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In der Elternzeit, aus dem Schlafzimmer heraus, hat Elisa Röhr ihren Onlineshop für japanische Lebensmittel und Kochboxen aufgebaut. Heute ist es die führende Plattform im deutschsprachigen Raum.
Als Elisa Röhr das Publikum bei Sachsens Unternehmerpreisgala fragte, wer asiatisches Essen liebt, hoben viele die Hände. Mit ihrem Onlineshop „1mal1Japan“ für japanische Lebensmittel und Kochboxen traf sie ganz offenbar den Geschmack vieler der 270 Gäste in der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden. Als sie den Sonderpreis „Sachsen gründet – Start-up 2026“ im Rahmen des Wettbewerbs „Sachsens Unternehmer des Jahres 2026“ erhielt, war das für die Dresdner Unternehmerin weit mehr als nur eine weitere Auszeichnung. Nach dem Gewinn des Sächsischen Gründerinnenpreises 2025 in der Kategorie Wachstum ist es die zweite große Ehrung innerhalb kurzer Zeit. Für Röhr ist der Preis vor allem eine Bestätigung dafür, dass sich Beharrlichkeit auszahlt.
„Als Gründerin ist man im Alltag oft stark mit operativen Themen beschäftigt – Bestellungen, Produktentwicklung, Team, Familie, Entscheidungen“, sagt die 35-Jährige. „Ein solcher Preis zeigt mir, dass unser Weg gesehen wird: vom kleinen Blog über die ersten Pakete aus dem Wohnzimmer bis hin zu einem wachsenden Unternehmen mit eigener Marke, Team und europäischer Perspektive.“
Elisa Röhr wollte nie Unternehmerin werden
Diese Entwicklung hätte Elisa Röhr selbst vor einigen Jahren wohl kaum erwartet. Eigentlich wollte die studierte Wirtschaftsingenieurin nie Unternehmerin werden. Alles begann mit einer Reiseleidenschaft. Ihr Mann schenkte ihr 2016 zur Hochzeit eine Internetseite, auf der sie ihre Eindrücke aus Japan festhalten konnte. Aus dem Reiseblog wurden immer mehr Rezepte, aus Rezepten schließlich Kochboxen und Lebensmittel für Menschen, die japanische Küche unkompliziert zu Hause ausprobieren wollten.
Heute ist daraus mit „1mal1Japan“ eine der bekanntesten deutschsprachigen Plattformen für japanische Küche geworden. Rund 400.000 Nutzerinnen und Nutzer besuchen die Website inzwischen pro Monat, etwa 5100 Bestellungen werden monatlich verschickt. Sieben Menschen arbeiten mittlerweile fest oder regelmäßig für das Unternehmen. Und die Lagerfläche hat sich allein in diesem Jahr schon um 40 Prozent vergrößert.
Zuerst stapelten sich Pakete im Schlafzimmer
Noch vor wenigen Jahren stapelten sich die Pakete im Schlafzimmer der Familie. Während der Elternzeit nach der Geburt ihres ersten Sohns 2019 packte Elisa Röhr die ersten Bestellungen selbst, ihr Mann brachte die Kartons auf dem Weg zur Arbeit zur Post. Die starke Nachfrage während der Coronapandemie beschleunigte das Wachstum zusätzlich. Inzwischen sitzt das Unternehmen in einem alten Gewerbehof in Dresden, wo täglich Kochboxen, japanische Zutaten und Produkte der Eigenmarke „Fujiman“ verschickt werden.
Fujiman entstand als Reaktion auf das Importverbot der EU von Waren mit tierischen Inhaltsstoffen aus Drittstaaten. Heute lässt „1mal1Japan“ zwölf Produkte nach japanischer Rezeptur herstellen wie koreanisches Chili oder Okonomiyaki-Mehl. Das kommt von einem Lieferanten aus Freital.
Röhr setzt bewusst nicht auf ein möglichst großes Sortiment, sondern auf Übersichtlichkeit und einfache Rezepte. „Ich will das Kochen nicht verkomplizieren“, sagt sie. Statt Dutzender Varianten gibt es viele Produkte nur in einer ausgewählten Version. Jedes Rezept wird getestet, jeder Arbeitsschritt bebildert.
Zehn Prozent des Umsatzes stammen aus Italien
Derzeit wächst das Unternehmen vor allem international schneller als erwartet. Schon rund zehn Prozent des Umsatzes stammen inzwischen aus Italien, mit deutlich steigender Tendenz. „Das bestärkt uns sehr darin, ,1mal1Japan‘ künftig stärker europäisch zu denken“, sagt Röhr. Parallel erweitert die Firma ihr Angebot über die japanische Küche hinaus. Koreanische und chinesische Produkte und Kochboxen rücken stärker in den Fokus, neu ist etwa eine Pekingsuppen-Kochbox. Auch thailändische Kochboxen bleiben geplant, sind aber noch nicht umgesetzt, weil Elisa Röhr auf gute Produktqualität, passende Lieferanten und ein stimmiges Konzept achten will.
Trotz des Erfolgs klingt die zweifache Mutter nicht wie eine Gründerin, die von immer größeren Wachstumszahlen träumt. Viel wichtiger sei ihr, das Unternehmen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln – ohne den Bezug zu den Kunden oder zur Familie zu verlieren. „Unternehmertum muss nicht immer schnell, groß inszeniert und perfekt geplant sein“, sagt sie. „Man kann auch mit Ausdauer, Nähe zur Kundschaft und einer klaren Haltung wachsen.“ (sz)
Der Wettbewerb „Sachsens Unternehmer:in des Jahres“ ist eine Initiative von „Sächsischer Zeitung“, „Freier Presse“, „Leipziger Volkszeitung“, MDR Sachsen, Volkswagen Sachsen, Schneider + Partner, Sächsischer Lotto-GmbH, „So geht sächsisch“ und AOK Plus.





