Sachsens Bauern fehlt das Futter: Preise für Heu sind explodiert

Der Landesbauernverband rechnet damit, dass Betriebe ihre Tierbestände reduzieren müssen. Das könnte auch Folgen für die Verbraucher haben.

Limbach-Oberfrohna.

Die Folgen der Dürre im vorigen Jahr beschäftigen Sachsens Bauern bis heute. Insbesondere Rauhfutter wie Heu und Stroh ist im Zuge dessen knapp und teuer geworden. Der Preis für einen Doppelzentner (100 Kilogramm) Heu ist nach Angaben des Landesbauernverbands (SLB) um gut 100 Prozent gestiegen. Bei Stroh sieht es demnach ähnlich aus. In allen Regionen Sachsens gebe es Probleme. Ein Zukauf sei trotz des hohen Preises kaum möglich. "Es gibt wenig beziehungsweise nichts", sagte SLB-Hauptgeschäftsführer Manfred Uhlemann am Freitag im Anschluss an die traditionelle Winterklausur des Verbandes in Limbach-Oberfrohna (Landkreis Zwickau). Wenn nicht genug eigenes Futter vorhanden sei, bleibe den Betrieben nur eine Möglichkeit: Sie müssten die Bestände reduzieren. Es dauere auf der anderen Seite aber lange, bis die Herden wieder aufgebaut seien. Uhlemann: "Es vergehen 27 Monate, bevor aus einem frisch geborenen Kalb eine Kuh geworden ist, die Milch gibt." Wie viele Höfe schon in welcher Größenordnung reduziert oder sich aus der Tierhaltung verabschiedet haben, blieb offen. Mit Zahlen rechnet der SLB erst im Laufe des Jahres.

Nach den Worten von Verbandspräsident Wolfgang Vogel müssen sich Verbraucher daher demnächst wohl auf steigende Preise für Rindfleisch und Milchprodukte einstellen. Derzeit gibt es zwar wegen der erhöhten Schlachtungen noch einen Überhang bei Rindfleisch. Doch das müsste sich nach marktwirtschaftlicher Lehre im Laufe des Jahres umkehren. Und falls das Frühjahr nicht zeitig kommt, womit er rechne, wird auch das Milchangebot sinken. Dann seien viele Futterreserven aufgebraucht. Die Milchpreise könnten in der Folge steigen, glaubt er. Aktuell bekommen die Bauern laut SLB mit 30,5 Cent Grundpreis je Kilogramm weniger als sie bräuchten. Um kostendeckend zu arbeiten, wären 34 bis 35 Cent notwendig.

Noch ist unklar, wie der Boden die lange Trockenheit des Vorjahres bewältigen wird. Der Schnee, der jetzt liege, reiche nicht. In seiner Heimatregion müsste 30 Tage lang jeweils zehn Millimeter Niederschlag fallen, bevor der Boden wieder ausreichend mit Wasser versorgt sei. Vogel: "Die Auswirkungen von 2018 werden wir erst in Gänze beantworten können, wenn wir vor der Ernte 2019 stehen."

Und die dürfte hier und da anders ausfallen als geplant. Wegen der ausgedörrten Böden und der Futterknappheit hätten Betriebe ihre Fruchtfolgen ändern müssen. Statt Mais seien auf abgeernteten Weizenfeldern Sommergerste und Zuckerrüben sowie Futterroggen angebaut worden. "Das ist Mist", sagte Vogel (66), der das Wintertreffen zum letzten Mal leitete. Bei der Vorstandswahl im September wird er aus Altersgründen nicht noch einmal antreten. Er stand dem Verband zwölf Jahre als Präsident vor.

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