Weniger Zugausfälle: MRB führt Sitzbereitschaft für Lokführer ein

Kunden der Mitteldeutschen Regiobahn mussten 2018 unter vielen Ausfällen leiden. Nun soll alles besser werden. Das verspricht das Unternehmen - und hat dafür auch Geld in die Hand genommen.

Chemnitz.

Zugausfälle und fehlende Lokführer - damit hat die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) im Laufe des vorigen Jahres teilweise arg zu kämpfen gehabt. So etwa waren auf der Regionalexpresslinie Chemnitz-Leipzig (RE 6) im September zeitweise nur zwei von fünf Loks einsatzbereit. Dabei müssen täglich drei unterwegs sein, um den Fahrplan einhalten zu können. Auf der Regionalbahnstrecke Leipzig-Döbeln (RB 110) schlugen die Monate März und August besonders heftig ins Kontor - in den Monaten musste die MRB jeweils fast 13 Prozent der Fahrten ausfallen lassen, weil nicht genug Fahrpersonal da war.

Doch nun gibt sich Henning Weize, der seit September 2018 die MRB-Geschäfte führt, zuversichtlich: "Wir haben in vielen Bereichen eine Kehrtwende hinbekommen und sind auf einem guten Weg." Im November fielen ihm zufolge auf den Linien RE 6 und RB 110 von insgesamt 2700 Zügen nur noch 24 aus. Auf den drei anderen Linien Dresden-Hof, Dresden-Zwickau und Chemnitz-Elsterwerda waren es vier Züge, das entspricht rund einem Promille. Geplante Fahrtausfälle aufgrund von Baustellen werden dabei nicht eingerechnet.

Knapp eine Million Euro wurde demnach in den letzten Monaten in Technik und die Ausbildung von Mitarbeitern investiert. Eine Summe, die laut Weize nicht in den Verträgen mit den Verkehrsverbünden vorgesehen war. Man habe Prozesse optimiert und wisse nun schneller, wenn Handlungsbedarf besteht. Müssen Stellen nachbesetzt werden, gehe man das Thema früher an. Und auch mit Personaldienstleistern habe man entsprechende Vereinbarungen getroffen, um im Fall schneller und sicherer Leihlokführer zur Verfügung zu haben, hieß es. Ab Jahresbeginn 2019 soll zudem eine sogenannte Sitzbereitschaft eingeführt werden. Diejenigen Lokführer müssen sich dann in den Betriebsräumen bereithalten, um im Notfall einspringen zu können. Für die Zeit werden sie regulär entlohnt. Weize umschreibt das mit "sofortiger Leistungsverfügbarkeit". "Wenn der Lokführer erst von zu Hause kommt, sind in der Zwischenzeit schon zwei Züge ausgefallen."

Der MRB-Chef wies darauf hin, dass immer unvorhersehbare Ereignisse eintreten können, die selbst bei bester Personalplanung den Fahrplan aus dem Tritt bringen. So sei kürzlich ein Lokführer unmittelbar vor Dienstbeginn auf dem Hauptbahnhof in Chemnitz zusammengeschlagen worden. Zwei Bahnen seien daraufhin ausgefallen.

Eine Herausforderung dürfte aber auch künftig die RE-6-Linie nach Leipzig bleiben. Laut MRB-Manager Stefan Voß ist die Ersatzteilbeschaffung für die Dieselloks - im Einsatz ist der Typ ER 20 von Siemens, der aber seit 2011 nicht mehr gebaut wird - sehr schwierig. Die Lieferzeiten seien sehr lang. Es dauere vier bis sechs Monate, um bestimmte Teile zu beschaffen. Man habe sich daher ein komplettes Drehgestell, einen Motorblock und zwei Generatoren vorsorglich hingelegt. "Das sind Sachen, die man sich eigentlich nicht auf Lager legt", so Voß. Die Loks haben im Schnitt 15 Jahre auf dem Buckel.

Dass es immer wieder Technikprobleme gab, daran dürften die Topografie der Strecke, aber auch der eng gestrickte Fahrplan ihren Anteil haben. "Die Loks fahren immer unter Volllast und gehen von da auch in den Bremsvorgang", erläuterte Weize. Auf der Strecke müssten die Züge einen Höhenunterschied von 165 Metern bewältigen und einige Bogenradien, hieß es. Die Wendezeiten seien zudem kurz. Das alles mache sich bemerkbar. Die Belastung sei hier fünfmal größer als etwa zwischen Hannover und Hamburg. Um zu einer "höheren Stabilität" zu kommen, wird nun erwogen, die Wartungsintervalle zu verkürzen.

