Stadt Plauen rekonstruiert abgedeckte "Geisterbahn"

Nach Jahrzehnten wird Fassadengestaltung am Rathaus wieder sichtbar.

Plauen.

Die Stadt Plauen wird die originale Fassadengestaltung des 1978 neu errichteten Rathauseinganges und das dabei von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht geschaffene Kunstwerk vollständig erhalten und rekonstruieren. Das hat der Stadtrat am Dienstagabend nach kontroverser Diskussion mit 21 Ja- zu 14 Nein-Stimmen beschlossen. Voraussichtliche Mehrkosten von 450.000 Euro sollen über höhere Denkmalschutz-Fördermittel und Zuwendungen aus Stiftungen gedeckt werden.

Das aus Keramikgranulat geschaffene zweiteilige, links und rechts des Rathauseingangs verlaufende Flächenkunstwerk umfasst laut Denkmalschützerin Dagmar Groß insgesamt 250 Quadratmeter. Es setzt sich aus einander überschneidenden farbigen geometrischen Formen zusammen und wurde vom Volksmund zur Zeit der DDR als "Geisterbahn" bezeichnet. Es wurde nach wenigen Jahren von Muschelkalkplatten abgedeckt. Inzwischen gilt es nach probeweiser Freilegung als "Paradebeispiel der Ostmoderne" und "einziges abstraktes Wandbild, das es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gab", so Sachverständige im Stadtrat. Restauratorin Sonnhild Müller hatte das Werk unlängst als "seltenes Beispiel für progressive, nicht angepasste Kunst zu DDR-Zeiten" bezeichnet: "Es bedeutete Mut des Plauener Stadtarchitekten, dieses Kunstwerk, das nicht den Vorstellungen des sozialistischen Realismus entsprach, am Rathaus anbringen zu lassen."


Der im Vogtland geborene Karl-Heinz Adler (1927 - 2018) war ein international bedeutender Vertreter konkret-konstruktiver Kunst.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
1Kommentare
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  • 2
    0
    ths1
    04.06.2019

    Eine kluge Entscheidung.



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