Wirtschaft regional
Unternehmerpreis in Sachsen: Das Finale um "Die Träumende"

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Im Wettbewerb "Sachsens Unternehmer:in des Jahres 2023" steigt in Dresden in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen das feierliche Finale. Wir stellen die Titelanwärter vor.

Dresden.

Sie ist 1,20 Meter groß, von bezaubernder Schönheit und bekleidet nur mit einem Hauch von Gold. Sie hält ihre Augen geschlossen und die Arme über dem Kopf verschränkt, ganz so als würde sie innehalten, um in sich versunken Kraft für die Verwirklichung neuer Ideen, Träume und Visionen zu sammeln. Die bronzene Preisskulptur "Die Träumende" wurde von der Künstlerin Małgorzata Chodakowska eigens für den Wettbewerb "Sachsens Unternehmer:in des Jahres" geschaffen. Wer sie bei der 18. Auflage des bedeutendsten sächsischen Wirtschaftspreises sein Eigen nennen darf, wird am Freitagabend bei einer Gala bekanntgegeben.

Die Geschäftsführungen von 48 sächsischen Unternehmen mit insgesamt knapp 4000 Beschäftigten haben sich für den Unternehmerpreis qualifiziert. Die Männer waren mit 41 Bewerbern klar überrepräsentiert. Sechs Unternehmen wurden von Frauen geführt, eine Firma hatte ein gemischtes Führungsteam. Die Altersspanne reichte von 31 Jahren bis zur ältesten Teilnehmerin. Gerhild Sacher, geschäftsführende Gesellschafterin des erzgebirgischen Unternehmens Sacher & Co. GmbH, ist 71 Jahre alt. Das Unternehmen aus Annaberg-Buchholz stellt hochwertige Etuis und Schmuckkoffer her.

Vergeben wird bei der Gala auch der Preis in der Sonderkategorie "Fokus X - Beste:r Resilienzmanager:in", für den 26 Bewerbungen von der Jury bewertet werden mussten. Zudem fällt die Entscheidung beim Sonderpreis "Sachsen gründet - Start-up 2023". Nach dem Onlinevoting stellen die sechs Finalisten den rund 200 Gala-Gästen ihre Geschäftsidee vor. Wer den Preis von Medialeistungen in Höhe von 60.000 Euro erhält, bleibt bis zum Schluss spannend.


Mike Kühne - Heinz Kühne GmbH & Co.KG, Bad Düben

Die Kühne-Autohäuser blicken auf eine lange Tradition als Familienunternehmen zurück. Vor 90 Jahren gegründet, führt Mike Kühne die Heinz Kühne GmbH & Co. KG mittlerweile in der dritten Generation. 1990 gelingt dem Vater Heinz Kühne die Rückübertragung des Betriebes durch die Treuhandgesellschaft. Damit war die politische Pause des Volkseigentums von 1983 bis 1990 korrigiert. Anfangs beschäftigt das Unternehmen in Bad Düben 36 Mitarbeiter und erneuert die Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz, die schon 1979 begonnen hatte. 1996 übergibt Heinz Kühne den Staffelstab an seinen Sohn Mike.

Seitdem hat das Autohaus-Unternehmen einen kontinuierlichen Wachstumskurs verfolgt. Die Anzahl der Standorte stieg von ursprünglich zwei auf mittlerweile zehn Autohäuser. Aktuell beschäftigt die Kühne-Gruppe 320 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei seiner Expansion setzt der Unternehmer Kühne vor allem auf die adäquate Ausbildung von Fachkräften in seiner Branche. Viele Führungskräfte stammen aus den eigenen Reihen, oft haben sie sogar ihre Ausbildung im Unternehmen begonnen. Auf einem jährlichen Azubi-Tag können die Auszubildenden sich mit Führungskräften und der Geschäftsleitung austauschen mit dem Ziel, neue Ideen und Impulse für das Unternehmen zu entwickeln. "Die Auszubildenden von heute sind das Fachpersonal von morgen", meint Mike Kühne, in dessen Autohäusern derzeit 45 junge Leute ihr Rüstzeug für das Berufsleben erhalten. Die Beschäftigten werden durch die vollständige Übernahme der Kindergartengebühren unterstützt. Zum 25-jährigen Betriebsjubiläum gibt es für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Goldbarren mit Kühne-Logo.

