Authentic Network hat im Coworking-Zentrum „die Fabrik“ in Chemnitz fälschungssichere Codes entwickelt: Lisa Arlt (Marketing), Nana Abeka Otoo (Datenwissenschaftler) und Frank Theeg (CEO und Gründer).
Authentic Network hat im Coworking-Zentrum „die Fabrik“ in Chemnitz fälschungssichere Codes entwickelt: Lisa Arlt (Marketing), Nana Abeka Otoo (Datenwissenschaftler) und Frank Theeg (CEO und Gründer). Bild: Ulf Dahl
Wirtschaft regional
Vom Silicon Valley nach Chemnitz: Wie ein Startup Medikamentenfälschungen bekämpfen will

Startup-Preis „Sachsen gründet“ 2026: Produktfälschungen verursachen weltweit Millionenschäden und können Menschenleben kosten. Ein junges Unternehmen hat eine Methode entwickelt, um sie zu erkennen.

Chemnitz.

Manche Ideen sind so einleuchtend, dass man sich fragt, warum es das nicht schon lange gibt. Man stelle sich vor, man will irgendwo in Afrika ein Medikament kaufen. Und ist sich nicht sicher, ob es echt ist. Schnell einen Code mit dem Handy eingescannt – schon ist die Sache klar.

Produktfälschungen sind ein Problem. Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Davon sind auch europäische Unternehmen betroffen, die dort ihre Produkte verkaufen wollen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation ist jedes zehnte Arzneimittel, das in Entwicklungsländern verkauft wird, gefälscht oder minderwertig. Das hat Folgen: Die Mittel sind teils wirkungslos, haben manchmal starke Nebenwirkungen oder können tödlich sein.

Idee aus dem Silicon Valley

Abhilfe könnte aus Chemnitz kommen. In der „Fabrik“ an der Zwickauer Straße – Coworking-Space und Prestigeobjekt der Ex-Kulturhauptstadt – tüftelt das Startup „Authentic Network“ seit ein paar Jahren an einem Code, mit dem Originalprodukte eindeutig gekennzeichnet werden. Gegründet hat es der Chemnitzer Unternehmer Frank Theeg zusammen mit Torsten Stein. Theeg ist Ur-Chemnitzer und einer der Initiatoren der „Fabrik“. Die Idee zum neuen Code kam ihm im Silicon Valley, wo er öfter beruflich unterwegs ist. Dort beschäftigte er sich mit der Blockchain-Technologie: „Ich habe überlegt, wofür man sie anwenden kann, und kam auf den Fälschungsschutz.“

Wie eine Blockchain, aber gedruckt

In einer Blockchain – Grundlage von Kryptowährungen wie Bitcoin – werden Datenblöcke so aneinandergereiht, dass eine nachträgliche Manipulation sofort erkennbar wäre. Theeg dachte sich, dass ein ähnliches Prinzip mit einem hochwertigen Vierfarbdrucker umzusetzen sein müsste. So entwickelte sein Team einen speziellen Code: Ein grünes Quadrat, das aus vielen einzelnen Bitblocks besteht. Jedes hat, vereinfacht gesagt, ein anderes Muster, jeden Code gibt es ein einziges Mal. Solche Codes können nicht kopiert oder eingescannt und gefälscht werden: „Dabei würde die Punktstruktur zerstört werden“, so Theeg.

Der Code kann mit einem einfachen Smartphone gescannt werden, auch ohne Internetverbindung. Handelt es sich um ein Original, erscheint in der App ein grüner Haken.

Mit dem Smartphone wird ein Aufkleber eingescannt. Die App signalisiert dann mit dem grünen Haken, dass alles authentisch ist.
Mit dem Smartphone wird ein Aufkleber eingescannt. Die App signalisiert dann mit dem grünen Haken, dass alles authentisch ist. Bild: Ulf Dahl

Codes gegen Fälschungen gibt es bereits. Die Chemnitzer sind aber der Meinung, dass ihre Variante besonders sicher ist. Vor allem, weil jeder Code einzigartig ist – wenn doch eine Fälschung gelänge, könnte man sie nur für ein einziges Exemplar nutzen. Außerdem gibt es zusätzlich einen klassischen QR-Code. Wird dieser eingescannt, zeigt das Dashboard von Authentic Network den Standort an. Wird derselbe Code innerhalb kurzer Zeit zum Beispiel in zwei verschiedenen Ländern angezeigt, ist das ein Anzeichen für eine Fälschung. Ein weiteres Argument: Die Codes können günstig hergestellt werden. Im Gegensatz zu Hologrammen, die sonst oft zum Einsatz kommen, ist keine Spezialfolie notwendig.

Motoröl-Marke per Code erkennbar

Nach intensiven Testläufen habe man Kunden überzeugt. Der Knackpunkt war die Zusage der international verbreiteten Motoröl-Marke Liqui Moly. Zu den Kunden gehört auch der Gerätehersteller Stihl. Mit Bosch läuft ein Pilotprojekt in Afrika.

Perspektivisch will Authentic Network auf 25, maximal 30 Mitarbeiter wachsen, zurzeit sind es zehn. Man will ein Netzwerk aufbauen, gedruckt werden soll vor Ort in den Einsatzländern. Man habe Partner in Afrika, die die Codes vor Ort vertreiben können. Weitere Einsatzmöglichkeiten seien denkbar. Zum Beispiel fälschungssichere Steuermarken, die auf Produkte geklebt werden können. Frank Theeg erklärt: „In Chemnitz wollen wir weiterhin die Plattform betreiben und weiterentwickeln.“ (eva)

Der Wettbewerb „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von „Sächsischer Zeitung“, „Freier Presse“, „Leipziger Volkszeitung“, MDR SACHSEN, Volkswagen Sachsen, Schneider + Partner, Sächsischer Lotto-GmbH, So geht sächsisch und AOK PLUS.

Mehr zum Wettbewerb und zu den Nominierten: www.freiepresse.de/unternehmerpreis

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