Nach sechs guten Jahren kehrt an den Börsen Ernüchterung ein

2018 war ein Börsenjahr mit vielem Auf und Ab. Der Deutsche Aktienindex rutschte tief ins Minus. Auch im neuen Jahr gibt es trotz des Kursanstiegs am Freitag nur wenig Hoffnungsschimmer. Ein Rück- und Ausblick.

Frankfurt (Main).

Nach sechs Gewinnjahren in Folge mussten Anleger am deutschen Aktienmarkt 2018 herbe Verluste hinnehmen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) büßte mehr als 18 Prozent ein und brachte damit das verlustreichste Jahr seit der internationalen Finanzkrise 2008 hinter sich. Nach Berechnungen des Versicherungskonzerns Allianz kostete die Korrektur an den Aktienmärkten die deutschen Haushalte über 100 Milliarden Euro oder beinahe zwei Prozent ihres gesamten Geldvermögens. "Für Aktienanleger war das Jahr 2018 eine einzige Enttäuschung", bilanzierte die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

"Eine solche Konstellation wie 2018 - mit Verlusten über fast alle Anlageklassen hinweg - hat es an den Finanzmärkten nur selten gegeben", erklärte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen, in einer Börsenkolumne. Der Experte befürchtet, dass sich die Lage erst einmal nicht bessert. "Für eine Wende zum Besseren fehlen die Argumente", meint Kater und nennt die Themen, die auch schon im vergangenen Jahr die Stimmung an den Finanzmärkten trübten: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, aber auch zwischen den USA und Europa, der Brexit und der Ausstieg der Notenbanken aus der expansiven Geldpolitik.

Auch Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors ist skeptisch. "2019 werden uns die drei Bekannten - Geopolitik, Geldpolitik, globale Konjunktur - erneut begegnen. Klarer Treiber für Unsicherheiten bleibt dabei die Geopolitik. Der Brexit wird konkret, Italiens Haushalt bereitet Sorgen, Präsident Trump twittert, ... Kursschwankungen an den Aktienmärkten sollten da nicht ausbleiben", schreibt der Wertpapierexperte in seinem Ausblick auf das Börsenjahr. Er rät Anlegern deshalb in diesem Jahr auf eine gemischte Kapitalanlage zu setzen und das Sparvolumen auf unterschiedliche Vermögensklassen zu streuen.

Eine Anlageklasse, die mit einem Endspurt zum Jahresende noch in den positiven Bereich rutschte, war Gold. "Gold hat sich als das bessere Geld erwiesen", meint Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa, einem Handelshaus für Edelmetalle. Während die Kaufkraft von Euro-Bankguthaben 2018 knapp zwei Prozent verloren habe, konnte der Goldpreis um drei Prozent zulegen. Polleit rät deshalb Anlegern dazu, Gold mit einem langfristigen Horizont zu kaufen, also mit Blick auf die nächsten fünf oder mehr Jahre. "Langfristig gesehen wird das Gold vermutlich deutlich besser abschneiden als die offiziellen Währungen", meint Polleit.

Bei Laune gehalten werden die Aktienmärkte seit Jahren durch die Geldschwemme und Niedrigzinsen großer Notenbanken. In der Zinsflaute herrschte Anlagenotstand, Investoren mussten das viele Geld schließlich irgendwo anlegen. Sie setzten daher verstärkt auf Aktien, das trieb die Kurse nach oben. Doch allmählich versiegt die Geldflut.

Die US-Notenbank Fed strafft die geldpolitischen Zügel seit geraumer Zeit und hebt die Leitzinsen in Etappen an. Die letzte Erhöhung kurz vor Jahresende sorgte für einen regelrechten Ausverkauf an den weltweiten Aktienmärkten. Investoren befürchten, dass steigende Zinsen die Konjunktur deutlich dämpfen könnten. Zugleich machen höhere Zinsen Anleihen von Staaten und Unternehmen im Vergleich mit Aktien tendenziell attraktiver.

Auch Europas Währungshüter steuern allmählich zurück in die geldpolitische Normalität. Im neuen Jahr will die Europäische Zentralbank (EZB) keine frische Milliarden mehr in Anleihen stecken. Ein rasches Ende der Geldflut im Euroraum ist damit allerdings nicht in Sicht.

Zudem haben sich die Aussichten für die globale Wirtschaft eingetrübt. "Die Weltwirtschaft wächst zwar auch nächstes Jahr, aber wir befinden uns in einer späten Zyklusphase", analysierte Jens Wilhelm, Vorstand bei der Fondsgesellschaft Union Investment. Die USA erlebten den zweitlängsten Aufschwung der vergangenen 70 Jahre. Eine wirtschaftliche Verlangsamung sei damit wahrscheinlicher, was sich auf die Stimmung an den Kapitalmärkten auswirken dürfte.

Anleger müssen sich nach Einschätzung von Börsenexperten deshalb auf eine Berg- und Talfahrt einstellen. "Zwar wird es in den nächsten Monaten immer wieder zu stärkeren Schwankungen kommen, doch insgesamt werden die Aktienmärkte auf einen holprigen Aufwärtspfad einschwenken", zeigte sich Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank jüngst zuversichtlich.

Kapitalmarktexperte Ulrich Stephan von der Deutschen Bank sieht ebenfalls Chancen für steigende Kurse, auch weil die Unternehmen weiterhin mit robusten Gewinnen rechneten. Skeptischer sind dagegen die LBBW-Experten. Sie sehen vor allem Risiken bei US-Aktien, die inzwischen als vergleichsweise teuer gelten. Mögliche Folgen beschreiben die Wertpapierexperten so: "Wenn die Wall Street niest, bekommen die hiesigen Börsenplätze die Grippe." (mit dpa)

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