Neben der Mercedes-Benz AG, mit der mittlerweile vier Autohäuser betrieben werden, begann 2007 eine Zusammenarbeit mit Volkswagen, um die Gruppe breiter aufzustellen. 2022 wurde in den Neubau eines Mercedes-Benz-Servicebetriebes mit dem Schwerpunkt auf Nutzfahrzeuge investiert. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 85,6 Millionen Euro. (cul/fp)

Umsatz: 85,6 Millionen Euro

Beschäftigte: 320

Mike Kühne.
Mike Kühne. Bild: Udo Eckert

Petra Wallasch, Rapidobjekt Gmbh

Petra Wallasch hat immer an die Zukunft des 3D-Drucks geglaubt. 2010 wagte sie mit einem Management-Buy-out (MBO) den Sprung in die Selbstständigkeit. Sie löste die Sparte Realityservice, die heutige Rapidobject GmbH in Leipzig, aus der alten Firma, wo man dem 3D-Druck wenig Chancen einräumte. Um das junge Unternehmen zum Laufen zu bringen, investierte die gebürtige Leipzigerin private Mittel, einschließlich ihrer Abfindung. "Am Anfang waren wir zu zweit: ein Azubi und ich", erinnert Wallasch sich. Fertigte Rapidobject zu Beginn vorwiegend Einzelstücke, die den Auftraggebern als Demonstrationsobjekte etwa auf Messen dienen, kommt seit geraumer Zeit die Serienfertigung hinzu. Heute hat Rapidobject 37 Beschäftigte, darunter auch der Azubi, der jetzt eine leitende Funktion im Vertrieb hat. Lag der Umsatz 2010 noch bei 50. 000 Euro, kletterte er 2022 auf rund 6,5 Millionen Euro.

In den vergangenen Jahren ist es dem Unternehmen gelungen, in dem dynamischen 3D-Umfeld organisch und unabhängig von Investoren zu wachsen. Inzwischen ist Rapidobjekt für 20.000 Kunden aus unterschiedlichen Branchen der Lösungsanbieter für 3D-Druck. Zum Erfolg trug auch der Onlineshop für 3D-Druck mit einem communityorientierten Konzept bei. Der Shop bietet den Endanwendern die Möglichkeit, ihre eigens kreierten Designs, wie beispielsweise personalisierte USB-Sticks oder Spielfiguren, über den Onlineshop zu vermarkten.

Neben der klassischen Auftragsproduktion sowie der Konstruktion und der Produktentwicklung wurde 2022 der Geschäftsbereich Consulting geschaffen. Dort unterstützt Rapidobjekt mittelständische Unternehmen dabei, den 3D-Druck für ihre Anwendungen nutzbar zu machen. Rapidobjekt hilft beim Einstieg in die Materie bis hin zur Planung, Investition und der Realisierung von eigenen 3D-Druckanlagen. Aber auch in das eigene Unternehmen wird investiert. Im vergangenen Jahr flossen rund eine Million Euro in neue 3D-Drucktechnologie und in die weitere Softwareentwicklung. Für dieses Jahr ist die Eröffnung einer erlebbaren 3D-Druck-Fabrik als Begegnungsstätte für Unternehmen sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen geplant. (cul/fp)

Umsatz: 6,5 Millionen Euro

Beschäftigte: 37

Petra Wallasch.
Petra Wallasch. Bild: Rapidobjekt

Rene Reichardt, DAS Environmental Expert GmbH, Dresden

Das 1991 gegründete Umwelttechnologie-Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Anbietern im Bereich industrieller Abgasreinigung und Wasserbehandlung. Die innovativen Kompaktanlagen zur Reinigung und Entsorgung von Prozessabgasen werden weltweit in der Halbleiterindustrie, in der Fotovoltaik und in der Elektronikindustrie eingesetzt. Für die Anlagen zur Behandlung industrieller Abwässer gibt es Kunden in zahlreichen Branchen, von der Lebensmittelindustrie über die Papierindustrie bis hin zu Kosmetikherstellern. Rene Reichardt ist der Sohn des Mitgründers Horst Reichardt. 2016 wurde er geschäftsführender Gesellschafter. Seit 2021 führt Rene Reichardt das Unternehmen mit weltweit 850 Beschäftigten, davon rund 400 in Dresden, als alleiniger Geschäftsführer. DAS Environmental Expert betreut mit weltweit zehn Niederlassungen in den USA, Südamerika und Asien mehr als 500 Unternehmen in 40 Ländern und erzielt einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro. In Sachsen zählt das Unternehmen zu den größten Zulieferunternehmen der Halbleiterindustrie. Im vergangenen Jahr wurde der Standort in Dresden erweitert und die Produktionskapazität erhöht. Zudem wurden Räume für Ausbildung sowie Forschung und Entwicklung geschaffen.

Reichardt setzt auf eine agile Unternehmenskultur und Internationalität. An den Unternehmensstandorten arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit mehr als 30 Nationalitäten. Jedem Mitarbeiter gleiche Chancen zu ermöglichen, sei Teil der Unternehmens-DNA, versichert Reichardt. DAS Environmental Expert hat das Ziel, mit innovativen Technologien die Balance zwischen industriellem Wachstum und der Bewahrung natürlicher Ressourcen zu finden und damit Industrieprozesse umweltfreundlicher, sicherer und effizienter zu gestalten. "Der verantwortungsvolle Umgang mit den lebenswichtigen Ressourcen Luft und Wasser ist eine weltweite Herausforderung unserer Zeit", meint der 45-jährige Unternehmer. Sein Unternehmen stelle sich dieser Herausforderung. cul/fp

Umsatz: 148,7 Millionen Euro

Beschäftigte: 850

Rene Reichardt.
Rene Reichardt. Bild: DAS
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
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