Unternehmensgruppe Hänchen setzt auf gesunde Ernährung

Der Dienstleister will mit schonenden Garverfahren und frischen, lokalen Zutaten das Kantinenessen verbessern. Dabei stößt er auch auf Widerstände.

Großpösna/Leipzig.

Zu zerkocht, zu vitaminarm, zu wenig Geschmack: für Wilfrid Hänchen hat das Essen aus vielen deutschen Großküchen nicht umsonst keinen guten Ruf. Der Chef der Leipziger Unternehmensgruppe Hänchen hat deshalb in den vergangenen Jahren in die Großküchen der Catering-Tochter Servito in Thierbach und Rochlitz insgesamt mehr als 3,5 Millionen Euro investiert, um die Qualität der Gerichte zu verbessern.

In den voll digitalisierten Küchen wird nach dem sogenannten Cook-and-Chill-Verfahren (deutsch: kochen und kühlen) gekocht. Dabei werden die im Niedertemperaturverfahren gekochten Speisen kurz vor dem Garpunkt stark gekühlt. Erst kurz vor der Essensausgabe werden die Speisen wieder erhitzt und fertig gegart. "Auf diese Weise verliert das Essen weniger Vitamine und das Gemüse bleibt bissfest", erklärte Hänchen.

Der Caterer kauft Obst und Gemüse vornehmlich in der Region. Zudem werden viele Speisen wie Soßen, Quark oder Joghurt selbst hergestellt. Kindergärten und Schulen erhalten zweimal in der Woche einen Obst- und Gemüsekorb. Täglich liefert das Unternehmen mehr als 25.500 Menüs zum Mittagessen aus. Rund jeweils 3000 davon gehen nach Chemnitz und Dresden. Hinzu kommen weiter 8500 Frühstücks- oder Vesperportionen.

Neuester Trend ist der Einsatz von Küchen, in denen wieder vor Ort gekocht wird. "Inzwischen betreiben wir wieder zwölf Kochküchen in Schulen und Kitas", so Hänchen. In jede Küche werde bis zu 55.000 Euro investiert. Insgesamt hat die Unternehmensgruppe einen Bestand von mehr als 25.000 Kunden in Sachsen, Thüringen und Brandenburg.

Nach einem kontinuierlichen Wachstumskurs und auch der Übernahme kleinerer Wettbewerber ist die Unternehmensgruppe Hänchen heute bundesweit hinter Sodexo und Apetito der drittgrößte Catering-Dienstleister in der Schul- und Kitaversorgung. Aber auch im Betriebscatering sowie in der Senioren- und Krankenhausversorgung ist die Gruppe tätig. Insgesamt werden mehr als 200 Einrichtungen beliefert. Hinzu kommen Gebäudemanagement, Post- und Hausmeisterdienste sowie Wachschutz.

2012 wurde die Rochlitzer Fleisch- und Wurstwaren AG übernommen, vor der Schließung bewahrt und in die Gruppe integriert. Insgesamt erwirtschaftete die Unternehmensgruppe Hänchen mit rund 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 2018 einen Umsatz von 21,5 Millionen Euro. "In der Essensversorgung haben wir einen jährlichen Zuwachs von etwa zehn Prozent", sagte Hänchen.

Der Unternehmenschef hat aber vor allem eine Mission: "Ich möchte, dass Menschen und vor allem unsere Kinder und Schulkinder besser essen", versicherte der 71-Jährige, der sich schon zu DDR-Zeiten für die Speisenqualität eingesetzt hatte, damals im Interessenverband Arbeiterversorgung. Ihn grämt, dass in vielen Schulen und Kindergärten oft der billigste Anbieter von Mittagessen das Rennen macht. Oft seien bei Elternversammlungen 51 Prozent für die Billigvariante. "Vor allem in Kindergärten brauchen wir Menschen, die sich für gesundes Essen einsetzen", appellierte er an die Eltern. Nicht umsonst hätten heute bereits über vier Millionen Kinder eine Allergie, viele litten zudem an Diabetes und anderen Krankheiten, meinte Hänchen.

Aber auch den Staat sieht er in der Verantwortung. Seit die Caterer auch die Essensausgabe organisieren müssen sie 19 Prozent Mehrwertsteuer abführen. Würde die Essensausgabe der Staat übernehmen, wäre sein Unternehmen ein reiner Lebensmittellieferant mit einem Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Das eingesparte Geld könnte in die Qualität des Wareneinsatzes gesteckt werden, schlug Hänchen vor.

Wegen seines außergewöhnlichen unternehmerischen Engagements in einer umkämpften Branche wurde Wilfried Hänchen beim Wettbewerb "Sachsens Unternehmer des Jahres" in diesem Jahr mit einem "Sonderpreis für das Lebenswerk" geehrt. Als einen Unternehmer "mit großem Idealismus und einer starken Antriebskraft" bezeichnete ihn Carsten Dietmann, Geschäftsführer der DDV-Mediengruppe, bei seiner Laudatio während der Preisverleihung am 10. Mai in der Gläsernen Manufaktur in Dresden.

"Sachsens Unternehmer des Jahres" ist eine Initiative der "Sächsischen Zeitung", der "Freien Presse", der "Leipziger Volkszeitung" und des MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft PwC, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus. www.unternehmerpreis.de

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