Das sind die Highlights der Monterey Car Week

Ob Rostlaube oder Karbonrenner, Stromer oder Stromlinie, Prototyp oder Oldtimer - selten werden Autos leidenschaftlicher gefeiert als bei der Monterey Car Week in Pebble Beach.

Monterey (dpa/tmn) - Normalerweise surren morgens im kalifornischen Pebble Beach allenfalls ein paar elektrische Golf-Karts durch den Küstennebel. Doch heute zerreißt ein Grollen die Stille, wie man es seit den 1930er Jahren nicht mehr gehört hat.

Denn kurz vor dem Oldtimer-Treffen Concours d’Elegance startet auf der legendären Küstenstraße 17-Mile-Drive ein Nachbau des Mercedes SSKL zur Jungfernfahrt, mit dem Manfred von Brauchitsch 1933 das Avus-Rennen gewonnen hat. Und dessen über sieben Liter großer Reihensechszylinder ist so infernalisch laut, dass er selbst die Ferrari, Lamborghini und Bugatti übertönt, die in seinem Schlepptau unterwegs sind. Von den vielen Tesla und all den anderen Akku-Autos bis hin zur Designstudie des VW ID Buggy ganz zu schweigen.

Car Week in Monterey gestartet

Was vor knapp 70 Jahren mal als reiner Schönheitswettbewerb für Oldtimer begann, ist mittlerweile zu einer gigantischen PS-Party geworden.

Rund um die über ein Dutzend Concours gibt es mindestens genauso viel Auktionen, bei denen im Sekundentakt der Hammer fällt: Im letzten Jahr kamen dabei nach Angaben der Klassiker-Versicherung Hagerty rund 1300 Autos unter den Hammer, für zusammen knapp 400 Millionen Dollar.

Und auch in diesem Jahr gab es zahlreiche Millionenstücke: Ein Aston Martin DB5 aus einer James-Bond-Produktion wechselte beim Auktionshaus RM Sotheby’s für 6,4 Millionen Dollar den Besitzer. Der Porsche Typ 64 dagegen, als Privatwagen Ferdinand Porsches so etwas wie der Urahn aller Stuttgarter Sportwagen, fand allerdings keinen Käufer. Dem aktuellen Besitzer war ein Gebot über 17 Millionen Dollar zu wenig.

Streng limitiert

Viele Hersteller bringen neue Autos mit, die in der Regel streng limitiert sind. Das treibt den Preis und zugleich das Interesse: Meistens sind die Sonderserien schon komplett verkauft, bevor das Tuch von ihnen gezogen wird. So viele Multimillionäre sich auch für den neuen Bugatti Cientodieci interessiert haben mögen, mit dem die VW-Tochter an den spektakulären Supersportwagen EB110 aus den 1990ern erinnert - die zehn Exemplare sind bereits zugeteilt, sagt Pressesprecher Tim Bravo.

Dabei kostet der Centodieci mit acht Millionen Euro knapp dreimal so viel wie ein Chiron, der ihm als Basis dient. Allerdings gibt es dafür dann eine völlig eigenständige Karosserie sowie immerhin 1176 kW/1600 statt 1103 kW/1500 PS für den acht Liter großen 16-Zylinder, so Bravo weiter. Auch Lamborghini hat sein Top-Modell veredelt und zeigt den Aventador Roadster als SVJ, der in Anlehnung an das Gründungsjahr 1963 nur 63 mal gebaut werden soll.

Dazu gibt es in und um Pebble Beach den ersten öffentlichen Auftritt für die 100-Jahre-Studie von Bentley sowie den Lotus Evija, mit dem der britische Sportwagenhersteller elektrisch in die Zukunft starten will.

Nur virtuell zu sehen

Während sich dies Neuheiten in der allgemeinen Aufmerksamkeit sonnen, gibt es manche Premieren auch nur in abgedunkelten Räumen mit versiegelten Smartphones zu sehen - und zum Teil sogar nur virtuell. «Closed Room»-Präsentation heißt das Zauberwort, mit dem die Hersteller ausgewählte VIP-Kunden locken wollen.

Die dürfen bei Mercedes dann schon mal einen Blick auf die neue Maybach-Version des GLS werfen, bei Aston Martin eine Sitzprobe im DB X machen, der als erster Geländewagen der Marke ab 2020 gegen Lamborghini Urus und Co. antreten soll, oder sich bei der vornehmen Hyundai-Schwester Genesis ein Bild vom ersten SUV der Marke machen.

So ähnlich hat auch die Geschichte des Pininfarina Battista begonnen, der als erster elektrischer Hypersportwagen mit 1397 kW/1900 PS ein neues Fahrzeugsegment begründen will: Im letzten Jahr noch ein Geheimobjekt für die Augen weniger Auserwählter, steht er jetzt als Serienmodell im Rampenlicht auf dem Rasen.

Auf so eine Storyline hofft auch Dzemal Sjenar. Er leitet den Aufbau der Designstudien bei VW in Wolfsburg und hat diesmal den ID Buggy mit nach Pebble Beach gebracht. Im Paarlauf mit einem Mayers Manx auf Basis des Käfer, der diese Fahrzeuggattung vor über 50 Jahren begründet hat, surrt der VW-Ingenieur mit dem Stromer über den 17-Miles-Drive und hofft, dass diese Spritztour dem giftgrünen Spielzeug den Weg in die Serie ebnet.

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