Sachsens Grüne fordern Verzicht auf Glyphosat

Eine Studie belegt, Pflanzengifte verunreinigen die Gewässer. Doch das Umweltministerium hat das wichtigste Mittel nicht auf dem Schirm.

Dresden. Sachsens Grüne fordern stärkere Kontrollen der Gewässerqualität im Land. Bei Proben von 17 Gewässern aus ganz Sachsen fanden sie in sechs Gewässern zu hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Besonders fielen bei den vom Umweltinstitut Leipzig vorgenommenen Messungen das umstrittene Pflanzengift Glyphosat und seine Abbauprodukte auf, die im Verdacht stehen, Krebs erzeugen zu können. Nur in fünf Gewässern gab es keine Auffälligkeiten, sagte der Landtagsabgeordnete Wolfram Günther, der gestern die Studie im Auftrag seiner Fraktion in Dresden vorstellte.

So fand sich zwölfmal Glyphosat oder dessen Abbauprodukt Ampa. In sechs Gewässern wurden die Grenzwerte von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschritten. Die höchste Glyphosatbelastung (0,66) gab es im Schlossteich in Königsfeld bei Rochlitz (Landkreis Mittelsachsen), die höchste Ampa-Konzentration (1,7) in der Großen Röder bei Berbisdorf (Landkreis Bautzen). Für die Grünen sind dadurch auch Grund- und Trinkwasser beeinträchtigt. Sie berufen sich dabei auch auf die Wasserrahmenrichtlinie der EU, ein bis ins nächste Jahrzehnt reichender Fahrplan zu sauberen Gewässern. Nur an fünf Gewässern wurden keine Funde über der Nachweisgrenze festgestellt. Darunter sind die Limbacher Teiche bei Chemnitz.

"Die Werte sind aus unserer Sicht besorgniserregend", sagte Günther. Er sieht die Behauptung der Pflanzenschutzmittelindustrie widerlegt, dass sich die Giftsubstanzen rückstandslos abbauten. Sachsen sei gut beraten, dafür zu sorgen, "dass auch die herkömmliche Landwirtschaft ökologischer wird", sagte er. "Das ist noch viel Luft nach oben."

Das Umweltministerium hält die geringe Zahl der Stichproben der Grünen für nicht stichhaltig genug. Der Freistaat selbst betreibt ein Gewässer-Monitoring, bei dem auch auf Pestizide beprobt werde, so Frank Meyer, Sprecher des Umweltressorts. Dabei würde die Qualität von Oberflächengewässern an 646 Messstellen nach einem festgelegten Beobachtungsplan überwacht.

Dabei seien von 2009 bis 2014 etwa 8500 Proben "auf 160 verschiedene zugelassene und nicht mehr zugelassene Pestizidwirkstoffe untersucht worden", sagte Meyer. Jedes der Gewässer würde in einem Dreijahresrhythmus überprüft, dann aber in einem Jahr vier- bis zwölfmal. "Dabei kam es nur in 1,7 Prozent der Fälle zu Auffälligkeiten." Auch das Ministerium beruft sich auf die EU-Richtlinie.

Pferdefuß daran ist, dass die EU-Verordnung Glyphosat nicht erfassen lässt und der Freistaat nicht nach seinen Rückständen sucht. Obwohl das auch als "Roundup" bekannte Produkt das in Deutschland inzwischen am häufigsten eingesetzte Pflanzengift sei. Die Grünen sowie Naturschutzbund und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland verlangen einen Abschied von Glyphosat. Dessen Zulassung in der EU war im Frühjahr abgelaufen. Bisher gibt es noch keine Verlängerung. Im Ringen um seine Wiederzulassung verschärft sich erneut die Auseinandersetzung um die Schädlichkeit von Glyphosat für den Menschen.

So haben die zur Uno gehörenden Welternährungs- und Weltgesundheitsorganisation (FAO und WHO) das Pflanzenschutzmittel für unbedenklich erklärt. Dagegen hält die Internationale Krebsforschungsagentur in Lyon, die ebenfalls zur WHO gehört, an ihrem Urteil fest, das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat sei "wahrscheinlich krebserregend".

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