Quellwasser für Badespaß tröpfelt nur

Raschau-Markersbach hat seit der Gemeindefusion 2008 zwei Freibäder. Ein finanzieller Kraftakt, den die Kommune für etliche Badegäste aus der Region stemmt. Aktuell gibt es in Raschau prominenten Neuzugang, und in Markersbach richten sich sorgenvolle Blicke ins Becken.

Raschau-Markersbach.

Noch vor wenigen Stunden wusste keiner, ob und wann die Freibäder in Sachsen öffnen können - oder ob überhaupt. Am Dienstag gab es plötzlich grünes Licht. Ab heute dürften Freibäder wieder öffnen. "Doch wir bleiben dabei, es wird am Kindertag, 1. Juni, aufgemacht. Bis dahin stimmt dann auch das Wetter", sagt Bürgermeister Frank Tröger (Freie Wähler).

Selbstverständlich laufen - wie jedes Jahr - seit Wochen schon die Vorbereitungen für den Saisonstart. Im Freibad Raschau wird künftig mit René Suetovius ein zweiter Mann - neben dem langjährigen Schwimmmeister Gerd Schilhan - am Beckenrand stehen. Seit 1. April hat der Fachangestellte für Bäderbetriebe im Raschauer Freibad angeheuert. Und wer jetzt von den etwas Älteren denkt: "Das Gesicht kenn' ich doch?" - der irrt nicht.

Der Neue ist ein sportlicher Meister in mehrfacher Hinsicht. Denn René Suetovius war fünffacher DDR-Meister im Boxen, trat sogar 1988 im Halbschwergewicht bei den Olympischen Spielen in Seoul für die Nationalmannschaft der DDR in den Ring. Seinen letzten DDR-Meistertitel holte er 1989 und wurde 1990 sogar Gesamtdeutscher Meister im Halbschwergewicht. "Ich habe sowohl Schwer- als auch Halbschwergewicht geboxt", erzählt der 55-Jährige, der heute in Oberwiesenthal zu Hause ist und sich mittlerweile den Titel Schwimmmeister gesichert hat. Ein ehemaliger Leistungssportler wird also künftig ein wachsames Auge auf die Wasserratten und Bademäuse in den Becken der Raschauer Anlage haben. Gerd Schilhan will ihn in dieser Saison "trainieren", aber ihm das Handtuch maximal zuwerfen. Gemeinsam bereiten sich beide auf den Startschuss für die Badesaison vor. "Es ist bereits alles gereinigt, die Becken gut gefüllt. Noch ein paar Arbeiten an den Außenanlagen und im Umfeld sind nötig, dann kann es von uns aus losgehen", so Schilhan.

Sorgenvoller blickt dagegen im Moment Steffen Weiß ins Becken vom Freibad Markersbach: Bislang wurde das Bad stets durch eine natürliche Quelle aus Richtung Oberbecken gespeist. Doch was momentan ankommt, tröpfelt nur noch. "Grund ist die extreme Trockenheit, es kommt nichts mehr. Da oben im Wald ist alles trocken", sagt Steffen Weiß mit leichter Verzweiflung in der Stimme. Schon in den zurückliegenden beiden, extrem trockenen und heißen Jahren habe sich das angedeutet. "Mit dem bissel Wasser kriegen wir bis Juli das Becken nicht voll", sagt er.

Bleibt also nur, den Wasserhahn aufzudrehen? Diese Frage hat Bürgermeister Frank Tröger jetzt mit "Ja, natürlich!" beantwortet. Denn schließlich ist Wasser aus Leitung immer auch eine Geldfrage. "Aber das müssen wir schon tun, alles andere wäre doch enttäuschend", sagt er. Zur nächsten Ratssitzung (im nichtöffentlichen Teil) soll auch über eine geringfügige Erhöhung der Eintrittsgelder entschieden werden. Das hatten neben Familie Weiß, die seit Jahrzehnten das Bad in Markersbach betreut, auch schon Gäste angeregt. Bisher zahlen Kinder bis 16 Jahren in Markersbach 1 Euro, Schüler/Studenten 1,50 Euro und Erwachsene 2 Euro. All diese Eintrittspreise sollen um 50 Cent erhöht und damit an die in der Region üblichen Ticketpreise angepasst werden. Doch ob die neuen Eintrittspreise schon ab dem 1. Juni - an dem der Startschuss für die Badesaison fällt - gelten, ist derzeit noch offen.

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