Studie: Sachsen attraktiv als Logistikstandort

Die Branche ist mit 170.000 Erwerbstätigen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Freistaat. Eine Analyse warnt aber auch davor, Entwicklungen im Verkehr nicht zu verschlafen.

Ohne sie wären Industrie und Handel aufgeschmissen: die Logistikbranche. Sie organisiert und steuert alle Lieferprozesse, sorgt dafür, dass Fertigungsprozesse nicht ins Stocken geraten und Waren den Kunden pünktlich erreichen. Das sächsische Wirtschaftsministerium hat nun erstmals in einer Studie die Logistikwirtschaft im Freistaat unter die Lupe nehmen lassen, weil in der amtlichen Statistik die Branche nur teilweise abgebildet wird. Am Montag wurde in Leipzig das rund 300-seitige Werk vorgestellt.

Die sächsischen Standorte international agierender Unternehmen wie Volkswagen, BMW und Porsche, Globalfoundries und Infineon, Bombardier sowie zahlreicher mittelständischer Betriebe seien Mittel- und Ausgangspunkt vielfältiger Liefer- und Absatzketten, heißt es in der Studie. Mit einem Jahresumsatz, der 2018 bei 11,7 Milliarden Euro lag, und gut 170.000 Erwerbstätigen (mit geringfügig Beschäftigten sowie Selbstständigen) sei die Branche ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Rund 130.000 der Arbeitsplätze sind sozialversicherungspflichtige Jobs.

Der Wirtschaftszweig ist demnach sehr kleinteilig strukturiert. Von 4781 Firmen, die ihren Sitz in Sachsen haben, beschäftigen gut drei Viertel nur bis zu zehn und weitere 23 Prozent bis zu 49 Mitarbeiter. Charakteristisch sei vor allem die Ansässigkeit vieler kleinerer Speditionsbetriebe. Die Region Chemnitz ist der Studie zufolge unter den drei Direktionsbezirken derjenige mit den höchsten Logistik-Beschäftigtenzahlen. Vergleicht man nur die kreisfreien Städte, ist dies Leipzig.

Die größten Veränderungen erwarten die Unternehmen selbst durch die Digitalisierung. Dies und neue Automatisierungstechniken werden der Analyse zufolge haben, dass der Bedarf an höher qualifizierten Arbeitskräften wächst. Der zunehmende Fachkräftemangel sei aber generell eine der größten Herausforderungen: Mehr als ein Drittel der heute Beschäftigten gehe bis zum Jahr 2030 in den Ruhestand. Schon heute fehlten in allen Regionen des Freistaates Fahrer für den Güterverkehr auf der Straße.

Seine Position als Eingangstor zu Osteuropa sowie die zentrale Lage an transnationalen Verkehrsachsen machten den Freistaat für weitere Logistikansiedlungen interessant, heißt es in der Studie. Sachsen gehöre zu den logistikaffinen Ländern in der Bundesrepublik. Verwiesen wird in dem Papier aber auch auf Potenziale aus neuen Entwicklungen, die es für hiesige Firmen zu nutzen gelte.

Als Beispiel wird die "Neue Seidenstraße" genannt - eine Achse für Zugverbindungen zwischen China und Europa. Bislang überquerten alle China-Züge die polnisch-deutsche Grenze in Frankfurt (Oder). Die 2018 für den Verkehr freigegebene Bahnstrecke Knappenrode-Horka könne sich als zweite Verbindung für den Güterverkehr entwickeln. Die "Neue Seidenstraße" werde eines der bedeutendsten Wirtschafts- und Verkehrsprojekte für den Handel zwischen China und Europa der nächsten Jahre sein, heißt es. Standorten in strategischer Lage, die Sachsen hier habe, gehe Wertschöpfung verloren, wenn sie nicht eine Drehscheibenfunktion weiterentwickelten, die nicht nur die regionale Erschließung fördere, sondern neue Wachstumsimpulse und Investitionen auslöse, schreiben die Autoren.

Für die Analyse im Auftrag des Ministeriums wurden insgesamt 128 Firmen befragt sowie zusätzlich 78 Expertengespräche geführt.

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