Sachsens Schüler schauen, was sie künftig im Beruf erwartet

Die Woche der offenen Unternehmen lockt junge Menschen in die Betriebe. Für die Jugendlichen geht es dabei um die berufliche Zukunft. Aber nicht jeder Chef sucht dort nach den Azubis von morgen.

Königswalde.

Eric Riegler mag Technik. Deshalb war für den Neuntklässler schnell klar, dass er einen technischen Beruf erlernen will. Aber welchen? Mechatroniker, Werkzeugmechaniker oder doch lieber etwas ganz anderes? Der Jugendliche aus Breitenbrunn wirkt in dieser Frage noch unsicher. Kein Wunder, denn derzeit gibt es in Deutschland weit über 100 Ausbildungsberufe im handwerklich-technischen Bereich. In dieser Fülle den richtigen zu finden, das ist nicht leicht.

Abhilfe bei seiner Entscheidung soll die Woche der offenen Unternehmen bringen, die in dieser Woche stattfindet. Dafür öffnen über 1300 Unternehmen in Sachsen ihre Türen und informieren Schüler ab der siebten Klasse, was in den angebotenen Berufen passiert. Seit 2006 gibt es diese Initiative, die einmal jährlich stattfindet. Diesmal können sich die Jugendlichen zu mehr als 50 verschiedenen Berufen informieren. Etwa 8000 Schüler nehmen in diesem Jahr teil - deutlich weniger als 2018. Dennoch wurden mehr Veranstaltungsplätze gebucht, erklärt das sächsische Wirtschaftsministerium.

Eric Riegler hat sich bei der Metalltechnik Annaberg in Königswalde angemeldet. "Ich hoffe auf einen besseren Einblick in die Materie, und ich will erfahren, was da gemacht wird", sagt er. Gemeinsam mit zehn anderen Schülern sowie einigen Eltern wird er dort von Firmenchef Sven Lichtenberg durch die Hallen geführt. Überall formen Maschinen Metallteile, teils automatisch, teils von Hand bedient. Auch ganze Baugruppen fügt das Unternehmen zusammen. Am Ende landen die Produkte in Schaltschränken, Elektroautos und sogar Schiffen. Vier Berufe werden hier ausgebildet - unter anderem Werkzeugmechaniker und Mechatroniker. Die komplexen Geräte zu bedienen und einzurichten, das ist eine Aufgabe der Mitarbeiter. Aber auch Logistik ist ein Thema - immer wieder fahren Gabelstapler an der Gruppe vorbei. "Es ist eine anspruchsvolle Arbeit", sagt der Geschäftsführer. Zu verstehen ist er kaum - zu laut sind die Maschinen. Dennoch gibt es keine Nachfragen. "Je jünger die Schüler sind, desto weniger Fragen stellen diese", sagt er aus Erfahrung.

Immer wieder führt er Besuchergruppen durch die Firma, allein in dieser Woche sind es zwei. "Es ist mir wichtig, dass die jungen Leute einen Blick dafür bekommen, welche Berufe es gibt", sagt er. Es ginge ihm dabei gar nicht um die direkte Gewinnung von Auszubildenden, sondern um das Aufzeigen von Perspektiven. Im Schnitt hat das Unternehmen acht Azubis unter Vertrag. Pro Jahr werden zwei Neue angestellt. Passende Bewerber zu finden, das sei nicht mehr so einfach wie früher. Beschweren will Lichtenberg sich aber nicht. "In der Regel haben wir eine freie Stelle nach drei Monaten besetzt", sagt er. Wie die entsprechenden Arbeitskräfte gefunden und ausgewählt werden, das habe sich geändert. Fast 35.000 Absolventen gab es 2017 an den berufsbildenden Schulen in Sachsen - etwa 27.000 weniger als zehn Jahre zuvor.

Am Ende des Rundgangs bekommen die Jugendlichen den Hinweis, dass sie sich auch gern über Ferienarbeit im Unternehmen ausprobieren können. Für Lichtenberg ein ganz wichtiger Punkt. "Da können die Schüler sich direkt mit Azubis unterhalten. Das funktioniert auf einer ganz anderen Ebene als hier", meint er. Ihm sei es wichtig, dass die Auszubildenden vor dem ersten Arbeitstag genau wüssten, was sich hinter dem Beruf verbirgt. Nur dann sei sicher, dass diese ihre Ausbildung auch bis zum Schluss durchziehen. Eric Riegler hat jetzt etwas mehr Ahnung von den Aufgaben, die da auf ihn zukommen werden. "Ich fand es sehr gut", resümiert er. Mechatroniker sei schon ein interessanter Beruf.

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