Schienenverkehr: Sachsen macht Bayern Avancen

Wirtschaftsminister Dulig möchte eine Allianz mit den Nachbarn, um die Deutsche Bahn zu reformieren. Wie reagiert man in München darauf?

Dresden.

Martin Dulig ist aus dem Kurzurlaub zurück. Seit Anfang der Woche macht der Sozialdemokrat mit politischen Vorstößen von sich reden - es ist eben auch Wahlkampfzeit in Sachsen. Erst war bekannt geworden, dass Dulig mithilfe von drei Briefen an Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Spitzen von CDU und SPD eine rasche Lösung bei der Grundrente einfordert. Nun hat er auch in seinem Ressort einen Aufschlag gemacht. Als sächsischer Wirtschafts- und Verkehrsminister will er Bayern für einen "Deutschland-Pakt Bahn" gewinnen. Gemeinsam sollen die beiden Freistaaten Druck machen, damit sich im Schienenverkehr und bei der Deutschen Bahn endlich etwas bewegt: "Wenn wir es wirklich ernst meinen mit dem Klimaschutz und den Verkehrsträger Bahn tatsächlich stärken wollen, dann müssen wir das gesamte Bahn-System gründlich reformieren."

Im Kern sind es drei Ideen, die Dulig seinem Ressortkollegen aus Bayern per Pressemitteilung offeriert. Die Deutsche Bahn soll erstens durch eine bessere Anbindung an die europäischen Nachbarländer attraktiver werden: Nach Österreich, ins Baltikum, nach Frankreich oder in die Schweiz kämen die Sachsen beispielsweise "nur über extreme Umwege", bemängelt Dulig. Zweitens will er die Züge modernisieren: "Wir benötigen Züge, die zwischen den Städten auch hohe Geschwindigkeiten von 300 und mehr km/h fahren können." Klimaanlagen und Heizungen müssten zuverlässig funktionieren. Zudem will der Minister das Ticketsystem reformieren: "Es kann nicht sein, dass ich heute für viel Geld eine Fahrkarte im Fernverkehr löse und kein fester Sitzplatz mit dabei ist", sagt Dulig. Tausende Kunden stünden regelmäßig im Wochenendverkehr stundenlang in den Gängen, weil die Züge überfüllt sind.

Dass sich der sächsische Wirtschaftsminister gerade an die südlichen Nachbarn wendet, dürfte an jüngsten Äußerungen des dortigen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) liegen. Der hatte unlängst in einem Interview darüber nachgedacht, Bahntickets preiswerter zu machen. Dies könnte man seiner Meinung nach dadurch erreichen, dass Bahn-Fahrkarten so weit wie möglich von der Mehrwertsteuer befreit würden. Bisher gilt für sie nämlich im Fernverkehr nicht einmal der ermäßigte Mehrwertsteuersatz. Er schließe sich dieser Forderung an, heißt es von Dulig.

Anscheinend stoßen Duligs Avancen in München auf Gegenliebe: Der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) ist einer politischen Achse Bayern-Sachsen, die bei einer Bahnreform vorangeht, zumindest aufgeschlossen: "Wir freuen uns, wenn sich unsere Nachbarn wie auch wir in Bayern für eine Stärkung des Bahnverkehrs aussprechen", teilt er auf Anfrage mit. Bei der Verkehrsministerkonferenz im Oktober sei der Schienenverkehr Thema. "Wir sind da ganz offen, und begrüßen es, wenn Sachsens Verkehrsminister Dulig neue Ideen einbringt und sein Ministerium auf unseres zukommt."

Im heimischen Sachsen erntet Dulig dagegen Spott von der politischen Konkurrenz. Die Grünen-Spitzenkandidatin Katja Meier zeigt sich überrascht, dass der Minister beim Bahnverkehr Elan entwickele: "Leider erst zum Ende seiner Amtszeit sprüht Wirtschaftsminister Dulig vor Ideen", schreibt sie bei Twitter. "Aber warum soll eine gemeinsame Verkehrspolitik von Bayern und Sachsen zum Erfolg werden? Wegen eines Söder-Interviews?"

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    Urlaub2020
    02.08.2019

    O,ja man siehe Chemnitz Leipzig und dann ist das Erzgebirge Weltkulturerbe das ich nicht lache.

  • 4
    1
    Zeitungss
    01.08.2019

    Herr Dulig, die Bahn wurde schon einmal reformiert und damit ins AUS geschossen, schon vergessen? Sachsen und Bayern wollen wieder, der Rest nicht, das Ergebnis ist schon heute sichtbar. Es ist schon bemerkenswert, wie das System Bahn seit 1994 zur Unfähigkeit gebracht wurde und man sich heute aus Wahlkampfgründen einmal wieder darauf besinnt, garniert mit Vorrang dringend benötigter Verkehrswende.
    Sagen wir so, DER ZUG IST ABGEFAHREN, die einzig wahre Ansage unter den derzeitigen Voraussetzungen. Mehr ist zu den Gespinsten, welche garantiert noch kommen, nicht mehr zu sagen. Unsere Urenkel werden schon einmal fragen, EISENBAHN was war denn das, gibt es davon wenigstens noch Bilder !!!!



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