Städtenetz: Neue Ausbaupläne bremsen Züge nach Nürnberg aus

Beim Ausbau der Strecke Dresden-Nürnberg sind nur in Sachsen die Hausaufgaben gemacht. In Bayern geht es nicht vorwärts. Nun droht neues Ungemach - mit Folgen für Reisende aus Sachsen.

Plauen.

Ist der seit Jahren geforderte Lückenschluss bei der Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale wieder in Gefahr? Die Oberbürgermeister des Sächsisch-Bayerischen Städtenetzes zeigten sich bei ihrer gestrigen Sitzung in Plauen alarmiert von einem Szenario, das mit der jüngst beschlossenen Aufwertung von Bahnstrecken in Bayern östlich von Nürnberg Realität werden könnte.

Die Sachsen-Franken-Magistrale (SFM) - sie führt von Dresden über Chemnitz und Plauen nach Nürnberg - ist nur auf sächsischer Seite vollständig elektrifiziert, in Hof endet der Fahrdraht. Reisende, die weiter wollen, müssen umsteigen. Die Magistrale ist die schnellste und kürzeste Fernverbindung zwischen den Ballungsräumen Chemnitz-Zwickau, Dresden und Nürnberg. Seit 23 Jahren kämpft das Städtenetz um den Ausbau der rund 150 Kilometer langen Strecke zwischen Hof, Marktredwitz und Nürnberg, seit 2003 steht er im Bundesverkehrswegeplan, doch bislang ist nichts passiert. "Die Planungen müssen endlich umgesetzt werden", forderte Zwickaus OB Pia Findeiß (SPD). Eberhard Siller, Zweiter Bürgermeister in Hof, sagte: "Wir wollen Taten sehen." Dem Städtenetz gehören Chemnitz, Zwickau, Plauen, Hof, Bayreuth und Marktredwitz an.

Dass die Stadtspitzen jetzt erneut für das Vorhaben trommeln, liegt an neuen Planungen auf bayrischer Seite. Auf politischen Druck wurde demnach die Elektrifizierung der als "Metropolenbahn" bezeichneten Strecke Nürnberg-Schwandorf-Furth im Wald nachträglich in den vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplanes aufgenommen und genießt damit die gleiche Dringlichkeit wie die SFM. Zudem wird vom Bund auch die Elektrifizierung der Linie Nürnberg-Weiden angestrebt. Damit könnten dann Verkehre zwischen Nürnberg und Tschechien von der SFM weg verlagert werden. Der Ausbau zwischen Nürnberg und Marktredwitz wäre dann für internationale Zugverbindungen entbehrlich, hieß es. Dass sowohl die SFM-Strecke als auch die "Metropolenbahn" umgesetzt werden, halten die OBs für nicht realistisch. Beide Vorhaben sind mit mehr als 700 Millionen Euro angesetzt. Auch für Reisende aus Sachsen hätte das nach Ansicht des Gremiums negative Folgen. Fahrten nach Nürnberg würden sich durch den Umweg über Weiden oder Schwandorf um eine halbe Stunde verlängern.

Kommentar: Nicht wegsehen

Zugfahrten nach Bayern sind zumindest für alle die, die nicht den Umweg über Leipzig nehmen wollen, seit Jahren ein Ärgernis. In Hof heißt es umsteigen. Die Umstiegszeiten sind mit zumeist fünf Minuten knapp kalkuliert. Nicht immer warten bei Verspätungen die Züge. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss noch zeitiger los. Fernzüge (IC und ICE) gibt es nicht, weil der Fahrdraht auf rund 150 Kilometern fehlt. Dabei wäre die Sachsen-Franken-Magistrale für Südwestsachsen die mit Abstand wichtigste Fernverkehrsstrecke. Für die Region würde dies eine bessere Anbindung nach Nürnberg, München, aber auch Stuttgart bedeuten. Aber auch umgekehrt kämen Reisende aus Oberfranken besser nach Chemnitz, Leipzig oder Dresden. Deshalb sollte auch Sachsen ein starkes Interesse daran haben, dass in Bayern der Lückenschluss angepackt wird. Sachsens Landesregierung muss sich dafür beim Bund einsetzen, das ist sie den Menschen in der Region schuldig.

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3Kommentare
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    0
    Zeitungss
    12.01.2019

    @radler2000: Bevor Sie Sachsen und Bayern zu einem Krieg treiben, ein kleiner Vorschlag. Fahren Sie die Strecke Marktredwitz-Nürnberg einmal ab, nach Möglichkeit im Führerstand eines Zuges. Sie werden erstaunt feststellen, warum Bayern mit der Elektrifizierung hadert und auf den Weg über Weiden in Zusammenhang mit der Elektrifizierung der Strecke Hof-Regensburg interessiert ist. Das Problem liegt dabei im Tal der Pegnitz mit dem Lichtraumprofil in den Tunneln und würde ungeheure Kosten verursachen. Aus dem selben Grund steht auch Bayreuth im Abseits.
    Die SFM wird deshalb auch weiterhin befahrbar bleiben, auch für Pendler, wenn auch nur mit Dieseltraktion. Dieselgegner haben die Möglichkeit die Neubaustrecke über Leipzig zu nehmen, welche vollständig elektrifiziert ist.

    @Einspruch: Ihr Frust auf die Bahn, welcher durchaus verständlich ist, hat mit der ausstehenden Elektrifizierung der SFM nun wirklich NICHTS zu tun. Die Grundmauern für die Probleme der Neuzeit wurden dazu am 01.01.1994 errichtet und darauf der heutige Bahnbetrieb mit seinen Annehmlichkeiten aufgebaut.

  • 2
    1
    Einspruch
    10.01.2019

    Seit ich heute Gelegenheit hatte, das Treiben auf dem Hauptbahnhof zu beobachten um Verwandte abzuholen, deren Zug ausfiel, was man aber sicher nicht aufs Wetter schieben kann, da ich heute selbst in den Gegenden unterwegs war, wo der Zug hätte fahren können.
    Man hat den Eindruck, das Kinder Bahn spielen oder Dilettanten am Werk sind. Das einzige was man zu hören bekommt, sind Verspätungsdurchsagen oder Ausfälle. Noch nichtmal die Verspätung eines Vorortzuges wurde korrekt angezeigt, der fährt offenbar, wann er will. Aus fünf Minuten werden eben 15. oder ein Zug fällt gleich mal aus. Keiner weiß, wie er dann weiter kommt. Der nach einer sinnlosen Umleitung durch halb Sachsen angekommene Zug, auf den ich wartete, wurde gar nicht angezeigt und erst angesagt, als man ihn einfahren sah. Die elektronische Auskunft am Automaten ist ein Graus, kann man weglassen. Sinnlose Infos und Menüs. Das ist unzumutbar. Da kann man die Schienen auch abbauen und einschmelzen um was vernünftiges draus zu bauen.

  • 3
    2
    radler2000
    10.01.2019

    Was soll man da noch sagen und hoffen. Die Sachsen wollen die Strecke und die Bayern nicht,ganz einfach. Sachsen kann sich nach 23 Jahren immer noch nicht durchsetzen,aber leider benutzen diese Strecke viele Pendler nach Franken oder Bayern. Die Arbeiter aus dem Osten benötigen die Länder, aber die Kosten sollen wahrscheinlich nur die Sachsen zahlen. Typisch Franken-Bayern



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