geplanten IC-Linien sind noch lange nicht beschlossene Sache und warum sollte man dann auch nur einen Gedanken an 5G verschwenden...



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