Zum Ausbildungsstart noch viele Lehrstellen in Sachsen unbesetzt

Obwohl es im Freistaat erneut mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gibt, werden viele Jugendliche leer ausgehen. Der Trend verstärkt sich seit Jahren.

Rund 4450 Südwestsachsen haben am 1. August ihre Ausbildung begonnen oder starten ihre Lehre am 1. September. Zugleich sind derzeit noch 1300 Lehrstellen in der Region unbesetzt. Das teilen die Chemnitzer Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer (HWK) mit. "Allerdings kommen im August und September noch neue Lehrverträge hinzu, sodass wir diese Zahl als vorläufig betrachten", sagt HWK-Sprecher Robert Schimke.

Zugleich wächst aber auch die Anzahl der Schulabgänger, die zum Ausbildungsstart leer ausgehen. Bundesweit hat sie sich seit 2010 mehr als verdoppelt. Im September 2018 hatten laut Arbeitsagentur rund 24.000 junge Menschen noch keine Lehrstelle. In Sachsen waren es 800, nachdem es ein Jahr zuvor 660 waren, obwohl hunderte Ausbildungsplätze unbesetzt waren.

Mehr und mehr Unternehmen könnten keine Lehrlinge ausbilden, weil die Bewerber dem Anforderungsprofil nicht entsprächen, sagt der Chemnitzer IHK-Präsident Dieter Pfortner. Für einige weniger beliebte Berufe gingen indes sogar gar keine Bewerbungen mehr ein. "Es ist zwingend nötig, dass sich alle an der dualen Ausbildung Beteiligten noch intensiver diesem Thema widmen", sagt Pfortner. Momentan noch unversorgten Schulabgängern raten die Kammern, sich weiter zu bewerben: "In Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule ist der Ausbildungsbeginn auch nach dem 1. August möglich."

Nach Einschätzung der sächsischen Arbeitsagentur werden allerdings auch in diesem Jahr nicht alle Lehrstellen besetzt werden können. Deren Statistik weist für den Freistaat eine höhere Anzahl an offenen Lehrstellen und unversorgten Bewerbern aus als die der Kammern. "Weil uns nicht alles sofort gemeldet wird", sagt Frank Vollgold, Sprecher der Arbeitsagentur in Chemnitz.

Demnach waren Ende Juli 3117 Ausbildungsplätze in der Region unbesetzt, landesweit 8083. Dem standen 5690 Sachsen gegenüber, die noch einen Ausbildungsplatz suchten. "Rein rechnerisch fehlen also 2400 junge Menschen, um in diesem Jahr alle Lehrstellen zu besetzen", sagt Vollgold. Der Grund: Die Anzahl der Betriebe, die ausbilden wollen, steigt. Die Anzahl der Schulabgänger geht zurück.

"Eigentlich gibt es noch in allen Branchen Bedarf", bestätigt Gabriele Hecker von der Chemnitzer IHK. "Besonders aber im Verkehrsgewerbe, in der Metall- und Elektroindustrie, in der Gastronomie, im Handel, Baugewerbe und in der Textilindustrie." Zudem werden vor allem noch Lehrlinge für die Berufe Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik, Friseur, Elektroniker, Kfz-Mechatroniker sowie Fleischerei-Fachverkäufer gesucht.

Wegen der vielen noch unversorgten Jugendlichen appelliert Agentur-Sprecher Vollgold an die Unternehmen, Bewerber nicht allein wegen ihrer Schulnoten auszusortieren. "Genauso wichtig sind die Kompetenzen, die jemand mitbringt", sagt er. Auch die Linke im Bundestag fordert ein Umdenken und eine Ausbildungsplatzgarantie. Es könne nicht sein, dass Arbeitgeber über Fachkräftemangel und fehlende Azubis klagten, gleichzeitig aber viele Jugendliche leer ausgehen, sagt die Zwickauer Abgeordnete Sabine Zimmermann. mit dpa

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