Woher die Fitflasche ihre Form hat - und was die Firma heute plant

Ein Badener Geschäftsmann hat das DDR-Spülmittel "Fit" nicht nur gerettet, sondern daraus eine große Erfolgsgeschichte in Ostsachsen gemacht. Zehn Millionen Flaschen des Geschirrspülmittels verlassen jährlich das Werk im sächsischen Hirschfelde. Woran er bis heute festhält, ist die Form der Flasche, die in Chemnitz ihren Ursprung hat.

Vorbild für die Gestaltung der Flasche war der Rote Turm im Chemnitzer Stadtzentrum.
Zehn Millionen 500-Milliliter-Flaschen des Geschirrspülklassikers "Fit" verlassen jährlich das Werk im sächsischen Hirschfelde.
Wolfgang Groß - Geschäftsführer

Von Miriam Schönbach

Die Luft in der Werkhalle riecht wie frischgewaschene Wäsche, während sich "Fit"-Flasche an "Fit"-Flasche drängt. Die vollautomatische Abfüllanlage läuft im Akkord. Jährlich verlassen zehn Millionen grüne 500-Milliliter-Flaschen mit dem zwischen Saßnitz und Suhl wohl beliebtesten Geschirrspülmittel das Werk in Hirschfelde (Kreis Görlitz). Parallel wird auf einer weiteren Anlage ein Weichspüler der Marke "Kuschelweich" abgefüllt. Wolfgang Groß nickt zufrieden: "Kuschelweich ist inzwischen unser größter Umsatzbringer. In seinem Rucksack tragen wir "Fit" mit in die westdeutschen Discounter", sagt der Geschäftsführer der Fit GmbH.

Eine Erfolgsgeschichte in der auch Chemnitz eine wesentliche Rolle spielt. Denn bis 1967 wurde das Reinigungsmittel - damals noch in Pulverform - im Stadtteil Kappel durch den VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt hergestellt, bevor die Produktion ins ostsächsische Hirschfelde verlagert wurde. Trotzdem sollte ein Chemnitzer Wahrzeichen das Aushängeschild für das Reinigungsmittel werden. Wie aus Informationen aus dem Chemnitzer Stadtarchiv hervorgeht, entwarf der Grafiker Horst Geil 1968, als "Fit" fortan in flüssiger Form hergestellt wurde, eine Flasche deren Design sich an den Roten Turm im Stadtzentrum anlehnt. Damit sorgte Geil, der als Werbefachmann für die Fettchemie viele bekannte Motive lieferte, dafür, dass der Rote Turm weit über die Stadt hinaus Bekanntheit erlangte. Das Design ist bis heute beibehalten worden und wurde 2014 mit dem Titel "Verpackung des Jahres" ausgezeichnet.

Wolfgang Groß, der promovierte Chemiker, erinnert sich gut an seine erste Begegnung mit dem einstigen Ableger der "VEB Leuna-Werke" und den Geruch nach Ruß. Ostern 1992 stand der gebürtige Badener vor dem Werk. Schnee versteckte riesige Kohleberge unter zartem Weiß. Die "Fit"-Produktion aber faszinierte Groß. "Die Fertigung war intelligent aufgebaut", sagt er.

Den damaligen Ruf des "Wundermittels" für Geschirr, Fenster, Fahrräder und sogar für die Untersuchung von Blutspuren bei der Kripo kannte Groß seinerzeit nicht. Noch war er Angestellter eines internationalen Chemiekonzerns in Westdeutschland. "Ich hatte nur eine Idee. Ich wollte mich mit Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln selbstständig machen", erzählt er. Mit seinem Konzept und ganz viel Geduld überzeugte er die Verantwortlichen bei der Leuna, der Treuhand und einer Bank. Sechs Millionen Euro wollte er investieren, damit die damals 60 Mitarbeiter weiter ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Jeder Arbeitsplatz in der Region zählte.

Groß öffnet eine Tür. An Computern überwacht Anlagenfahrer Mario Nasser die Herstellung von "Kuschelweich", diesmal der Duftrichtung "Karibischer Traum". Seit 2010 ist er im mittelständischen Unternehmen angestellt. "Für 20 Tonnen Weichspüler benötige ich ungefähr 90 Minuten", erläutert der Cunewalder. In Groß' erstem Jahr in der Firma gab es gerade einmal fünf verschiedene Produkte. Inzwischen verlassen 300 Artikel das Werk bei Zittau. Dahinter stehen 85.000 Tonnen Reinigungsmittel pro Jahr, davon allein 25.000 Tonnen "Fit".

Das Spülmittel sorgt längst nicht mehr allein für den Jahresumsatz. 165 Millionen Euro waren es nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr. Zum Portfolio des Mittelständlers gehören die einst westdeutschen Marken "Rei", "Sanso", "Kuschelweich" und "Sunil". Dazu übernahm die Fit GmbH noch "Gard" und "fenjal". Wie der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) mitteilt, gaben im ersten Quartal 2018 Verbraucher für Schönheitspflegemittel bundesweit 2,7 Milliarden Euro aus. Das entspricht einem Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Doch auch Handspülmittel für das Geschirr sind trotz Spülmaschinen weiter gefragt. Nach IKW-Angaben legten die Konsumenten in Deutschland dafür 201 Millionen Euro zwischen Januar und März 2018 auf den Ladentisch.

Mit Schönheit und Sauberkeit will der langjährige Geschäftsführer Groß sein Unternehmen in Hirschfelde weiterwachsen lassen. Gerade ist eine neue Halle für eine Abfüllanlage fertig geworden. Bis 2018/19 will der Chef über mittlerweile 250 Mitarbeiter nochmals rund 16 Millionen Euro am Standort investieren. Bereits 170 Millionen Euro sind seit 1993 in neue Anlagen und Produktionsneubauten geflossen. Parallel dazu wird im Forschungslabor permanent an neuen Trends getüftelt.

Ortsbürgermeister Bernd Müller (Freie Unabhängigen Wähler) freut diese Entwicklung, denn "die Investitionen bedeuten Zukunft für Hirschfelde", sagt der 75-Jährige. Als Bauingenieur hat er zwischen 1967 und 1974 das "Fit"-Werk - damals hieß es VEB Fettchemie - mit aufgebaut. Neben der Spülmittel-Produktion befand sich auf dem Gelände ein Kraftwerk. Bis zu 5000 Menschen fanden dort bis 1989 Arbeit. In Hirschfelde an der Neiße leben rund 1600 Einwohner. Nach dem Ende der Erweiterung bis 2019/20 will sich der Chemiker aus dem Berufsleben verabschieden. (dpa/jwen)

1Kommentare
👍1👎0 aussaugerges 10.08.2018 Es ist erschütternd,die die das Jahrzente aufgebaut haben,möchten sich noch bedanken.
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