Etwas Entlastung für die Loks erhoffen sich die MRB-Leute durch das geplante Übergangskonzept für die Wagen. Die bisherigen Reisezugwagen sollen durch andere Gebrauchtwagen ersetzt werden. Da künftig auch je zwei Doppelstockwagen verwendet werden, sinkt die Zuglänge von fünf auf vier Wagen. Damit reduziere sich die Last, die die Loks zu ziehen haben, so Weize. Was die Umsetzung des Sommer verkündeten Konzepts angeht, gab es zuletzt allerdings noch Probleme. Weil die Modernisierung des Gebrauchtmaterials offenbar teurer wird als geplant, war bis vor kurzem kein Vertrag zustande gekommen. In der Vorweihnachtswoche hatten sich die beiden zuständigen Verkehrsverbünde VMS in Chemnitz und ZVNL in Leipzig in nicht nichtöffentlicher Sitzung noch einmal mit dem Thema befasst. Ein Ergebnis liegt bislang aber nicht vor.

Hinter der Marke MRB steckt der französische Transdev-Konzern. Die Gruppe ist das größte private Eisenbahn- und Busunternehmen hierzulande. Ihr Geschäft auf der Schiene in Sachsen hat die Transdev auf zwei Töchter verteilt: die Transdev Regio Ost GmbH ist für die Strecken Chemnitz-Leipzig und Leipzig-Döbeln zuständig, die Transdev Mitteldeutschland GmbH für den Rest.

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14Kommentare
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    2
    Zeitungss
    14.01.2019

    @HHCL: Ich liefere nach und bitte um Vergebung. "würden"
    Ich arbeite hart an mir, dass derartige Vorkommnisse der Vergangenheit angehören.

  • 1
    0
    HHCL
    14.01.2019

    @Zeitungss: Es fehlt aber leider ein "würden". So ist das nicht eindeutig.

  • 0
    3
    Zeitungss
    13.01.2019

    @:HHCL: Ich glaube, in meinem Beitrag stand das Wörtchen "wenn".

  • 1
    0
    HHCL
    13.01.2019

    Zeitungss: "Ich kann auch sehr gut damit leben, wenn Sie besagte Zustände als Erfolg betrachten, Meinungsfreiheit ist das Zauberwort."

    Meine Kommentare haben Sie gelesen? Woraus schließen Sie da, dass ich diesen Zustand toll finde?

  • 0
    3
    Zeitungss
    12.01.2019

    @HHCL: Ich wüsste nicht warum ich Sie belehren sollte, es hätte für mich keinen Nutzen. Meine Gedanken dazu orientieren sich an den Gegebenheiten und diese sind nicht wegzuleugnen. Ich kann auch sehr gut damit leben, wenn Sie besagte Zustände als Erfolg betrachten, Meinungsfreiheit ist das Zauberwort.
    Nehmen Sie es auf keinen Fall persönlich, es wäre auch nicht zielführend.

  • 1
    0
    HHCL
    12.01.2019

    @Zeitungss: Diesbezüglich hatte ich Ihnen gar nicht widersprochen.

    Inwiefern Sie mein Kommentar Sie dazu bewogen hat mich über den VMS zu belehren, ist mir unklar.

  • 0
    3
    Zeitungss
    12.01.2019

    @HHCL: Auf der Grundlage von Schrottfahrzeugen hat die MRB den Zuschlag erhalten. Bei zeitgemäßen Fahrzeugen hätte das Angebot zwangsläufig anders ausgesehen. Der VMS konnte oder wollte sich nicht mehr leisten. Die zuständigen Fachkräfte konnten zwar die Zahlen im Angebot lesen, was wirklich zum Einsatz kommt, war dabei Nebensache. Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin fand die Wagen auf Bildern sehr schön, wie die Presse berichtete und sie spricht bekanntlich im VMS ein Wörtchen mit, wie weitere Personen aus diesen Reihen.
    Warum nun gerade die Franzosen zum Zug kommen, hatte zu diesem Zeitpunkt auch viel mit den Personalkosten bei der MRB zu tun, welche man in der Zwischenzeit etwas "überarbeiten" musste, da die Beschäftigten aufgewacht sind. Die Ausschreibungsverfahren in D. und speziell in Sachsen sind mir durchaus bekannt, der Billigste darf, was heute noch immer so ist und Folgeerscheinungen wirklich keine Rolle spielen.
    Die Verantwortlichen werden Sie in diesen Zügen NICHT antreffen, die haben bekanntlich Dienstwagen, vom Kunden finanziert.

  • 2
    0
    HHCL
    12.01.2019

    "Falls es noch nicht überall angekommen ist, der französische Transdev-Konzern ist in Deutschland nicht unterwegs um Goldbarren zu verteilen, er möchte diese absahnen, was mit Schrottfahrzeugen besonders gut funktioniert."

