Xquisit-Modehaus zieht sich aus Chemnitzer Zentrum zurück

Nach zwei Jahren gibt der Eigentümer auf und schließt die Filiale. Nur eine Verkaufsabteilung soll auf kleiner Fläche bleiben.

Mit großen Erwartungen war das Xquisit-Modehaus der Konsumgenossenschaft Weimar im Oktober 2016 in der Innenstadt eröffnet worden. Nach einer Investition von rund drei Millionen Euro werden seitdem auf zwei Etagen und auf 2500 Quadratmetern hochwertige Bekleidung und Schuhe bekannter Marken angeboten. Ein kleines Café bietet Entspannung vom Shoppen. Doch nun kündigt der Eigentümer an, die Filiale zu schließen - nach "Freie Presse"-Informationen bereits Ende Februar. Geschlossen werden der gesamte Damen- und Herrenmodebereich im Erdgeschoss und im ersten Stock. Einzig das Schuhgeschäft im Erdgeschoss soll bleiben.

Zu den Gründen für die Entscheidung äußerte sich die Konsumgenossenschaft nicht. Dass Veränderungen bevorstehen, war schon länger absehbar. Der Verkaufsraum an der Seite der Rathausstraße ist seit einigen Wochen leer geräumt. Wegen Umbauarbeiten sei dieser Eingang vorübergehend geschlossen, hieß es auf einem Schild. Anfang Januar hatte Vorstandsmitglied Christian Bachera erklärt, dass eine Reduzierung der Verkaufsfläche Grund für die Bauarbeiten sei. Das gesamte Sortiment solle jedoch auf kleinerer Fläche weiter verkauft werden, hatte er hinzugefügt und auf eine baldige Entscheidung der Konsumgenossenschaft verwiesen.

Das Unternehmen, das im Chemnitz Center seit 2011 ein weiteres Xquisit-Geschäft betreibt, habe sich die Entscheidung, 2016 in die Innenstadt zu gehen, nicht leicht gemacht, sagte damals die Vorstandsvorsitzende Sigrid Hebestreit. Wegen des Schuhladens, der sich schon im Gebäude befand, sei der Standort bekannt gewesen, so Hebestreit. Dabei waren zuvor zwei Mitbewerber in den Räumen gescheitert. Das spanische Unternehmen Zara schloss seine Filiale im Erdgeschoss an der Straße der Nationen im Sommer 2016. Trotz jahrelanger Bemühungen hätten sich die Erwartungen nicht erfüllt, erklärte Zara. Die Modekette Esprit machte ihren Laden an der Rathausstraße ebenfalls im Sommer 2016 dicht und zog, stark verkleinert, in die Galerie Roter Turm. Die Konsumgenossenschaft übernahm beide Läden, das Gebäudeinnere wurde umgebaut.

Handelsexperten sehen mehrere Gründe für den jetzigen Rückzug. So seien in dem Modehaus oft weitaus weniger Kunden unterwegs gewesen als in anderen Modegeschäften der Umgebung, heißt es. Die im Vergleich zu anderen Läden höherpreisigen Waren sind für Jörg Knöfel vom Einzelhandelsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) allerdings kein Grund für die Schließung. "Es gibt auch in Chemnitz eine, wenn auch kleine, Klientel mit relativ hoher Kaufkraft", so Knöfel, gleichzeitig Centermanager der Galerie Roter Turm. Man könne nicht sagen, Xquisit sei zu teuer für Chemnitz. So sei Peek & Cloppenburg mit ebenfalls höherpreisigen Waren seit längerem in der Innenstadt präsent. Zweifellos sei jedoch das zweite Halbjahr 2018 nach den Ereignissen in der Innenstadt "sehr, sehr herausfordernd" für den Handel gewesen, sagt Knöfel. Nach dem Tod eines 35-Jährigen war es zu mehreren Demonstrationen gekommen. Bert Rothe, Referatsleiter bei der IHK, sieht in der Schließung von Xqisit einen Einzelfall. Veränderungen in der Handelslandschaft seien kein neues Phänomen, sondern eher als normal zu betrachten, so Rothe.

