Volkswagen setzt Zeichen gegen Gewalt

Gegen jede Form von Gewalt, Extremismus und Rassismus haben heute Vormittag rund 500 Mitarbeiter des VW-Motorenwerks in Chemnitz ein klares Zeichen gesetzt. Zur kurzfristig von Betriebsrat und der Werkleitung organisierten Veranstaltung in der Werkhalle war am Freitag Vormittag fast die gesamte Früh- und Normalschicht gekommen. Zu den Rednern gehörten unter anderem Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates, sowie Gunnar Kilian vom VW-Personalvorstand in Wolfsburg. René Uthoff, Betriebsratsvorsitzender Motorenwerk Chemnitz, sagte: "Wir, die Kolleginnen und Kollegen von Volkswagen hier in Chemnitz, stehen für Menschlichkeit und Solidarität. Wir zeigen mit unserer heutigen Informationsveranstaltung, dass wir mehr sind und dass wir handeln. Wir stehen für ein weltoffenes und tolerantes Chemnitz." Das Motorenwerk hat rund 1800 Angestellte, unter anderem auch aus außereuropäischen Ländern wie Afghanistan, Vietnam und Nigeria. Man stehe für die zivile Mitte, sagte Uthoff.

Graublaue Arbeitskluft und feiner Zwirn mischten sich am Freitagvormittag in der großen Werkhalle vom VW-Motorenwerk in Chemnitz. Auf einer kurzfristig von Betriebsrat und Werkleitung anberaumten Kundgebung setzten die Mitarbeiter, Betriebsräte und Vorstandsmitglieder von Volkswagen Zeichen gegen Diskriminierung, gegen Fremdenfeindlichkeit und gegen Ausgrenzung. Auch Vertreter anderer deutscher Volkswagen Werke waren gekommen. Aus Zwickau, Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg, Hannover, Kassel, Leipzig und Emden. Knapp 500 Mitarbeiter der Früh- und Normalschicht waren dabei.

Sie hörten, wie die Redner auf der provisorischen Bühne angesichts der Ereignisse der vergangenen 14 Tage klar Position für Vielfalt und respektvolles, partnerschaftliches Miteinander bezogen. Für Volkswagen seien dies unverrückbare Grundprinzipien. Es gab Applaus für die Redner, der weit über die Höflichkeit hinausging.

Volkswagen Personalvorstand Gunnar Kilian sagte vor den Beschäftigten: "Das Werk Chemnitz gehört zur Volkswagen Familie. Wir haben hier investiert und tun dies weiter. Deswegen ist es uns als Konzernvorstand wichtig, was in dieser Stadt geschieht. Und ich mache klar: Wir bei Volkswagen dulden keine Diskriminierung. Wir achten soziale Rechte, wir leben Vielfalt. Was draußen vor den Werkstoren vorgegangen ist, verstößt gegen alle Grundwerte von Volkswagen."

Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, rief zu klarer Kante gegen menschenfeindliche, rechtsextreme und antidemokratische Umtriebe auf. "Das gilt ganz konkret für jeden Einzelnen von uns. Wir müssen aber auch von den demokratischen Politikern einfordern, dass sie ihre Hausaufgaben endlich erledigen: berufliche Zukunftsperspektiven ebenso wie auskömmliche Renten, faire Löhne und gute Arbeit sowie bezahlbarer Wohnraum und innere Sicherheit - nur wer diese Themen angeht, wird den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken."

Thomas Schmall, Volkswagen Komponentenvorstand, wies auf das selbstverständliche Miteinander unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen. "Sie arbeiten im internationalen Verbund von 56 Konzernkomponentenwerken auf vier Kontinenten mit Kollegen aus China oder Brasilien, aus Ungarn oder Tschechien höchst erfolgreich zusammen. Mehr als 150 erfahrene internationale Kollegen unterstützen aktuell hier in Chemnitz, um die gute Auftragslage gemeinsam zu bewältigen. Beispiele wie diese zeigen: Bei Volkswagen hier in Chemnitz und an allen anderen Standorten ist kein Platz für Ausgrenzung. Und darauf sind wir stolz!"

Wie international allein das Werk Chemnitz aufgestellt ist, zeigen folgende Zahlen: Es beschäftigt insgesamt rund 1800 Männer und Frauen, unter anderem auch aus Afghanistan, Kuba, Mexiko, Nigeria, der Ukraine, Ungarn und Vietnam. Das Werk wird beliefert von Lieferanten aus 29 Ländern. Nahezu die Hälfte der in Chemnitz produzierten Motoren ist für eine Auslieferung außerhalb Deutschlands bestimmt.

René Utoff, Vorsitzender des Chemnitzer Betriebsrates, hatte die Info-Veranstaltung mit folgenden Worten: Wir, die Kolleginnen und Kollegen des Motorenwerkes Chemnitz stehen für Menschlichkeit und Solidarität. Wir sind gegen Spaltung, gegen Rassismus und Hass. Wir treten offensiv für Menschenwürde und gegen Menschenfeindlichkeit ein. Wir zeigen mit unserer heutigen Informationsveranstaltung, dass wir mehr sind und dass wir handeln. Wir stehen für ein weltoffenes tolerantes Chemnitz."

Bei den Mitarbeitern der Früh- und Normalschicht nachgefragt, gab es viele zufriedene Stimmen. "Ja, alles perfekt. Kurz und knapp: Wir haben Solidarität gezeigt", sagte einer, bevor es nach draußen zum Fototermin ging. "Wir sind ein Multikulti-Konzern", rief ein anderer. Etliche wollten keine Kommentare abgeben. Betriebsrat Andreas Fiebig: "Es stand ja schließlich jedem frei, daran teilzunehmen. Daher glaube ich, dass die, die gekommen sind, auch hinter der Aktion stehen. Ausnahmen werden immer dabei sein."

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