Finanzen
Amt macht die Steuererklärung: Darauf sollten Sie achten

In Kassel erstellt das Finanzamt für einfache Fälle automatisch einen Steuer-Vorschlag. Wer allerdings steuerlich relevante Ausgaben melden kann, sollte das auch tun.

Berlin.

Die jährliche Erstellung der Steuererklärung ist für viele ein Ärgernis. Belege müssen sortiert, Formulare gewälzt und Fristen eingehalten werden. Und immer schwingt die Sorge mit, etwas falsch zu machen. Nun dreht ein Pilotprojekt das Verfahren um: Nicht mehr der Bürger erklärt seine Steuer, sondern das Amt erstellt einen fertigen Vorschlag. In Hessen läuft dieses Modell bereits.

Gestartet wurde das Projekt beim Finanzamt Kassel unter dem Titel "Die Steuer macht jetzt das Amt!". Die Idee: Für einfache Fälle - etwa Arbeitnehmer oder Rentner ohne besondere Zusatzeinkünfte - liegen dem Finanzamt ohnehin bereits viele Daten elektronisch vor. Denn Arbeitgeber, Rentenversicherung oder Krankenversicherung übermitteln ihre Informationen digital. Auf dieser Basis erstellt die Behörde einen sogenannten Festsetzungsvorschlag.

Eigene Ergänzungen können sinnvoll sein

"Steuerzahler erhalten diesen per Post oder digital und haben vier Wochen Zeit zur Prüfung", erklärt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler. Wer dem Festsetzungsvorschlag zustimmt oder gar nicht darauf reagiert, erhält automatisch einen Steuerbescheid. 

Wer hingegen Werbungskosten, Sonderausgaben, Handwerkerleistungen oder andere steuermindernde Angaben ergänzen kann, sollte das weiterhin selbst erklären - etwa über das bundesweite Online-Finanzamt Elster. Das klassische Veranlagungsverfahren bleibt also bestehen.

Mit dem Festsetzungsvorschlag könnten also gerade Menschen mit überschaubaren Einkommensverhältnissen bei der Steuererklärung entlastet werden. Doch auch sie sollten dabei genau hinschauen: "Die Verantwortung für vollständige Angaben bleibt beim Steuerzahler. Wer zusätzliche Aufwendungen nicht meldet, verschenkt womöglich Geld", sagt Daniela Karbe-Geßler.

Auch andere Länder beobachten das Modell dem Bund der Steuerzahler zufolge genau. In Thüringen plant das Finanzministerium ein ähnliches Verfahren unter dem Projektnamen "Amsel" (Amtsveranlagung). Ein Start wird vorbereitet, konkrete Bescheide wie in Hessen werden dort aber noch nicht verschickt. (dpa)

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