Unister-Falschgeldprozess: Rätselraten um den großen Hintermann

Leipzig. Die oberste Lage Schweizer Franken, darunter nichts als Falschgeld - mit dieser Masche soll ein Gaunerduo im Juli 2016 den Unisterchef Thomas Wagner abgezogen haben. Im Prozess gegen den Finanzvermittler Wilfried S. wurden am Dienstag weitere Zeugen gehört.

S. muss sich seit voriger Woche vor dem Landgericht Leipzig verantworten, weil er kriminelle Darlehensgeschäfte eingefädelt haben soll. Der Gründer des Leipziger Unister-Konzerns, Thomas Wagner, soll um 1,5 Millionen Euro an Firmengeldern betrogen worden sein. Wagner starb auf dem Rückweg von dem betrügerischen Geschäft, das in Venedig abgewickelt wurde, beim Absturz seines Charterflugzeugs. Ein früheres Opfer der gleichen Falschgeld-Masche, eine Architektin aus dem Sauerland, hat durch Vass offenbar 100.000 Euro eingebüßt.
 
Hinterfragt wurde Dienstagvormittag die Rolle des S. bei der Anbahnung der Geschäfte. Mehrere Zeugen sagten aus, dass der eigentliche Darlehensgeber und mutmaßliche Hintermann der betrügerischen Deals, ein angeblicher Diamantenhändler mit israelischem und italienischem Pass, von Wilfried S. mit möglichen Kreditnehmern zusammengebracht wurde. Zwei Kaufleute, die als Makler und Vermittler in Niedersachsen tätig sind und mit Wilfried S. in Kontakt standen, sagten, sie hätten über Levy Vass von S. immer nur Positives gehört.
 
Ein Rechtsanwalt aus dem Taunus, der für vermögende Klienten Geschäfte mit wertvollen Gemälden und Edelsteinen vermittelt, berichtete von einem geplanten Geschäft mit Levy Vass, das parallel zum Unister-Kredit angebahnt war. Auch hier habe die Beteuerung des S., er kenne Vass seit langem, Türen geöffnet.
 
Vass habe Diamanten kaufen wollen, ein bis zwei Steine im Gesamtwert von 400.000 bis 600.000 Euro. Bezahlen wollte er in bar, was vor allem bei Edelsteinhändlern vom alten Schlag nicht ungewöhnlich sei, sagte der Zeuge. In den meisten europäischen Ländern gelten Restriktionen für die unangemeldete Einfuhr von Bargeld. Eine Ausnahme ist Slowenien, deshalb sollte der Deal dort abgewickelt werden.
 
"Bei der Planung hieß es: Levy Vass geht in keine Bank, denn er möchte nicht mit Geldkoffer auf Überwachungskameras zu sehen sein", berichtete der Zeuge weiter. Viele Verkäufer bevorzugten eine Bank, um die Verifizierung der Steine und die Übergabe des Geldes abzuwickeln. Das sei sicherer. Mit Vass habe man sich auf ein Hotelzimmer in Ljubljana als Übergabeort geeinigt. "Für mich war klar: Hier musst du vorsichtiger sein als je zuvor", sagte der Zeuge. Als dann der Flugzeugabsturz Wagners Schlagzeilen machte, blies der Anwalt den Verkauf der Diamanten ab.
 
Das Bild des mutmaßlichen Hintermanns, Levy Vass, blieb auch nach diesen Vernehmungen blass. Ein Ermittler sagte aus, dass es auf Papieren, die an der Absturzstelle gefundenen wurden, einen Fingerabdruck gibt, der möglichweise von Vass stammen könnte.
Der Angeklagte Wilfried S. kündigte an, sich noch am Dienstag vor Gericht zu äußern.

 

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