Nicht nur in Chemnitz stehe der Handel vor einer schwierigen Situation, sagt Jan Grossmann, Leiter des Kaufhofes. So verändere der Onlinehandel den Markt. Hinzu kämen Trends, etwa bei jungen Frauen, teure Kosmetika und Markenturnschuhe zu kaufen, bei der Bekleidung aber auf günstige Waren zurückzugreifen, so Grossmann. Der Kaufhof werde nun prüfen, Marken von Xquisit in sein Angebot zu nehmen, kündigte er an. Entsprechende Kundenwünsche will auch Jakob Epperlein, Geschäftsleiter von Peek & Cloppenburg, berücksichtigen. Er bedauere, dass der Mitbewerber ins Straucheln geraten sei, "denn wir brauchen eine starke Innenstadt in Chemnitz", so Epperlein. Es sei "bitter", dass sich Xquisit zurückziehe, erklärte Sören Uhle, Chef der Wirtschaftsfördergesellschaft CWE. Doch Chemnitz müsse nach vorn schauen, da bringe es auch nichts, über fehlende Parkplätze zu klagen. Wichtig sei, die Leute mit Aktionen wie Parksommer, Hut-Festival oder den Modenächten in die City zu locken. Allerdings könne man sich auf Dauer eine Fluktuation bei den Geschäften nicht leisten, so Uhle. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig war nach eigenen Angaben selbst öfter bei Xquisit einkaufen. Sie bedaure die angekündigte Schließung sehr, sagte sie am Dienstag und fügte hinzu, sie hätte sich gewünscht, dass das Modehaus mehr Zeit für eine Entwicklung gehabt hätte. Zugleich kündigte sie an, dass der Eigentümer des Gebäudes und die CWE aktiv werden, um neue Nutzer für die Flächen zu finden.

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3Kommentare
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  • 1
    0
    VaterinSorge
    24.01.2019

    Ja Mike, ich wollte es nicht schon wieder schreiben, weil es wahrscheinlich keine wirkliche Lösung gibt. Mir ist es auch aufgefallen, dass das Einkaufsmanagement oft sehr weit hinter den Trends zurück hinkt, auch die Auswahl an Größe, Farben oder Ausstattung sehr begrenzt sind, in anderen Standorten der gleichen Ketten oft eher gelungene Einkäufe möglich sind. Und... "ist der Ruf mal ruiniert...." Daher sollten sich die Einkäufer mehr um die Kundenwünsche bemühen und es irgendwie hinbekommen, dass man mal wenigstens ein gelungenes Einkaufserlebnis hat, um gern wieder zu kommen. So wird es sicherlich einigen Leuten gehen, die es einfach mal versuchen wollen.

  • 4
    0
    Mike1969
    23.01.2019

    Also ich war auch schon mehrfach in dem Geschäft. Kaufen konnte ich bis auf Schuhe leider nichts. Und ich gebe auch Geld für gute Kleidung aus. Schade. Aber das Angebot passte nicht zu meinen Vorstellungen. Das ist im übrigen auch im Peek & Cloppenburg so. Wenn ich in Augsburg im Peek & Cloppenburg war, kam ich immer mit Sachen die ich kaufte raus. In Chemnitz gelingt mir dies nicht. Woran dies wohl nur liegen mag?

  • 3
    1
    VaterinSorge
    23.01.2019

    Ja, es sind die zahlreichen Gründe, die es Chemnitz nicht unbedingt leicht machen so attraktiv zu werden, dass man gern in die Innenstadt fährt, um sein Geld in gute Ware zu investieren. Die geringe Kaufkraft und fehlende Kaufbereitschaft der Chemnitzer zwingt die die Innenstadthändler besonders, zusammenzustehen und mit besonderen Aktionen Publikum von außerhalb hereinzulocken. Allerdings müssen schon mal die Barrieren Chemnitzcenter und Sachsenallee überwunden werden, die auf Grund ihrer Kundenfreundlichkeit sehr beliebt sind. Das fängt beim Parken an und endet in der Bandbreite der Produkte, sodass man eigentlich alles Notwendige schon dort erwerben kann. Will man aber mehr oder andere, vielleicht auch bessere Marken, dann kommt man nicht unbedingt auf die Chemnitzer Innenstadtläden, wenn man sie nicht kennt oder sie nicht außergewöhnlich beworben werden. Hilfreich wäre sicherlich eine gemeinsame Webseite, damit man sich als potentieller Kunde das Sortiment und die Verfügbarkeit anschauen kann und sich dann auf den Weg macht. Vielleicht überwindet man auch das Parkplatz- und Knöllchenproblem, gibt mehr hinweisende Botschaften für Auswärtige oder bietet mal wieder Parkhausgutscheine an, um sogenannte weiche Kaufreize zu schaffen. Chemnitzer Verkäufer und Verkäuferinnen sind meist sehr, sehr freundlich aber auch sehr zurückhaltend wenn es darum geht, Kunden die Wünsche erfüllen zu helfen. Zu schnell kommen Antworten wie: " Da kann ich Ihnen auch nicht helfen, da kenne ich mich nicht aus, oder das haben wir nicht". Wenn sich die Geschäfte besser kennen würden, mehr ergänzend als konkurrierend agieren, wäre es für suchende Kunden sicherlich interessanter. Hat man allerdings eine oder mehrere gute Erfahrungen gemacht, kommt man gerne wieder und kauft weniger im Onlinehandel oder in weiter Ferne. Das ist das Einmaleins des Verkaufs, das uns IKEA schon seit 25 Jahren erfolgreich vormacht. Informiere Dich über Trends, Vorlieben und Geschmäcker Deiner Region, bewerbe diese und animiere die Kunden zum Kauf eines Teiles, was überzeugen konnte. Dann kommen sie wieder und wieder.



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