Sachsen wirbt um Millioneninvestition für Batterie-Forschungsfabrik

Der Bund sucht einen Standort für eine Forschungsfabrik für Batteriezellen. Sachsen kämpft um den Zuschlag, hat aber starke Konkurrenz.

Chemnitz.

Das Land Sachsen wirbt für Großröhrsdorf im Landkreis Bautzen als Standort für die vom Bund ausgeschriebene erste Forschungsfabrik für Batteriezellen (FFB). Der Freistaat sei bereit, das Vorhaben mit bis zu 100 Millionen Euro zu unterstützen, teilte die Staatskanzlei mit.

Das Bundesforschungsministerium will seine Standortentscheidung am 7. Juli bekanntgeben. Die "Forschungsfertigung Batteriezelle" soll dazu beitragen, die Abhängigkeit von Asien bei der Elektromobilität zu beenden. Dafür will der Bund rund 500 Millionen Euro bereitstellen. Ziel ist der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Batteriezellenfertigung unter den Bedingungen eines Hochlohnlandes.

Aus Kostengründen importieren die deutschen Autohersteller die Batteriezellen momentan. Das Konzept für die Forschungsfabrik sieht eine Produktionskapazität von täglich 4000 Rundzellen, 10.000 Pouchzellen und 10.000 prismatischen Zellen vor. "Das ist eine Vorgabe des Bundes", sagt Martin Kunath vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und System (IKTS). Das IKTS hat die Federführung für die sächsische Bewerbung übernommen und wird dabei von zahlreichen Partnern aus Industrie und Forschung unterstützt. Dazu gehört auch die estnische Firma Skeleton Technologies, die erst kürzlich angekündigt hatte, in Großröhrsdorf weitere 500 Arbeitsplätze zu schaffen. Skeleton ist Marktführer in der Ultrakondensatorentechnologie für die Energiespeicherung.

Im rund 20 Kilometer südöstlich von Dresden gelegenen Großröhrsdorf könnten die Battterieforscher sofort in die ehemaligen Schüco-Hallen einziehen. "Dort sind auch schon Rein- und Trockenraumkapazitäten vorhanden", sagt Martin Kunath. "Es gibt eine gute Autobahnanbindung. Zudem könnte ein Pendelbus verkehren."

Eine ausreichende Anzahl an vorhandenen Fachkräften sei ein weiterer Vorteil. In der Region gibt es mehr als 20.000 Auszubildende in Berufsfeldern, die für die Batterieforschung infrage kommen, sowie 48.000 Studierende in derartigen Fächern.

Darüber hinaus hat das IKTS gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft ein Ausbildungskonzept entwickelt, das die Forschungsfabrik und die in unmittelbarer Nähe entstehende Zuliefererindustrie kontinuierlich mit Mitarbeitern versorgen soll. Mit diesem "Batteriecampus" habe der Freistaat ein Alleinstellungsmerkmal, heißt es. "Sachsen ist mit fünf Produktionsstandorten großer Automobilhersteller in besonderer Weise für die Batteriezellen-Verwertung geeignet."

Der Einstieg in die Batteriezellen-Produktion ist aber teuer. Daimler zum Beispiel hatte jahrelang gemeinsam mit Evonik versucht, in Kamenz eine wettbewerbsfähige Produktion von Lithium-Ionen-Zellen für Elektroauto-Akkus hochzuziehen. Wegen zu hoher Ausschuss-raten und zu hoher Kosten wurde die Produktion Ende 2015 aber wieder eingestellt. "In der Forschungsfabrik sollen deshalb auch kleinere Firmen, die sich derartige Investitionen sonst nicht leisten können, ihre Fertigungstechnologie erproben und schnell zur Marktreife bringen können", sagt Kunath. "Anschließend wird es einen Verwertungsvertrag geben und die Firma kann sich dann ihre eigene Fertigungslinie bei sich selbst aufbauen."

Neben Sachsen haben sich aber auch Niedersachsen (Braunschweig/Salzgitter), Baden-Württemberg (Ulm), Bayern (München), Nordrhein-Westfalen (Münster) und Schleswig-Holstein (Itzehoe) um die Batterie-Forschungsfabrik beworben. Auch sie werfen jeweils rund 100 bis 200 Millionen Euro in die Waagschale - und sehen sich perfekt für die Ansiedlung der neuen Institution aufgestellt.

Das nordrhein-westfälische Münster geht mit dem Batterieforschungsinstitut MEET ins Rennen. München ist ebenfalls ein starker Wissenschaftsstandort. Im baden-württembergischen Ulm hingegen sind im Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung schon die Entwicklung, Erprobung und Herstellung von Brennstoffzellen und Batterien konzentriert. Zudem ist im nicht weit davon entfernten Ellwangen auf der Schwäbischen Alb mit Varta der größte deutsche Zellenhersteller beheimatet. Bislang produziert Varta zwar nur kleine Rundzellen für Hörgeräte und Kopfhörer. Das Unternehmen plant aber den Einstieg in die Fertigung größerer Zellen für Autobatterien. Schleswig-Holstein bietet indes viel grünen Strom für die Batteriezellenfertigung, während das Land Niedersachsen nicht nur selbst an VW beteiligt ist, sondern auch mit dem Standort Salzgitter um die Ansiedlung buhlt. Dort will Volkswagen bereits selbst knapp eine Milliarde Euro in die Batteriefertigung investieren.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    Mike1969
    18.06.2019

    Nunja. Man könnte auch mal ein Forschungsprojekt Richtung Chemnitz-Zwickau lenken. Ich verstehe dies zwar mit dem Lausitzer Raum. Aber es müssen auch die Ing. dort wohnen. Aber am Ende landet das Projekt sowieso wieder im Raum Dresden!

  • 9
    2
    cn3boj00
    17.06.2019

    Eine Investition in die E-Mobilität, insbesondere durch eine eigene Batterieproduktion, die ausschließlich mit erneuerbarer Energie stttfindet, wäre ein echter Beitrag für den Braunkohleausstieg in der Lausitz und im Leipziger Beccken. Außerdem wäre es ein beitrag für ie Stärkung der ostdeutschen Industrie, weg von der verlängerten Werkbank von Westkonzernen. Dafür sollte auch der Bund ein paar Millionen spendieren. Es ist widersinnig, so etwas in München zu machen - aber gerade das dürfte Grund genug sein, dass Politiker so entscheiden.



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