Studien: Kohle-Aus trifft Lausitz härter als die anderen Reviere

Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Lausitz stärker als jedes andere Revier unter dem Kohleausstieg leiden wird. Bundesweit hat das Aus aber kaum wirtschaftliche Folgen.

Chemnitz.

Insgesamt sind laut einer Studie des RWI-Leibnitz-Instituts Köln 56.000 Menschen in Deutschland direkt oder indirekt in der Braunkohle beschäftigt. Das sind rund 0,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Dabei ist der Anteil der von der Braunkohle abhängigen Jobs mit 3,3 Prozent aller Beschäftigten in der Lausitz deutlich höher als im Rheinischen Revier mit 1,8 Prozent oder im Mitteldeutschen Revier mit 0,5 Prozent. Insbesondere in der Lausitz fehlten abseits der Energiekonzerne aber für die rund 8300 Menschen, deren Jobs direkt an der Kohleförderung hängen, Job-Alternativen bei großen Konzernen, schreiben die RWI-Autoren. Infolge der schlechten Verkehrsanbindung habe das Lausitzer Revier darüber hinaus im Vergleich zu den anderen Revieren eine geringere Innovationskraft und Forschungsintensität. Hinzu komme, dass viele Menschen die Region verlassen: Dadurch werde "künftig die Deckung des Fachkräftebedarfs noch schwieriger, als dies ohnehin schon der Fall ist", so das RWI.

Der Kohleausstieg wird deshalb die Lausitz härter treffen als das Mitteldeutsche, das Rheinische und das Helmstedter Revier. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Die Arbeitslosenquote werde dort stärker als in den anderen Revieren steigen, heißt es. Auch werde dort der durchschnittliche Bruttolohn am deutlichsten sinken. Zudem könnten bis zu 2500 Menschen wegen besserer Jobaussichten aus der Lausitz wegziehen.

Auf den Arbeitsmarkt im Mitteldeutschen Revier wirkt sich der geplante Ausstieg aus der Braunkohle indes eher indirekt aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). In den Tagebauen im Süden Sachsen-Anhalts und in der Nähe von Leipzig sowie in den dazu gehörenden Kraftwerken arbeiten demnach derzeit knapp 3500 Menschen. Bis zu dem von der Kohlekommission empfohlenen Ausstieg im Jahr 2038 gehe mindestens die Hälfte von ihnen in Rente. Wegen technischer Neuerungen und steigender Produktivität würde die Zahl der Jobs in der Kohle zudem auch ohne das geplante Aus sinken.

Hilfreich dürfte zudem sein, dass fast alle Kohle-Beschäftigten gut ausgebildete Facharbeiter seien, sagte IAB-Forscher Per Kropp. Zudem sei dieses Revier in einen Arbeitsmarkt mit wachstumsstarken Zentren integriert. Allerdings verdienten die Kohle-Beschäftigten weit mehr, als in anderen Branchen gezahlt werde. "Das wird kein Problem, sie unterzubringen, selbst wenn wir die Kohle morgen zumachen, aber dass sie noch mal einen Job finden, der so gut bezahlt wird, ist eine echte Herausforderung", sagte Kropp.

Zudem wird der Wandel der Wirtschaftsstruktur im Mitteldeutschen Revier die sachsen-anhaltische Seite laut IAB stärker treffen als die sächsische. Das liegt vor allem an den anderen Jobs, die an der Braunkohle hängen. So arbeiten demnach im Mitteldeutschen Revier bis zu 3600 Beschäftigte bei Unternehmen, die Aufträge für die Kohlewirtschaft ausführen. Noch stärker ins Gewicht fallen laut IAB aber die rund 27.000 Jobs in Sachsen-Anhalt und in Sachsen in Branchen mit hohem Energieverbrauch. Das betreffe zum Beispiel die chemische, die Nahrungsmittel- und die Baustoffindustrie, die sich im Umfeld der Kraftwerke angesiedelt haben. Wie diese Firmen auf eine Verknappung der Braunkohle reagieren werden, sei noch nicht vorhersehbar, heißt es.

Bundesweit schlage ein Kohle-ausstieg indes kaum zu Buche, weil diese Branche eine untergeordnete Rolle spiele, so das RWI. mit epd/dpa

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