Sachsens Bauern können Felder jetzt zentimetergenau beackern

Wichtiger Schritt bei der Digitalisierung der Landwirtschaft: Das Land stellt den Bauern kostenfrei einen Dienst bereit, mit dem sich die Maschinen ganz präzise steuern lassen. Ob das allerdings überall funktioniert, ist fraglich.

Erlau.

Gut zehn Meter breit ist das Schlagwerk des Mähdreschers, das bei der Agrargenossenschaft Agraset Naundorf in Erlau (Landkreis Mittelsachsen) zu Demonstrationszwecken vor die Hoftore gefahren wurde. Kaum vorstellbar, dass sich das monströse Gefährt auf den Zentimeter genau über das Feld steuern lässt. Doch genau das tut es. Und zwar nicht nur auf den Flächen der Agraset, sondern in ganz Sachsen. Der Satellitenpositionierungsdienst Sapos macht's möglich. Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt und Innenminister Roland Wöller (beide CDU) haben den Dienst gestern freigeschaltet. Er kann ab sofort kostenfrei von Bauern und landwirtschaftlichen Dienstleistern genutzt werden.

Damit könnten die Landwirte die "enormen Potenziale" des Smart Farming für sich nutzen, so Schmidt. In einem ersten Schritt sollen Erfahrungen gesammelt werden, wie das System bei hohen Nutzerzahlen reagiert. Ziel sei es, in einem zweiten Schritt einen kostenfreien Dauerbetrieb für alle Nutzer zu realisieren.

Sapos liefert in Echtzeit Korrekturdaten zu den Signalen von Navigationssystemen. Der Dienst ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vermessungsverwaltungen der Bundesländer. Sachsenweit werden 18 Referenzstationen betrieben, die Daten der Navigationssysteme GPS und Glonass verarbeiten. Damit werden Korrekturdaten berechnet, die der Nutzer - zusätzlich zu den direkt empfangenen Satellitensignalen - für eine hochgenaue Positionierung benötigt. Dadurch verbessert sich die Genauigkeit von bislang drei bis fünf Meter auf den Zentimeter genau. Die Sapos-Signale sind den Angaben nach flächendeckend im Freistaat verfügbar. Die gemessene Position sei auch jederzeit wiederherstellbar, wenn die Feldarbeit unterbrochen werden musste.

Schmidt sprach von einem "Riesenschritt für die Landwirte". Und auch Agraset-Chef Jan Gumpert ist zufrieden: "Herzlichen Dank, dass wir Sapos bekommen. Es ist höchste Zeit", sagte er. Gumpert weiß auch schon, was der Dienst seinem Unternehmen an Vorteilen bringt. Die Erlauer nutzen bereits seit einigen Jahren sogenannte RTK-Systeme (Real Time Kinematik) zum präzisen Fahren. Dabei handelt es sich um privat betriebene, kostenpflichtige Satellitenkorrekturdienste. Die Agraset musste bislang mit laufenden Kosten von 1000 bis 1200 Euro pro Maschine und Jahr kalkulieren.

Ausgaben, die viele Landwirte scheuten. Und die sich die Betriebe nun sparen können. Sie müssen nur noch die erforderliche Hardware und Steuerungstechnik auf den Fahrzeugen installieren. Zwischen 12.000 und 15.000 Euro sind dafür im Schnitt erforderlich - sofern die Landmaschinen eine entsprechende Vorausrüstung haben, wie von Olaf Wißwedel, Produktmanager beim Hersteller Claas, zu erfahren ist.

Doch was bringt das? Genossenschaftschef Gumpert berichtet, dass die Leistung pro Mähdrescher und Hektar um zehn Prozent steigt. Auch gebe es weniger Leerfahrten. Für Schmidt bringt das Thema nicht nur hohe Effizienz, sondern auch Ressourcenschutz. Da Dünger und Pflanzenschutzmittel punktgenau ausgebracht werden, gelange nur noch die genau benötigte Menge in den Boden. Schmidt: "Das ist wirklicher Boden- und Gewässerschutz".

Claas-Manager Wißwedel schätzt, dass das Verfahren den Landwirten einen Vorteil von 40 bis 50 Euro je Hektar bringt. Er weißt aber auch darauf hin: "Sapos ist keine Wunderwaffe, die von allein wirkt", sagt er mit Blick auf die gerade im ländlichen Raum oft noch existierenden Mobilfunklücken. Denn die Sapos-Daten werden per Mobilfunk übertragen. Bei Bauer Gumpert funktioniert's jedoch. "Auch wenn mal auf drei Metern kein Empfang ist , das haut hier hin."

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2Kommentare
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  • 5
    2
    cn3boj00
    16.09.2018

    "Kostenfrei" - d.h. also aus minem Steuergeld finanziert, haben die Bauern ein neues Spielzeug bekommen. Wie wäre es, wenn man endlich etwas für eine nachhaltige und umweltschonende Agrarwitrtschaft tut? Neulich bei uns "flachgepflügt": unten ein kleiner Satubhurrican, oben dicker schwarzer Dieselruß. Aber Hauptsache HiTec.

  • 4
    1
    aussaugerges
    15.09.2018

    Das sehe ich in unmittebarer Nähe die Wurzelstöcke fallen Reihenweise am Feldrain
    Da wackelt alles bis es braun wird.
    Gerade am Feldrain halten oder rasten besonders geschützte Vogelarten.



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