Sachsens Weinkrise macht auch Schloss Proschwitz zu schaffen

Das Meißner Weingut steht vor dem Umbau. Vom Standort in Zadel will man sich verabschieden, dafür soll das Schloss belebt werden. Der Skandal um das Insektizid Dimethoat hat Spuren hinterlassen. Vor allem im Export gab es Einbußen.

Meißen.

Die Zeiten, in denen die Zeichen auf Expansion standen, sind vorbei bei Sachsens größtem privaten Weingut. "Wir haben unsere Idealgröße gefunden, wollen Schloss Proschwitz nicht viel größer werden lassen", erklärte am Montag Weingutschef Georg Prinz zur Lippe. Bis 2012 habe man die Weine eher verteilt, denn verkauft - zu knapp waren die Mengen, zu hoch die Nachfrage. Doch inzwischen scheint das Geschäft schwieriger geworden zu sein. Aus jetziger Sicht komme es nicht darauf an, der Größte zu sein, sondern dem Anspruch gerecht zu werden, authentische und individuelle Weine zu machen.

Die Idealgröße - das heißt für den Gutschef knapp 80 Hektar Weinbergsfläche. Ein Belieferungsvertrag mit Schloss Wackerbarth über 16,5 Hektar bestockte Fläche ist nach zehn Jahren gerade ausgelaufen. Doch selbst bewirtschaften will zur Lippe die Flächen nicht und sucht daher nach einem Pächter. Drei Interessenten gebe es, hieß es. Vom bisherigen Standort im Meißner Ortsteil Zadel - ein Vierseithof, in dem Vinothek, Kellerei und Gästehaus untergebracht sind - will sich Proschwitz perspektivisch trennen. Für die dortige Kellerei sucht man bereits einen Käufer. Die vor ein paar Jahren in Betrieb genommene neue Kellerei in einem Gewerbegebiet in Ockrilla biete ausreichend Kapazitäten. Zudem könne man dort ungestört rund um die Uhr arbeiten, das sei gerade in Erntezeiten wichtig. Seinen Worten zufolge waren beide Kellereien erforderlich, als das Unternehmen noch Weinberge bei Weimar beackerte. Doch von diesen hatte sich zur Lippe vor drei Jahren getrennt. Die Vinothek soll im Schloss im Ortsteil Proschwitz untergebracht werden. Auch der alte Keller am Schloss soll wiederbelebt werden. "Wir hätten das gern alles an einem Standort. Es ist schwer, beide Immobilien zu bespielen", fügte zur Lippe hinzu. Fünf Jahre werde man dafür aber wohl brauchen.

Das Umdenken hat nicht zuletzt mit dem Skandal um das im Weinbau verbotene Insektizid Dimethoat zu tun. Der hat sich auf die Geschäfte ausgewirkt - obwohl unter den verunreinigten Weinen kein einziger von Proschwitz war. Zur Lippe: "Das Image des sächsischen Weines wurde gravierend beschädigt." Und das nur, weil "ein paar Idioten gepfuscht haben". Schloss Proschwitz bekam das vor allem im Export, aber auch in der Gastronomie zu spüren. Dort sei teils empfindlich reagiert worden. Zwei Händler in den USAhabe man ganz verloren. Keine einzige Flasche habe man im Vorjahr dorthin geliefert. Welche Menge verloren ging, blieb offen. Der Gutschef sagte nur: Es sei nicht "unsignifikant". Insgesamt gehen fünf Prozent der Produktion ins Ausland. Gut 400.000 Flaschen Wein wurden im letzten Jahr in den Verkauf gebracht - deutlich weniger als geplant und im Jahr zuvor. 2017 hatte das Gut noch angekündigt, mehr als 500.000 Flaschen zu füllen. Das sei dem Dimethoat-Skandal geschuldet, so zur Lippe. "Das hat uns gezeigt, wie fragil das Netz ist", sagte Alexandra Prinzessin zur Lippe.

Laut Verbraucherschutzministerium waren im Zuge des Skandals, der Ende 2015 bekannt wurde, gut 550.000 Liter Wein von sieben Betrieben in Sachsen als mit Rückständen unerlaubter Pflanzenschutzmittel belastet identifiziert worden.

Trotz des gesunkenen Absatzes stehe das Weingut wirtschaftlich "ziemlich gut da", sagte zur Lippe. 200.000 Euro habe man im Vorjahr in neue Kellertechnik investiert. Als richtigen Schritt bezeichnete er die Sektherstellung, die heute komplett im eigenen Haus erfolgt. So könne man viel flexibler arbeiten. 30.000 Flaschen Sekt wurden 2017 in den Verkauf gebracht, 10.000 mehr als ein Jahr zuvor. Tendenz steigend, denn das Sortiment wird breiter.

Die ersten Weine - rund ein Fünftel der Menge - des Jahrgangs 2017 sind derweil gefüllt; der Rest liegt laut Kellermeister Jacques du Preez noch in Tanks und Fässern und soll im Sommer auf die Flasche kommen. Qualitativ habe der neue Jahrgang Ähnlichkeiten mit dem 2013er. Es seien klare, geradlinige Weine mit schöner Frucht, so du Preez.

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