    Man kann Transdev wirklich nicht vorwerfen, dass sie die Züge einsetzen, die die VMS bereit ist zu bezahlen. Zwischen Hof und Dresden fährt auch nicht solcher Müll und das ist auch Transdev. Was daran so schlimm sein soll, dass Firmen Geld verdienen wollen, erschließt sich mir nicht. Hier wird geliefert, was bestellt wurde. Sehr groß kann die Gewinnmarge nicht sein, weil man mit Sicherheit alle anderen unterboten hat. So lange die öffentliche Hand so ausschreibt, ist das eben so.

  • 1
    3
    Zeitungss
    09.01.2019

    Die Chemnitzer OB fand damals auf den Bildern auch Gefallen an dem Zug, wie zu lesen war, solche Fachleute werden gesucht. Schuster bleib...… , wer den Satz kennt.
    Wenn ich morgen für unser Krankenhaus neue OP-Instrumente aussuchen müsste, würde das wahrscheinlich genau so enden, ich würde es nur nicht tun, weil mir dazu das Wissen fehlt. Diesen kleinen "Schönheitsfehler" im System will man nicht erkennen, der angesprochene Personenkreis gleich gar nicht.
    Falls es noch nicht überall angekommen ist, der französische Transdev-Konzern ist in Deutschland nicht unterwegs um Goldbarren zu verteilen, er möchte diese absahnen, was mit Schrottfahrzeugen besonders gut funktioniert. Die ER 20 von Siemens läuft bei den ÖBB schon seit vielen Jahren zur besten Zufriedenheit, obwohl man dort fast keine Strecke mit Hannover - Hamburg vergleichen kann, dafür gibt es dort ein hervorragendes System der Wartung und Unterhaltung, was natürlich mit Kosten verbunden ist. Soll jetzt nicht heißen, dass...…., aber Geld verdient man bekanntlich nicht mit Ausgaben.

  • 1
    3
    Interessierte
    09.01.2019

    Das ist eigentlich ein schöner Zug , gefällt mir gut ...

  • 3
    2
    Zeitungss
    09.01.2019

    @HHCL: Was bei den Verantwortlichen fehlt, ist Fachwissen und ein Konzept. Die spielen weiter Eisenbahn, der Kunde wird es schon verkraften. Schauen Sie einmal nach, wer so alles das SAGEN hat, dann erklärt sich der Zustand von selbst.

  • 3
    0
    HHCL
    08.01.2019

    Wen die Loks derart große Probleme machen, warum ersetzt man dann die Waggons?

    Zwischen Mai und September gibt es dann außerdem SEV auf der Strecke. Es macht ungeheueren Spaß!

  • 5
    4
    Zeitungss
    08.01.2019

    Lasst mal weiter in Deutschland Eisenbahn spielen, funktionierendes wurde abgeschafft und das Ergebnis ist sichtbar. Wer das nun nicht begreift, darf sich täglich von der Realität überzeugen. Wem das gegenwärtige System die Brieftasche füllt, hat naturgemäß eine andere Meinung.

  • 9
    0
    521672
    08.01.2019

    Wenn man diesen Text liest, könnte man meinen, die Story spiele in einem Entwicklungs- und nicht in einem Hochtechnologieland - wie sich Deutschland selbst gern sieht.
    „... nur zwei von fünf Loks einsatzbereit. ... fast 13 Prozent der Fahrten ausfallen lassen, weil nicht genug Fahrpersonal da war. ... Es dauere vier bis sechs Monate, um bestimmte Teile zu beschaffen. ... Modernisierung des Gebrauchtmaterials ... Im November fielen ... von insgesamt 2700 Zügen nur noch 24 aus. ...“
    Starke Leistung!
    Die japanischen Hochgeschwindigkeitszüge Shinkansen hatten im Jahr 2005 eine durchschnittliche Verspätung am Ankunftsbahnhof von 6 Sekunden.
    Der Eulenspiegel-Autor und Satiriker Hansgeorg Stengel beschrieb die legendäre Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit dieser Züge aus seinen Erfahrungen einer Japan-Reise einmal so: „Ein Shinkansen-Zug kam mit 5 Minuten Verspätung an. Das gesamte Zugpersonal wurde entlassen. Der Zugführer beging Harakiri, weil er mit dieser Schande nicht weiterleben konnte. Als er diese Geschichte einem Reichsbahner in der DDR erzählte, habe ihn dieser beruhigt: Verspätungen in diesen Dimensionen, gibt es bei uns nicht!“



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