Pläne für neues Einkaufszentrum: Rewe und Aldi setzen auf Treuen

Der Investor konnte die Mehrheit der Stadträte für sein Bauprojekt an der Perlaser Straße gewinnen. Doch es gibt auch Bedenken: Wird das Treuens Innenstadt verkraften?

Treuen.

An der Perlaser Straße will ein Investor ein Einkaufszentrum entwickeln. Neben dem Vollsortimenter Rewe und dem Lebensmitteldiscounter Aldi möchte die PZ-Marktbau GmbH dort auch einen Fachmarkt ansiedeln. Ein Teil der 1,8 Hektar großen Fläche soll Bauland für Eigenheime werden. Damit diese Pläne in die Tat umgesetzt werden können, hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Sondergebiet "Einzelhandel An der Perlaser Straße" beschlossen.

Bestandteil der Planung, die der Investor zahlt, sind ein Umweltbericht sowie mehrere Gutachten zu den Auswirkungen auf den Verkehr und den Einzelhandel in Treuen. Zudem soll die Öffentlichkeit frühzeitig beteiligt werden, um Bedenken und Anregungen einbringen zu können. "Ein bis zwei Jahre für das B--Plan-Verfahren, anschließend Bauantrag und etwa ein Jahr Bauzeit - in drei bis vier Jahren könnte das Einkaufszentrum stehen", skizzierte Investor Karl-Heinz Zehentner gegenüber der "Freien Presse" den aus seiner Sicht idealen Zeitplan. "Natürlich nur, wenn es keine Komplikationen gibt", schränkte er ein.

Das Votum von 18 zu vier Stimmen für den Aufstellungsbeschluss täuscht. Die Bedenken der Stadträte gegenüber den Plänen sind größer, als es das Abstimmungsresultat erkennen lässt. Das sei schon beim Auftritt der Projektentwickler im Technischen Ausschuss im März deutlich geworden, rief Bürgermeisterin Andrea Jedzig (Einzelkandidatin/CDU-Mitglied) in Erinnerung. "Wir haben Bedenken, vor allem mit Blick auf unsere Innenstadt", sagte die Bürgermeisterin. Zugleich sehe man die Chancen für die Bevölkerung und die Stadtentwicklung. "Denn wenn nicht bei uns gebaut wird, dann anderswo - und Treuen geht leer aus", sagte sie.

Eine Argumentation, der sich Ulrich Gruschwitz anschloss: "Auerbach oder Falkenstein nehmen auch keine Rücksicht", sagte der DSU-Stadtrat. Dagegen warnte sein Fraktionskollege Roberto Rink vor der Zerstörung der bestehenden Handels-Infrastruktur und prophezeite "Investruinen, wenn sich die Märkte nicht rechnen". Investor Zehentner hielt mit Untersuchungen der Handelskonzerne dagegen, "die uns nicht mit der Projektentwicklung beauftragt hätten, wenn sie in Treuen nicht Chancen sehen würden". Seine Überzeugung: Ein Vollsortimenter wie Rewe sei für Treuen und seine Bürger ein Gewinn, die Stadt profitiere von Steuereinnahmen und der Markt bringe 30 bis 40 Arbeitsplätze.

Torsten Forner und Gerhard Jacobi (beide Freie Wähler/FW) kritisierten die Marktbau-Pläne unter anderem wegen des Flächenverbrauchs. Stattdessen sollten Industriebrachen oder der verwaiste Spectrum-Markt in Eich als alternative Standorte geprüft werden. Die Fläche an der Perlaser Straße hingegen sollte Treuen für Eigenheime favorisieren. Marcus Galle (FW) befürchtet nicht nur negative Auswirkungen auf die Innenstadt, sondern Leerstand durch von Mitbewerbern aufgegebene Supermärkte. Maik Strauß (FW) hingegen sieht im Einkaufszentrum eine Chance für Treuen - "wenn dort etwas Attraktives gebaut wird. Darauf müssen wir im weiteren Verfahren dringen, denn der Standort ist wie ein Tor zu unserer Stadt."

2Kommentare

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    juergenhorst
    20.06.2020

    Ohne Zweifel gibt es Für und Wider zu dem Vorhaben. Um so wichtiger ist es, dass im Zuge des Verfahrens die Bürgerinnen und Bürger ihre Meinungen einbringen. Denn nur diese Meinungen können aus rechtlichen Gründen auch gewertet werden.

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    Tauchsieder
    19.06.2020

    Als schlechtes Beispiel muss man sich nur Plauen ansehen, da hat Rink mit seinen Bedenken nicht ganz unrecht. Mit dem Bau und dem Betrieb der Stadtgalerie in Plauen gingen im weiten Umfeld die Einzelhändler in die Knie. Auf der Bahnhofstraße stehen nur noch Holzfiguren, aber weit und breit kaum Kundschaft.