Sachsens Textilindustrie in Ghana gefragt

Afrika ist im Aufschwung. Firmen aus der Region würden darum gerne dort ihre Geschäfte machen. Neben Investitionsrisiken gibt es aber noch ein anderes Problem.

Chemnitz.

Zwischen all den Damen und Herren in Anzügen und Kostümen sticht Gina Ama Blay besonders hervor. Die Botschafterin des afrikanischen Staates Ghana zeigt auf ihr pinkes, mit exotischen Mustern verziertes Kleid. "Das ist unsere traditionelle Kleidung", sagt die resolute Frau nicht ohne Stolz. Doch da gibt es etwas, das die Botschafterin stört. "Wir würden es viel besser finden, wenn diese Kleider in Ghana und nicht als billiges Replikat in Asien gefertigt würden."

Doch um die traditionelle Kleidung in der afrikanischen Heimat zu produzieren, müsste dort irgendwer Fabriken bauen. Warum nicht eine Firma aus Deutschland, Sachsen oder gleich aus der Region Südwestsachsen? "Die Region hier ist schließlich bekannt für ihre Textilindustrie", sagt die Botschafterin.

Wie Gisa Ama Bley aus Ghana sind am Mittwoch auch Botschafter und Delegierte aus 24 afrikanischen Ländern nach Chemnitz gekommen, um für Investitionen in ihren Heimatländern zu werben und Kontakte zu sächsischen Unternehmen zu knüpfen. "Die Zeit, in den afrikanischen Markt einzutreten, war eigentlich schon gestern, andere Länder waren da schneller", sagte Dieter Pfortner, Präsident der IHK Chemnitz, zur Eröffnung der Veranstaltung "Business trifft Afrika". Immerhin sei Afrika der wirtschaftlich am schnellsten wachsende Kontinent. Die Bevölkerung werde sich bis 2050 auf über zwei Milliarden Menschen verdoppeln. Jährlich drängten dann etwa 20 Millionen Jugendliche auf den Arbeitsmarkt, sagte Pfortner. Neben all den demografischen Herausforderungen, die solch ein rasantes Wachstum mit sich bringe, biete Afrika aber auch vielversprechende Absatzmärkte. Der Mittelstand wachse und erst im vergangenen Monat ist eine Freihandelszone in Kraft getreten, die 1,2 Milliarden Menschen einschließt.

Der Initiator der Veranstaltung, der Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich, ist zufrieden. Der CDU-Politiker wollte unbedingt, dass die Veranstaltung in Chemnitz stattfindet. "Wir haben hier viele kleine Firmen, die kaum einer kennt, die aber in Afrika mächtig was reißen könnten."

Eines dieser Unternehmen heißt Vertikale Windkraftanlagen und kommt aus Zwickau. "Wir möchten gerne das Land Uganda elektrifizieren - natürlich mit Windrädern", sagt Inhaber Falk Hartmann. Er arbeitet mit Bernd Wolf zusammen, dessen Firma mit der TU Dresden eine Anlage entwickelt hat, die Plastemüll zu Öl machen kann. Dieses Öl wird im Anschluss zu Strom umgewandelt. "Aus 1000 Kilo Abfall machen wir 1000 Liter Öl." Den daraus hergestellten Strom würde er nicht komplett verkaufen, sondern auch in Akkus speichern und an die Afrikaner weitergeben. Als Bezahlung müssten die ihm lediglich genügend Plastemüll bringen. "So schließt sich der Kreis", sagt Bernd Wolf.

Doch die beiden Unternehmer haben ein Problem. Sie haben keine Förderung oder Risikoabsicherung ihrer Geschäfte und Investitionen erhalten. Der Grund: Sie verfügen nicht über die Mindestanzahl von acht Mitarbeitern., die bislang nötig ist, um die Unterstützung vom Bund zu erhalten. Ein neu aufgelegtes Programm des Bundeswirtschaftsministerium könnte das zwar ab Ende des Jahres ändern, doch bislang war es den beiden Unternehmern nicht möglich, ihre Visionen umzusetzen.

Die Gespräche der Delegierten mit den Firmenvertretern gingen bis in den späten Nachmittag. Visitenkarten wurden ausgetauscht. Doch Politik und Unternehmer sollten sich beeilen. Abdallah Possi, tansanischer Botschafter, wünscht sich auch, dass Firmen in seiner Heimat Fabriken bauen. Tansania erwirtschaftet 15 Prozent seiner Devisen durch den Export von Cashew-Nüssen. Die würde Botschafter Possi gerne in der Heimat weiterverarbeitet sehen. Doch dazu bräuchte das Land ebenfalls Investitionen aus dem Ausland. "Woher die letztlich genau kommen, ist mir aber nicht so wichtig", sagte er.

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