Süßes Geschäft: Schokolade mit Algen

Ein junger Mann aus Sachsen hat als Erster ein Patent auf diese Rezeptur angemeldet - und gleich dazu ein Unternehmen gegründet. Dabei spielte ein Superheldenkostüm eine wichtige Rolle.

Leipzig.

Chia-Samen aus Mittelamerika, Goji-Beeren aus China oder der Afrikanische Affenbrotbaum, "Superfoods" (Supernahrung) wie diese sind in aller Munde. Der Begriff - längst zum Modewort etabliert - bezeichnet vegan-exotische Nährstoffbomben, die körperliche und geistige Leistung steigern sollen. Auch der Leipziger Gründer Richard Kuntzsch hat sich einem solchen Superfood verschrieben - der Spirulina platensis. Mit 60 Prozent Eiweiß gehört die tropische Alge zu den Top-Proteinträgern überhaupt.

Der leidenschaftliche Kraftsportler suchte zunächst nur eine Alternative zu den üblichen Nahrungsergänzungsmitteln. "Wegen meines hohen Sportpensums fühlte ich mich während des Studiums oft abgeschlagen." Die üblichen Eiweißpräparate jedoch brachten nicht die erhoffte Wirkung. Auf Spirulina stieß der gebürtige Dresdner durch Zufall, als er nach seinem Managementstudium anfing, Zwerggarnelen zu züchten - die Alge war Hauptbestandteil des für die Garnelen beachtlich teuren Futters. "Da wollte ich unbedingt wissen, was diese Spirulina alles kann." Nach etlichen Selbsttests mit Algenpulver, bei denen auch Freunde und Familie mitmachten, war für Richard Kuntzsch klar: "Spirulina ist nicht nur belebend, sondern hält auch lange satt - ein idealer Snack bei Mittagstief und Heißhunger."

Auf die Idee, mit der Alge Geld zu machen, brachte ihn seine Freundin, die, wie etwa ein Fünftel der europäischen Frauen im gebärfähigen Alter, unter Eisenmangel litt. Da Spirulina auch viel Eisen enthält, wollte der damals 26-Jährige seine Liebste auf Algendiät setzen. "Doch Spirulina schmeckte ihr nicht", sagt Richardt Kuntzsch. Da sei der Gedanke gekommen: "Die meisten Frauen essen doch gerne Schokolade."

Knapp drei Jahre später ist der ehemalige Student längst der "Algenheld" geworden. Gegründet hat er die Firma Anfang 2018. Zwei- bis dreitausend Tafeln der veganen Schokolade mit zwölf Prozent Algengehalt produziert der Alleinunternehmer nun jeden Monat. Eine Verpackungsmaschine im Wert von 35.000 Euro, die ihm vor kurzem die Sächsische Aufbaubank finanziert hat, leiste dabei gute Dienste. Demnächst soll die Plastikverpackung durch Naturmaterial ersetzt werden. Um die Produktion kümmert sich ein Chocolatier aus der Region um Leipzig - die Bitterschokolade selbst stammt aus Peru. An der Rezeptur hatte der junge Gründer ein halbes Jahr gefeilt. Mittlerweile liegt ein Patent vor. "Ich wollte meinen Vorsprung nutzen, bevor aus Berlin das nächste Algen-Start-up kommt."

Richard Kuntzschs Hauptzielgruppe setzt sich aktuell noch aus einer gut informierten Bioladen-Kundschaft zusammen, die genau auf Inhaltsstoffe achte. Algen als Nahrungsmittel stehen immer wieder in der Kritik, auch Schadstoffe aufzunehmen, die in die Körper der Konsumenten gelangen. Diese Eigenschaft jedoch sorge dafür, dass Spirulina auch den Körper entgiftet, erklärt Richard Kuntsch. Um die Unbedenklichkeit seiner Schokolade sicherzustellen, hat er Produkte von 15 Algenfarmen in einem Labor untersuchen lassen und sich für den - Naturland-zertifizierten - Hersteller mit den besten Werten entschieden.

Wie viele Gründer hatte auch Richard Kuntzsch Probleme mit der Startfinanzierung. Etliche Kreditinstitute hatten ihm eine Abfuhr erteilt. "Die Banken hierzulande sind extrem risikoscheu", sagt er. Dass es mit dem Kredit doch noch klappte, hatte er auch seinen Auftritten im grünen "Algenheld"-Kostüm auf Messen im ganzen Land zu verdanken. "Irgendwann wollte Edeka mein Produkt listen." Das habe die Bank überzeugt. Derzeitig konzentriert sich Richard Kuntzsch vor allem auf Sachsen. Neben zahlreichen Bioläden haben bereits sechs Rewe-Märkte die Algenschokolade im Sortiment und auch der Edeka in Oederan gehört zu den Abnehmern. Zum Umsatz möchte er sich nicht äußern. Nur so viel: "Meinen normalen Job bei der Versicherung konnte ich mittlerweile kündigen." Doch soll hier lange nicht Schluss sein. Mit Wissenschaftlern der Unis Dresden und Leipzig möchte Richard Kuntzsch etwa erforschen, inwieweit die Alge auch eine krebshemmende Wirkung hat. Auch an einem neuen Produkt - einem Algengetränk - werde bereits gewerkelt.

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