Vier Partner - ein klares Ziel: Verwertung von Klärschlämmen

Drei regionale Zweckverbände der Wasserversorgung haben sich mit Eins Energie zusammengetan, um angesichts steigender Entsorgungskosten neue Wege zu gehen.

Zwickau/Schwarzenberg.

Drei Jahre ist es her, dass mit der Einführung der novellierten Klärschlammverordnung die Grenzwerte für den zu entsorgenden Klärschlamm verschärft wurden. Dies führte unter anderem dazu, dass Abwasserverbände ihre bisher zumeist landwirtschaftlich verwertbaren Klärschlämme einer Mitverbrennung zuführen mussten. Das geschieht für den sächsischen Raum bislang in den Kraftwerken in Lippendorf und Boxberg. Doch deren Kapazitäten seien schon jetzt begrenzt und werden bei zunehmender Nutzung der Sonnen- und Windenergie und der geplanten Abschaltung von Teilen der Braunkohlekraftwerke weiter sinken, sagt Frank Kippig, Geschäftsführer des Zweckverbandes Wasserwerke Westerzgebirge in Schwarzenberg, im Gespräch mit der "Freien Presse". Gemeinsam mit seiner Amtskollegin Heike Kröber, Geschäftsführerin der Wasserwerke Zwickau, treiben beide ein Pilotprojekt voran, dass es bislang in Sachsen so noch nicht gibt. Die Rede ist vom Bau einer Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage.

Begrenzte Kapazitäten der Abnahme und Mitverbrennung von Klärschlamm lassen die Preise rasant steigen. Lagen die Entsorgungspreise für Klärschlamm im Jahr 2015 noch zwischen 35 und 45 Euro pro Tonne, so werden inzwischen um die 100 Euro pro Tonne fällig, so Kippig. Doch nicht nur der Kostendruck zwingt die Zweckverbände, über Alternativen nachzudenken. Klärschlamm enthält den kostbaren Rohstoff Phosphor. Schon heute sind die Betreiber von großen Kläranlagen per Gesetz zu dessen Rückgewinnung verpflichtet. "Das geht, und das wollen wir auch gern tun. Denn Phosphor ist wirklich ein rarer Rohstoff, von dem es in Deutschland keine natürlichen Vorkommen gibt", heißt es. Doch das gehe nur gemeinsam.

Klärschlamm fällt reichlich an. Allein im Verbandsgebiet Schwarzenberg sind es gut 7000 Tonnen pro Jahr. Rechnet man das Aufkommen an Klärschlamm der Partner zusammen, geht es um rund 73.000 Tonnen pro Jahr. Für einen einzelnen Verband lohne sich die Verwertung nicht, in Kooperation schon.

Vor diesem Hintergrund haben sich drei Zweckverbände (ZV) - der Regional-Wasser/Abwasser-ZV Zwickau/Werdau, der ZV Wasserwerke Westerzgebirge Schwarzenberg und der ZV Kommunale Wasserver- und Abwasserentsorgung Mittleres Erzgebirgsvorland Hainichen - mit Eins Energie in Sachsen zusammengetan, um einen neuen Weg für die Verwertung von Klärschlamm zu erkunden und zu gehen.

"Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren daran und haben für die nun notwendigen Schritte eine eigene Gesellschaft, die Klärschlammmanagement Westsachsen GmbH, gegründet", sagt Heike Kröber, die gemeinsam mit Frank Kippig die Geschäftsführung dieser Projektentwicklungsgesellschaft innehat. In Regie des Managements sollen in den nächsten Monaten die nächsten Pflöcke eingeschlagen werden. Dazu gehören neben diversen Gutachten, mit denen Ingenieurbüros beauftragt werden, die Entscheidung über die Technologie für die geplante Anlage, das Finden eines geeigneten Standorts, eine Wirtschaftlichkeitsstudie sowie die Finanzierung des Vorhabens. Um eine bestimmte Kapazität zu erreichen, will die neue Firma zudem mit einem weiteren Netzwerk aus Thüringen zusammenarbeiten, wo man derzeit vor ähnlichen Problemen steht. Dazu fanden bereits Gespräche statt.

"Klärschlamm wird immer anfallen. Und das noch über Jahrzehnte", sagt Heike Kröber. Das Ziel ist Unabhängigkeit von anderen. Im Auge habe man eine hochmoderne Technologie, mit der sich Phosphor aus der Asche zurückgewinnen lässt. Das sei nachhaltig, umweltbewusst und vor allem sichere es Preisstabilität für die Kunden.

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