Los Angeles vereint zwei Autowelten

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Erst Corona, dann die Chipkrise und über allem die Klimaproblematik: Die Autoindustrie hatte schon mal einen besseren Stand. Was macht die Branche auf der L.A. Auto Show daraus?

Los Angeles (dpa/tmn) - Gefühlt jedes dritte Auto ein Tesla. Dazwischen protzige Pick-ups, dröhnende Supersportwagen und schillernde Luxuslimousinen: Vielfältiger als in Los Angeles könnte das Straßenbild kaum sein.

Ganz gleich wie unterschiedlich ihre Geschmäcker und Überzeugungen in Sachen Mobilität sind: Die meisten Kalifornier eint ihre Liebe zum Automobil, und entsprechend tolerant ist der Umgang miteinander. Das zeigt sich auch auf der diesjährigen Los Angeles Auto Show (19. bis 28. November).

Nirgendwo machen die Hersteller mehr Masse und Kasse als an der US-Westküste. Kein Wunder also, dass es sich die Branche nicht nehmen lässt, endlich einmal wieder eine Automesse zu veranstalten - Corona hin und Chipkrise her.

Nicht nur die üblichen Verdächtigen

Also Maske auf, vor dem Zutritt testen und hinein geht es ins L.A. Convention Center, dem Veranstaltungsort der Auto Show. Und, wer ist gekommen? Nicht nur die üblichen Verdächtigen. Klar, die amerikanischen Big Three sind alle da: Ford, General Motors und die US-Sparte von Stellantis dürfen natürlich nicht fehlen.

Und anders als noch auf der IAA in München im September lassen sich die Asiaten ihren Auftritt nicht nehmen, schließlich verkauft selbst Subaru in Amerika mehr Autos als Volkswagen und Audi zusammen, von Toyota, Nissan oder Honda ganz zu schweigen. Und die Koreaner sind derzeit ohnehin immer ganz vorne dabei.

Nur die deutschen Hersteller glänzen bis auf Porsche mit Abwesenheit. Dafür nutzen zahlreiche Newcomer die große Bühne für ihren Einstand: Fisker, Canoo oder Edison aus den USA zum Beispiel, und vor allem Vinfast, mit dem ein Autobauer aus Vietnam den Weltmarkt betritt.

Viel elektrisch, etwas klassisch

An Neuheiten herrscht deshalb kein Mangel. Während die allermeisten Hersteller rein elektrisch vorfahren, zeigt Chevrolet die neue Corvette in der auf 492 kW/670 PS erstarkten Sportversion Z06. Und Nissan setzt mit dem günstigen Sportcoupé Z noch einmal alles auf klassische Fahrfreude. Auch SUVs wie der sechs Meter lange Lincoln Navigator oder der Lexus LX600 werden mit jeder Generation größer und wollen noch nicht einmal etwas von einem Hybrid-Antrieb wissen.

Anders Ford, Jeep und Land Rover: Der Ford F-150, ein riesiger Pick-up und seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto in den USA, steht als Lightning unter Strom. Jeep zeigt den neuen Grand Cherokee als Plug-in-Hybrid. Und auch der Range Rover, dessen Neuauflage in Los Angeles seine Publikumspremiere feiert, fährt zumindest teilweise rein elektrisch.

Für Europäer hält die L.A. Auto Show zahlreiche Neuheiten bereit, die einen zweiten Blick lohnen, vor allem bei den rein elektrischen und den neuen Marken. Die beiden auf einer neuen Akku-Plattform entwickelten Vinfast-SUVs VFe35 und VFe36 etwa kommen nach Angaben des Herstellers Ende nächsten Jahres nach Deutschland. Gleiches gilt für den rein elektrischen Fisker Ocean, den der ehemalige Aston-Martin-Designer Henrik Fisker ab Ende 2022 bei Magna in Österreich bauen lassen will.

Studien werden Wirklichkeit

Der Hyundai Seven sowie der Kia EV9, die beiden einzigen neuen Studien auf der Messe, werden binnen zwei Jahren als große SUVs mit über 600 Kilometern elektrischer Reichweite weltweit gegen Autos wie den Audi E-Tron oder den BMW iX antreten, wie die Hersteller angekündigt haben. Und elektrische Asiaten wie der Nissan Araya sowie die weitgehend baugleichen SUVs Toyota BZ4X und Subaru Solterra sind fest für die europäischen Flotten eingeplant.

Die Koexistenz alter und neuer Autowelt lässt sich in Los Angeles nirgendwo besser beobachten als bei Porsche. Denn die Schwaben haben hier quasi zwei Extreme für beide Lager enthüllt: Mit dem Taycan GTS zeigen sie ihr erstes Elektroauto, das auf eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern kommt.

Und auf der anderen Seite ist da mit dem 718 GT4 RS die bislang «schärfste» Form des Porsche Cayman, der mit einem hochdrehenden Sechszylinder ganz ohne Aufladung vergleichsweise anachronistisch und deshalb besonders reizvoll ist. Das eine zu tun ohne das andere zu lassen - das geht im toleranten Los Angeles offenbar besser als irgendwo sonst auf der Welt.

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